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NaturlehreBrockhaus 1882

Juraformation (früher als Oolithformation bezeichnet) nennen die Geologen eine Abteilung der Sedimentär⸗-oder Flötzgebilde, welche zuerst in dem Juragebirge als eine selbständige Bildung zwischen der Trias⸗ und Kreidegruppe erkannt wurde. Dieselbe besteht auch in Deutschland von oben nach unten aus folgenden drei Hauptabteilungen: 1) Weißer Jura oder Malm, in welcher Abteilung hellfarbige dichte Kalksteine, Rogensteine und oft von Höhlen durchzogene Dolomite vorherrschen. Zu derselben gehören die berühmten lithographischen Kalksteine von Solenhofen in Bayern. 2) Brauner Jura oder Dogger, der aus bräunlichem und gelblichem Thon, Mergel und Sandstein mit Einlagerungen von Eisenrogenstein besteht, welche in der Schwäbischen Alp zu bedeutender Eisenindustrie Veranlassung geben. 3) Schwarzer Jura oder Lias besteht aus bituminösem Mergelschiefer, dunkeln Thonen und Kalksteinen, sowie aus Sandstein. Alle diese Abteilungen sind sehr reich an organischen Resten, namentlich an Korallen (zuweilen ganze Riffe bildend), Echiniten, zwei⸗ und einschaligen Mollusken, Belemniten, Ammoniten, Krebsen, Fischen und Sauriern (Ichthyosaurus, Plesiosaurus, Pterodactylus). In Deutschland besitzt die J. drei größere Verbreitungsgebiete: in Franken und Schwaben bildet sie einen weiten Bogen, dessen stärkste Krümmung in der Gegend von Regensburg liegt und dessen Flügel wesentlich von der Rauhen Alp und von dem Fränkischen Jura repräsentiert werden. In Norddeutschland breiten sich die Schichten der J. in einer von Westen gegen Osten gerichteten Bucht aus, welche sich von der Grenze Hollands bis in die Gegend von Halberstadt erstreckt. In niedrigen Höhenzügen bilden sie den südl. Saum des norddeutschen Flachlandes. Das dritte deutsche jurassische Territorium ist das von Oberschlesien, welches ein Areal von über 22500qkm einnimmt. Als äußerste Vorposten dieses Gebietes sind die aus dem Diluvium hervorragenden isolierten Juravorkommnisse an den Odermündungen zu betrachten. Auch in den Alpen, in Italien, Frankreich, England und Rußland sind Jurabildungen sehr verbreitet. Vgl. von Buch, Der Jura in Deutschlando (Berl. 1839): Oppel, „Die J. Englands, Frankreichs und Deutschlandso (Stuttg. 1858); Quenstedt, „Der Jura (Tüb. 1858); Brauns, «Der untere, mittlere und obere Jura im nordwestl. Deutschlande (Braunschw. 1869 —74).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 934Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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