FeedJezdegerd III.
GeschichteBrockhaus 1882

Jezdegerd III., der letzte Sassanide (632— 651), Sohn des Schahriyar, eines von seinem Vater Khosrev Parviz getöteten Prinzen, soll vor der Wut dieses Königs durch die List seiner Großmutter Schirin gerettet worden sein. Nach einer Reihe von Fürsten, die sich in kurzem Zeitraum nachfolgten, erhob das Volk den J. zum König, obgleich er sehr jung war, 15 oder 16, nach Tabari sogar nur 9 J. alt. Sein Regierungsantritt, der in das Jahr von Mohammeds Tod fiel, gilt den Ara sen als Beginn der Jezdegerdischen Ara (Dienstag, 16. Juni 632). Schon 634 von den Arabern angegriffen und bei Koß-en-Natf am Euphrat von Abu-Obeid, Omars Feldherrn, ge— 100 efe rütstete — J. zum Verzweiflungskampf und lieferte an der Spitze von 120000 Persern den Arabern die blutige Schlacht bei Kadesiah (636), nicht weit von Kufa. Drei Tage lang hielt J. den Arabern Stand, bis der Tod seines Feldherrn Ferrukhzäd am vierten Tage den Sieg des Islam entschied. Der König floh aus seiner Hauptstadt Ktesiphon nach Holwan, während die Araber bis an den Tigris vorrückten und die Feste Nahrschir nahmen; 28 Monate später fiel auch die Hauptstadt in die Hand der Araber unter Saad, wo sie eine unermeßliche Beute eroberten. Mehrere Jahre noch widerstand J. dem Vordringen der Araber, bis die entscheidende Schlacht bei Nehavend (642) den Siegern den Weg nach Iran, Merv, Chorasan und Herat öffnete. Da floh der jugendliche König über die Grenzen seines einstigen Reichs an den Oxus (Djihän) und soll, von den Türken und Chinesen Hilfe erflehend, dort ein bedeutendes Heer zusammengebracht haben. Er betrachtete sich auf jeden Fall als Herrscher, wie Münzen aus seinem 19. und 20. Jahre beweisen. Er soll dort nach einer Sage getötet worden sein, als er einem Fahrmann ein kostbares Geschmeide anstatt einer kleinen Münze anbot. Mit ihm erlosch, nach 426jähriger Herrschaft, das Geschlecht der Sassaniden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 851Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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