Jolly (Jul.), bad. Staatsmann, geb. zu Mannheim 21. Febr. 1823, studierte 1840—44 zu Heidelberg und Berlin die Rechtswissenschaften, habilitierte sich im Sommer 1847 als Privatdocent in Heidelberg und wurde 1857 außerord. Professor. Im J. 1861 trat er als Rat in das Ministerium des Innern unter Lameys Präsidium ein. In Verbindung mit Roggenbach, Mathy und Bluntschli strebte er die Einigung von Deutschland im Anschluß an Preußen an und galt als einer der entschiedensten Führer der nationalen Partei. Als die bad. Regierung 1865 in das Lager der mittelstaatlichen Bundespolitik überging, trat er aus dem Ministerium aus und wurde in den Verwaltungsgerichtshof versetzt. Der Sieg Preußens über Ssterreich und den alten Bund im Sommer 1866 führte ihn in das Ministerium des Innern zurück, und er wurde nun 27. Juli an Lameys Statt Präsident desselben. Nach Mathys Tode wurde ihm das Staatsministerium und damit die Leitung des Gesamtministeriums übertragen (12. Febr. 1868). J. und die von ihm geleitete Regierung erneuerte und belebte wieder die staatliche Reformthätigkeit in liberalem Sinne. Um die Einigung Süddeutschlands, zunächst Badens mit dem Norden, hat I. sich große Verdienste erworben. J. führte in Versailles die auf den Beitritt Badens zum Norddeutschen Bunde bezüglichen Verhandlungen. Er war dann seit 1871 Mitglied des Bundesrats. Aber auch für die freie Gestaltung der bad. Zustände hat er Bedeutendes geleistet. Im Sept. 1876 trat er aus dem Ministerium und übernahm bald darauf das Präsidium der Oberrechnungskammer.