FeedHimbeerstrauch
PflanzenreichBrockhaus 1882

Himbeerstrauch, Rubus idæus, ein in Europa und im mittlern und nördl. Asien verbreiteter, in den Gärten in zahlreichen Kulturformen bekannter Obststrauch, dessen Wurzeln zwar ausdauern, dessen Stengel aber nur zweijährig sind, im zweiten Jahre blühen, Früchte tragen und absterben. Die Blüten der Himbeere haben dasselbe Ansehen wie die Erdbeere, aber die Früchte beider entwickeln sich verschieden, indem der Fruchtknoten bei jener zur fleischigen Steinbeere, bei dieser zum trockenen Nüßchen werden, die auf dem fleischig gewordenen Fruchtboden stehen. In der ursprünglichen Form findet sich der H. am häufigsten am Rande oder in den Lichtungen der Gehölze, besonders an etwas feuchten Stellen mit nahrhaftem Boden. Unter den Kulturformen befinden sich auch solche, bei denen die erst im Frühjahr gebildeten Triebe schon in demselben Jahre, im Herbst, blühen und reife Frucht bringen, ohne dadurch die Fähigkeit zu verlieren, auch im folgenden Frühjahr fruchtbar zu sein. Man teilt danach die Himbeeren in zwei Gruppen, in gewöhnliche und zweimal tragende oder remontierende, und unterscheidet unter ihnen wieder klein⸗ und großfrüchtige. Im übrigen unterscheiden sie sich durch die Farbe der Beeren und durch deren Form, doch fallen die Merkmale der Sorten weniger scharf in das Auge, als bei der Erdbeere, was als Beweis dafür gelten kann, daß unsere Gartenhimbeeren einer einzigen Art ihren Ursprung verdanken. Die Kultur des H. ist sehr einfach. Er liebt nördliche und etwas schattige Lagen und leichten, sandigen oder lehmig-sandigen, dabei frischen und recht humusreichen Boden. Da er jedoch das Erdreich binnen wenigen Jahren erschöpft, so muß man die Stöcke alle drei oder vier Jahre in frischen Boden pflanzen oder der Verarmung des Erdreichs wenigstens durch jährlich wiederholte Düngung mit zersetztem Stallmist vorbeugen. Man pflanzt den H. am bequemsten im Herbst durch Ausläufer von Stöcken fort, die man nicht hat zur Blüte kommen lassen. Die Pflanzen setzt man 80 em weit voneinander. Im übrigen hat man nur die fruchtbar gewesenen Stengel im Frühjahr über dem Boden wegzuschneiden, die im Laufe des Jahres fruchtbar werdenden aufzubinden und die aus dem Stocke kommenden jungen Triebe bis auf die zwei oder drei kräftigsten wegzuschneiden. Die sehr angenehm duftenden und erfrischenden Früchte werden nicht nur frisch verspeist, sondern auch zur Bereitung von Himbeersirup, Himbeeressig und Limonade benutzt. Sie werden häufig von der Larve des Himbeerkäfers, Byturus tomentosus, bewohnt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 242Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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