FeedJülich
GeschichteBrockhaus 1882

Jülich, ein auf dem linken Rheinufer gelegenes, zur preuß. Rheinprovinz gehöriges vormaliges Herzogtum, umfaßt in seiner größten Ausdehnung 4130 qkm mit ungefähr 400000 E. Dasselbe bildete sich zunächst aus dem Jülichgau, der von Grafen verwaltet wurde, die seit dem 11. Jahrh. zum erblichen Besitze ihrer Grafschaft und mit dem Verfall des Herzogtums Niederlothringen, welchem sie untergeben waren, reichsunmittelbarer Selbständigkeit gelangten. Unter diesen, den Gerhardingern, zeichnete sich nachmals besonders Graf Wilhelm V. aus, der 1336 vom Kaiser Ludwi IV. in seiner na bestätigt und zum Markgrafen und Reichsscepterträger, welchen letztern Vorzug er jedoch mit Brandenburg teilen mußte, erhoben wurde, auch von Kaiser Karl IV. 1357 den Herzogstitel erhielt. Von seinen Söhnen erheiratete der eine, Gerhard, die Grafschaft Berg (s. d.), der andere, Wilhelm VI., der dem Vater 1362 in J. nachfolgte, die Grafschaft Geldern, welche Ländermassen unter Herzog Adolf 1420 miteinander vereinigt wurden. Der letzte männliche Sproß dieses Fürstenstammes, Wilhelm VIII., hinterließ 1511 sein Land seiner Erbtochter Marie, welche an Johann den Friedfertigen, Herzog von Kleve, verheiratet war. So wurden, als dieser 1521 in Kleve zur Regierung gelangte, 0 und Berg, nicht ohne lebhaften Widerspruch von eiten der Albertinischen Linie in Sachsen, die eventuell damit belehnt war, mit Kleve (s. d.) vereinigt. Nach dem Aussterben dieses kleveschen Fürstenhauses mit Herzog Johann Wilhelm, 25,. März 1609, begann der sog. Jülichsche Erbfolgestreit, welcher nach mancherlei Wechselfällen und vorläufigen Vergleichen 1666 definitiv dahin beigelegt ward, daß Kurbrandenburg Kleve nebst Mark und Ravensberg, Pfalz-Neuburg aber das schon seit 1614 in seinem faktischen Besitze befindliche Herzogtum J. nebst Berg erhielt. Sachsen dagegen führte die Titel sämtlicher Länder bis in die neuere Zeit herab fort. Nach dem Erlöschen jener Pfalz-Neuburgischen Linie 1742 gelangte J. samt der übrigen Verlassenschaft derselben an die Pfalz-Sulzbachische, nachmals Kurbayrische Linie und blieb im Besitze derselben, bis es 1801 durch den Luneviller Frieden in Frankreich abgetreten und zum Depart. Roer zeschlagen wurde. Durch den Wiener Kongreß fiel 1814 das Herzogtum J., mit Ausnahme einiger zu Limburg geschlagener Parzellen, Preußen zu und wurde unter die Regierungsbezirke Aachen, Köln und Düsseldorf verteilt. Der Kern desselben ist der Kreis Jülich im Regierungsbezirk Aachen, der Die Stadt Jülich, an der Roer, an den Linien Stolberg und J.⸗Düren der preuß. Staatsbahnen und an der Aachen-Jülicher Bahn, ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Landratsamts, war Festung zweiten Ranges, deren Werke aber 1860 geschleift wurden, hat ein Progymnasium und eine Unteroffizierschule und zählt (1880) 5295 meist kath. E., welche Papier⸗, Holzstoff⸗, Leder⸗, Seifen⸗, Schirm⸗ und Zuckerfabriken unterhalten. Vgl. Ritter, Sachsen und der Jülicher Erbfolgestreit» (Münch. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 919Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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