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ErdkundeBrockhaus 1882

Jamaika, eine von den Großen Antillen, südlich von Cuba, mit einem Areal von 10859,4, mit den dazugehörigen Caymansinseln von 11443 qkm, durch ihre Produktenfülle und ihre Lage die wichtigste Besitzung der Engländer in Westindien, ursprünglich Hamaye oder Janahica Heite 14 wurde von Columbus auf seiner zweiten Reise 1494 entdeckt und 1514 auf königl. Befehl mit dem Namen Isla de Santiago belegt. Diego, Columbus' Sohn, war der erste span. Gouverneur auf der Insel. Unter span. Oberherrschaft wurden die zahlreichen Urbewohner mit unerhörter Grausamkeit verfolgt und die Bevölkerung bedeutend gelichtet. Die Briten bemächtigten sich 1655 der Insel, die sie nun d. nannten. Ihre Bevölkerung stieg seitdem wieder, namentlich auch, indem viele unzufriedene königlich Gesinnte und mehrere Pflanzer aus Barbadoes sich dahin wendeten. Ein furchtbares Erdbeben 1692, das fast der ganzen Oberfläche der Insel eine andere Gestalt gab, und die darauf folgende Pest schwächten die Bevölkerung der Insel abermals. Dieselbe belief sich 1834 auf 358836 Seelen, und zur Zeit der Sklavenemancipation 1838 gab es 322000 Sklaven. Seitdem wurden viele freie Arbeiter, namentlich Kulis, eingefuhrt, so 1848—56 gegen 18000. Im J. 1881 zählte man 580804 E. J. ist von W. gegen O. von bewaldeten Urgebirgen, den Blauen Bergen, durchzogen, die den östl. Teil erfüllen und dort bis 2300 m drig aufsteigen, während deren Ausläufer in den übrigen Teilen weniger hoch erscheinen. Die Thäler sind eng und nicht mehr als ein Zwanzigstel des Areals ist ebener Boden. Viele kleine Flüsse rinnen durch sie herab, und Mineralquellen sprinen an verschiedenen Stellen. Die meist steile Küste hat auf 825 km Länge 16 sichere Wernenm und 30 Buchten und Reeden mit gutem An ergrunde. Das Klima ist am Tage heiß, in der Nacht feucht und kuhl; die mittlere Temperatur des Sommers beträgt 21½, die des Winters 19˙ R. Die Ebenen sind ungesund und oft vom Gelben Fieber heimgesucht. Auf den Bergen dagegen ist das Klima sehr gesund und sieberfrei. Der Boden zeigt sich überaus fruchtbar und bringt alle Tropengewächse hervor. Vornehmlich wird der Zuckerbau und die Bereitung des Rum (Jamaika-Rum) betrieben, welche nebst den Kaffeeplantagen, dem Piment⸗ und Ingwerbau die Hauptstapelprodukte J.s liefern. Seit Freigebung der Sklaven hat sich der Plantagenbau bedeutend gemindert, kommt aber nach und nach wieder empor. Für das J. 1881 wird der Wert der Einfuhr auf 1393000, der Ausfuhr auf 1179000 Pfd. St. angegeben. Hauptgegenstände der Ausfuhr sind Kaffee, Ingwer, Piment, Rum und Zucker. Außer Kolonialwaren hat J. in seinen Waldungen kostbare Holzarten, namenklich Mahagoni⸗ und Campecheholz, sowie vortreffliche Weiden und daher zahlreiche Viehherden. Blei ist in Menge vorhanden, und auch an Kupfer, Silber, Zink, Antimon, Eisen, Mangan, Serpentin u. s. w. fehlt es nicht. Der Schiffsverkehr wird für das J. 1881 auf 794 angegeben. Die Einnahmen und Ausgaben beliefen sich 1881 auf 563000 und 679000 Pfd. St., die Schuld auf 921 000 Pfd. St. Die Insel hat 40 km Eisenbahnen. Die Kolonie hat schon seit zwei Jahrhunderten eine Volksvertretung. Ein durch die Krone bestellter Gouverneur steht an der Spitze der Verwaltung. Ihm zur Seite stehen ein von ihm selbst ernanntes Ministerium (executive committee) von 47 auf Lebenszeit im Amte bleibenden Mitgliedern und zwei Kammern, der Council oder die Upper-Chamber und das House of Assembly. Seit der Vollendung der Sklavenemancipation wurden die polit. Rechte auch der farbigen Bevölkerung zugänglich gemacht. Der im Okt. 1865 im Distrikt von Port Morant an der Ostecke der Insel ausgebrochene Aufstand der Farbigen, welchen die Gegenpartei zu einer furchtbaren Metzelei benutzte, wurde endlich blutig unterdrückt. Der Führer, ein wohlhabender Mulatte und Baptistenprediger, J. Gordon, ward gehängt und Hunderte seiner Anhänger wurden erschossen. Der Gouverneur Eyre wurde deshalb 11. Dez. 1865 zurückberufen, indessen in einer namentlich auf Betreiben von John Stuart Mill gegen ihn und seine Hauptwerkzeuge eingeleiteten Untersuchung freigesprochen. Dagegen genehmigte die engl. Regierung eine von J. aus in Vorschlag gebrachte Anderung in der Verfassung der Insel, indem sie dem frühern Repräsentativsystem einen Verwaltungsrat substituierte, an dessen Spitze der Gouverneur stehen sollte. J. zerfällt in drei Grafschaften: Surrey im Osten, Cornwall im Westen und Middleser, welche in 22 Kirchspiele eingeteilt sind. Die Hauptstadt Kingston (s. d.), Haupthafen, ist seit 1845 durch Eisenbahn mit der frühern Hauptstadt Santiago (7000 C.) verbunden. Andere Häfen sind Morant-Bay, Port-Morant, Sant-Ann's-Bay, Savanna la Mar u.s. w. Als eine Dependenz von J. werden die 220 — 340 km nordwestlicher gelegenen Caymansinseln (584 Em mit 2400 E.) betrachtet, eine Gruppe Koralleneilande, unter welchen das größte, Grand-Cayman, bewohnt ist, und zwar von Nachkommen der engl. Boucaniers, die sich als Lotsen auszeichnen. Vgl. Gardner, &A history of J.v(Lond. 1873); C. Sinclair u. Fife, KThe handbook of J. for 18835 (Lond. u. Jamaika 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 790Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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