FeedJosephine (Marie Rose)
GeschichteBrockhaus 1882

Josephine (Marie Rose), Kaiserin der Fran— zosen, erste Gemahlin Napoleons I., geb. 23. Juni 1763 auf der Insel Martinique, wo ihr Vater, Jo— seph Tascher de la Pagerie, königl. Hafenkapitän war. Ihre Familie stammte aus der franz. Landschaft Blaisois (Blois); ihre Mutter, die jede Auszeichnung verweigerte, starb erst 1807. Obschon J. nur die in den Kolonien gewöhnliche Bildung erhielt, glänzte sie doch frühzeitig durch natürliche Anmut des Geistes und Herzens. Im Alter von 15 J. kam sie nach Frankreich und heiratete 13. Dez. 1779 ihren Landsmann, den Vicomte Alexandre Beauharnais (s. d.). Die Sprößlinge dieser nicht glücklichen Ehe waren Eugen, der nachmalige Herzog von Leuchtenberg (s. d.), und Hortense, die nachherige Gemahlin des Königs Ludwig Bonaparte von Holland, die Mutter Napoleons III. Der Gemahl J.s wurde während der Schreckenszeit ins Gefängnis geworfen und hingerichtet. Die Schritte, die sie zu seiner Befreiung that, zogen auch ihre Verhaftung nach sich. Schon sollte sie vor dem Revolutionstribunal erscheinen, als die Katastrophe vom 9. Thermidor eintrat. Gefängnis hatte sie die Bekanntschaft der nachherigen Gattin Talliens, der spätern Fürstin Chimay, gemacht. Auf Verwenden derselben nahm Tallien auch sie am andern Tage aus dem Gefängnis, verschaffte ihr wieder einen Teil ihrer konfiszierten Güter und machte sie mit Barras bekannt, der fortan ihr Freund und Beschützer wurde. Barras, in dessen Gesellschaften sie glänzte, vermittelte auch ihre Vermählung mit Napoleon Bonaparte. Dieser junge, damals noch unberühmte General Late für die nicht sowohl durch regelmäßige Schönheit als durch Anmut ausgezeichnete Frau eine lebhafte Neigung gefaßt. Der Civilakt wurde 9. März 1796 vollzogen; die kirchliche Einsegnung soll erst 1804, drei Tage vor der Krönung, auf Verlangen des Papstes durch den Kardinal Fesch stattgefunden haben. Zwölf Tage nach der Vermählung begab sich Bonaparte als Oberbefehlshaber zur Armee von Italien. Mitten in den Schlachten und Siegen konnte er aber seine Gattin so wenig vergessen, daß er sie durch Junot nachführen ließ. Wahrend der ägypt. Expedition lebte sie zu Malmaison, das sie an sich gebracht hatte. Nach der Rückkehr Bonapartes schloß sie sich noch enger an ihn. Sie half durch Einfluß und Verbindungen seine polit. Erfolge vorbereiten. Nach dem 18. Brumaire bezog sie mit ihm den Palast Lurembourg und 1800 die Tuilerien. An ihren kleinen Hof wußte sie nach den Absichten Bonapartes selbst die royalistische Partei zu fesseln. Mit Geschmack entfaltete sie einen außerordentlichen Luxus, der zwar die Industrie belebte, ihr aber schon damals die größten Geldverlegenheiten bereitete. Der Anlauf, den Bonaparte zum Thron nahm, erfüllte sie mit Besorgnis und dem Vorgefühl des Unglücks. Im Verein mit Fouché bot sie alles auf, den letzten Schritt wenigstens hinauszuschieben. Am 2. Dez. 1804 setzte ihr Napoleon die Kaiserkrone eigenhändig auf. Ihre Ehe war unfruchtbar geblieben; die Befestigung der neuen Dynastie machte aber einen Thronerben wünschenswert. Nach 1807 ließ Napoleon ihn den Vorschlag machen, die Chescheidung von ihm zu verlangen; doch hierzu war sie nicht zu vermögen. Napoleon suchte ihr nun fortgesetzt, doch ohne Härte, die Notwendigkeit einer Trennung im Interesse Frankreichs und seiner polit. Schöpfungen einzureden. Endlich nach heftigen Scenen und harten Kämpfen gab sie ihre Einwilligung. Die Trennung der Ehe wurde 16. Dez. 1809 gesetzlich ausgesprochen. J. lebte nun mit kaiserl. Titel und Luxus zu Navarre in der Nähe von Cvreux, erst sehr eingezogen, bald aber umgeben von ihren alten Hofleuten. Sie bewahrte eine schwärmerische Neigung für Napoleon, blieb mit demselben in Briefwechsel und empfing mehrmals dessen Besuche. Auch sah sie zuweilen den jungen König von Rom. Der Sturz des Kaisers brach ihre geistige und physische Kraft. Die fremden Monarchen, besonders Kaiser Alexander, bewiesen ihr große Rücksichten. Sie starb 29. Mai 1814 an einer Halsentzündung. In der Kirche zu Ruel, unweit Malmaison, wurde sie bestattet. Ihre beiden Kinder errichteten ihr daselbst 1822 ein Denkmal, auf dem sie in kniender Stellung dargestellt ist. Vgl. Wettres de Napoléon à J. pendant la première campagne d'Italie, le consulat et l'empirep (Par. 1827); «Lettres de J. à Napoléon et à sa filleo (2 Bde., Par. 1833; deutsch von Elsner, 2 Bde., Stuttg. 1838—39); Aubenas, «Histoire de l'impératrice J.o (2 Bde., Par. 1857—59). Joiepboche Bad bei Tetschen (s. d.). osephsehe (Engels- oder Jungfernehe, Matrimonium virgineum) nennt man im Hinblick auf die Ehe zwischen Joseph und Maria (Matth. 1, 25) eine Che, bei welcher nach einem vorherge—⸗ gangenen übereinkommen die geschlechtlichen Be— ziehungen .% bleiben. osephs Grab, s. unter Nablus. osephshöhe, Kuppe des Auerbergs (s. d.) im Unterharz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 891Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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