FeedJohn Bull
GeschichteBrockhaus 1882

John Bull, s. Bull. ohnson (Andrew), der 17. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (1865 — 69), geb. 29. Dez. 1808 in Raleigh, der Hauptstadt von Nordcarolina, erlernte das Schneiderhandwerk, ging 1824 nach Laurent Courthouse in Südcarolina und im folgenden Jahre nach Greenville in Tennessee, wo er sich verheiratete, durch seine Frau erst lesen und schreiben lernte und in einem kleinen Blockhause seine Werkstätte als Schneider eröffnete. Hier beteiligte sich J. zuerst als Whig, bald aber als Demokrat und eifriger Verehrer Jacksons an der Politik. Er wurde 1828 Alderman, 1830 Bürgermeister des Ortes, wirkte 1833—43 als Abgeordneter und Senator in der Legislatur und trat 1843 als Repräsentant in den Kongreß, dem er 10 Jahre lang angehörte. Im J. 1853 wurde J. zum Gouverneur seines Staats und 1855 zum zweiten mal zu dieser Würde erwählt, welche er nach Ablauf seines zweiten Amtstermins 1857 mit einem Sitz im Vereinigten-Staaten-Senat vertauschte. Als 1861 der Bürgerkrieg hereinbrach, war J. der einzige südl. Senator, der tapfer auf seinem Posten blieb und mit beredten Worten für die Aufrechterhaltung der Union kämpfte. Besonderes Aufsehen erregte seine Rede vom 5. Febr. 1861, in welcher er, der bisher der weitgehendste demokratische Parteigänger gewesen, die Sezessionisten aufs bitterste angriff. Beim Ausbruch der Feindseligkeiten kehrte J. in seine Heimat zurück und wurde im Frühjahr 1862 von Lincoln zum Militärgouverneur von Tennessee mit dem Range eines Brigadegenerals ernannt, in welcher Stellung ihn die Wahl zum Vizepräsidenten der Union traf. Infolge der Ermordung Lincolns wurde V. kaum sechs Wochen nach dessen zweitem Amtsantritt, 15. April 1865 Präsident der Vereinigten Staaten. Er trat jedoch jetzt auf die Seite der besiegten Sezessionisten und kam diesen mit einer Milde entgegen, welche alle Früchte des blutigen Kriegs zu vernichten drohte. Namentlich provozierte er durch sein Veto vom 19. Febr. 1866 gegen die vom Kongreß fast einstimmig angenommene Bill über die Bedingungen der Wiederzulassung der Rebellenstaaten (sog. Rekonstruktions-Bill), durch seine leidenschaftlichen, aber unbegründeten Anklagen der Führer des Kongresses, sowie durch sein Veto vom 27. März 1866 gegen die bürgerliche Gleichberechtigung der Schwarzen den offenen Bruch mit der großen Freiheitspartei des Landes, der er doch seine Erhebung verdankte. Bald wurden auch die Kabinettsmitglieder in diesen Konflikt gezogen. Kongresses stand, erhielt Stanton seine Entlassung und J. ernannte im Aug. 1867 den General Grant zum provisorischen Kriegsminister. Stanton wich unter Protest, übernahm aber, da der Senat die von J. angeführten Gründe für seine Entlassung mißbilligte und Grant nach der Resolution des Se— nats sofort zurücktrat, 15. Jan. 1868 das Kriegs-— departement wieder. Darauf hin ernannte J. 21. Febr. 1868 den General Thomas zum provisorischen Kriegsminister und erteilte an Stanton den Befehl, alles seiner Obhut vertraute öffentliche Eigentum an diesen zu übergeben. Stanton weigerte sich, dem Befehl Folge zu leisten; der Senat erklärte die Absetzung für ungesetzlich und das Repräsentantenhaus nahm 22. Febr. mit 126 gegen 47 Stimmen eine Resolution an, den Präsidenten in Anklagezustand zu versetzen. Der Prozeß begann 23. März vor dem Senat; doch wurde J. vom Senat freigesprochen, da die zur Verurteilung verfassungsmäßig notwendige Zweidrittelmajorität fehlte. Im J. 1874 wurde J. zum Vereinigten-Staaten-Senator von Tennessee gewählt, starb aber schon 31. Juli 1875 in der Grafschaft Carter im Staate Tennessee. Vgl. Savage, Life and publie services of Andrew J.v (Neuyork 1865); Moor, «Speeches of Andrew J.b (Bost. 1865); Foster, Lite and speeches of Andrew J.5 (Philad. 1866). Der Staatsprozeß J.s ist behandelt in Impeachment and trial of Andrew J.v (Philad. 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 875Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6