Jolly (Philipp Gust.), Physiker, Bruder des vorigen, geb. in Mannheim 26. Sept. 1809, widmete sich nach Absolvierung des Gymnasiums mathem.⸗physik. Studien in Heidelberg, Wien und Berlin, habilitierte sich 1834 in Heidelberg, wurde 1839 außerord., 1846 ord. Professor und folgte 1854 einem Rufe an die Universität in München. Nach der Publikation zweier selbständiger Schriften: «Anleitung zur Differential⸗ und Integralrechnungo (Heidelb. 1846) und Die Prinzipien der Mechaniko (Stuttg. 1852), wendete er sich der Experimentalforschung zu. Die Physik der Molekularkräfte erweiterte er durch Aufdeckung der Gesetze der endosmotischen Erscheinungen; die Wärmelehre bereicherte er durch seine Untersuchungen über die Ausdehnung der Gase durch die Wärme. Durch seine Arbeiten über die Zusammensetzung der Atmosphäre wurden die kleinen Schwankungen, die sich in derselben vollziehen, festgestellt, und durch die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der analytischen Wage und Anwendung der Wage auf Probleme der Gravitation gelang es ihm, die Maße der Erde und deren mittlere Dichtigkeit zu bestimmen. In allen Fällen waren es Vereinfachungen der Meßmethoden, welche zum Ziele führten, und die zugleich Veranlassung wurden zur Konstruktion exakterer Meßapparate. Die verbreitetsten sind: das Luftthermometer, die Federwage, das Kupfereudiometer und die Quecksilberluftpumpe. Sein Sohn Ludwig J., geb. 12. März 1843 in Heidelberg, seit 1874 ord. Professor in der staatswissenschaftlichen Fakultät in Tübingen, verfaßte Arbeiten über die Militärsteuer, Verwaltungsrechtspflege, engl. und franz. Unterrichtswesen, die Verteilung der öffentlichen Armenlast, sowie mehrere Abschnitte in Schönbergs «Handbuch der polit. HBkonomies. Sein zweiter Sohn, Friedrich J., geb. 24. Nov. 1844 zu Heidelberg, studierte Medizin in München und Göttingen und habilitierte sich 1871 in Würzburg als Privatdocent mit einer Abhandlung «über den Gehirndruck und über die Blutbewegung im Schädelo. Im J. 1873 folgte er einem Rufe als Extraordinarius für Psychiatrie und Direktor der psychiatrischen Klinik nach Straßburg, woselbst er 1875 zum Ordinarius ernannt wurde. Von seinen Schriften sind zu nennen: Bericht über die Irrenabteilung des Julius-Spitalsy (Würzb. 1873), der Artikel Hysterie und Hypochondrier in von Ziemßens „Handbuch der speziellen Pathologie und Therapiey (pz. 1877), Untersuchungen über den elektrischen Leistungswiderstand des menschlichen Körpers v (Straßb. 1884). ö