Johann von Leiden, eigentlich Johann Bockelson, auch Bockold genannt, Führer der Wiedertäufer (s. d.), Sohn eines Schulzen im Haag und einer leibeigenen Westfälin, wurde um 1510 in Leiden geboren und ließ sich, nachdem er als Schneidergeselle weit umhergewandert, in seiner Vaterstadt als Schneider nieder. Doch lag ihm Lebensgenuß und heiteres Spiel mehr am Herzen als sein Handwerk. In den poetischen Vereinen ver— suchte er sich als Dichter und Schauspieler, wobei ihm sein gewinnendes Außeres und seine Rednergabe zu statten kamen. Von der Lehre der Wiedertäufer ergriffen, ward er einer ihrer wildesten und begabtesten Wanderpropheten. So kam er mit Jan Matthys 1533 nach Münster, unterstützte diesen mit Eifer und Erfolg bei seinem Bekehrungswerk und ward, als Matthys im Frühjahr 1534 fiel, dessen Nachfolger. J. warf nun die alte Verfassung der Stadt um, richtete Münster als das Königreich Zion ein, bestellte Richter und bildete die Gesehgebung in phantastisch-verworrener Weise nach den theokratischen Anschauungen des Alten Testaments. Seine Ausrufung zum König von Zion vollendete das abenteuerliche und wahnwitzige Werk. J., der sich der Welt als den auserwählten König der Apokalypse ankündigte, führte die Vielweiberei ein, schwelgte in üppigkeit und ** Pracht, verübte mit priesterlicher. Salbung blutige Thaten und machte die Stadt zum Schauplatz zahlloser religiösfanatischer und grobsinnlicher Ausschweifungen. Nach mehrern vergeblichen Angriffen ward im Juni 1535 die Stadt Münster durch den Bischof erobert. Der Schneiderkönig wurde mit den übrigen Rädelsführern gefangen genommen, 23. Jan. 1536 unter furchtbaren Martern hingerichtet und sein Körper in einem eisernen Käfig an einem hohen Turme der Stadt aufgehängt. In Meyerbeers Oper «Der Propheto (Text von Scribe) sind die Schicksale J.s dramatisch, in Hamerlings König von Sionp episch behandelt. Vgl. Cornelius, Geschichte des münsterischen Aufruhrso (2 Bde., Lpz. 1855—60); Hase, „Neue Propheteno (2. Aufl., Lpz. 1860); Keller, „Geschichte der Wiedertäufers (Münst. 1880). 99•— von Ligne, Herzog von Arenberg ohann von Nepomuk, s. Nepomuk. ohann von Schwaben, s. Johannes, genannt Parricida.