Heinrich der Löwe, Herzog in Sachsen, aus dem Hause der Welfen, 1139—81, geb. 1129 wahrscheinlich in Ravensburg, Sohn des vorigen und mütterlicherseits ein Enkel Kaiser Lothars III. Als sein Vater 1139 im Kampfe gegen Konrad III. starb, verwalteten seine Mutter Gertrud und seine Großmutter Richenza für ihn das Herzogtum Sachsen. Nachdem H. 1146 mündig geworden, forderte er 1147 von König Konrad III. vergeblich das Herzogtum Bayern zurück, welches seinem Vater abgesprochen und an Heinrich Jasomirgott von Osterreich, den zweiten Gemahl seiner Mutter, verliehen war, und griff mit seinem Oheim Welf VI. gegen Konrad zu den Waffen. Aber erst nach Konrads Tode gab ihm sein Vetter, Kaiser Friedrich I., 1155 Bayern zurück. Seine Besitzungen erstreckten sich nun, allerdings vielfach unterbrochen, von der Nord⸗ und Ostsee bis zum Adriatischen Meere. Für die welfischen Stammgüter in Italien mußten die dortigen Vasallen ihm 1154 den Lehnseid leisten. Vorzüglich wandte H. dem Herzogtum Sachsen seine Sorgfalt zu, das er durch glückliche Kriege jenseit der Elbe und durch die deutsche Kolonisation Mecklenburgs und Holsteins verstärkte. Seine übergriffe aber gegen die reichsunmittelbaren Edeln und namentlich gegen die Geistlichkeit erregten allmählich eine leidenschaftliche Opposition gegen ihn und 1164 vereinigten sich seine Feinde unter dem Erzbischof Hartwig von Bremen; 1166 traten dem Bunde gegen ihn zu Magdeburg die Bischöfe von Magdeburg, Halberstadt und Hildesheim, sowie die Markgrafen von Thüringen und Brandenburg bei. Doch erwehrte sich H. seiner Feinde siegreich. Damals trennte er sich von seiner ersten Gemahlin Clementia von Zähringen und heiratete Mathilde, die Tochter König Heinrichs II. von England. Bald nachher (1171—72) unternahm er eine Wallfahrt nach Palästina. Von einer neuen Erhebung seiner sächs. Feinde bedroht, mit dem Kaiser, dessen Nachfolger er einst zu werden gehofft, über das ihm entgangene Erbe Welfs VI. gespannt und unzufrieden mit der Fortdauer des Kampfes gegen Papst Alexander III., verweigerte H. im Frühjahr 1176 dem Kaiser die geforderte Hilfe gegen die Lombarden und verschuldete somit Friedrichs Niederlage bei Legnano 1176. Jetzt erhoben sich H.s Feinde von allen Seiten und drängten den zur Versöhnung geneigten Kaiser zu strengstem Vorgehen. H.s Trotz, der keiner Ladung folgte und die Vergleichsvorschläge des Kai— sers schroff abwies, arbeitete ihnen noch in die Hände. H. wurde 1180 zu Würzburg geächtet und seiner Lehne verlustig erklärt. Bayern erhielt Otto von Wittelsbach, Bernhard von Askanien Sachsen, der Erzbischof von Köln Engern und Westfalen. H. griff zu den Waffen, schlug bei Hallerfelde die kolnischen Heerhaufen und nahm den halberstädter Bischof Ulrich gefangen. Da rückte der Kaiser mit dem Reichsheere nach Sachsen, und H.s Vasallen fielen fast alle ab. Im Nov. 1181 unterwarf sich H. zu Erfurt dem Kaiser, der ihm zwar nicht die abgesprochenen Fürstentümer und Lehne, aber doch wenigstens die ebenfalls verwirkten Eigengüter Braunschweig und Lüneburg ließ. Doch mußte H. Deutschland verlassen; er ging zu Heinrich II. nach der Normandie und dann nach England, erhielt zwar 1185 die Erlaubnis zur Heimkehr und lebte in Braunschweig, mußte aber, als der Kaiser 1189 den Kreuzzug antrat und er denselben zu begleiten ablehnte, abermals in die Verbannung gehen. Kaum aber war Friedrich I. fortgezogen, so kam H. nach Ostsachsen zurück, wo ihn der Erzbischof von Bremen aufnahm und viele ehemalige Vasallen sich ihm wieder anschlossen. Anfangs glücklich, zerstörte H. Bardowiek bis auf den Dom, an dessen Mauern er die Inschrift Vestigia Leoniso setzen ließ. Auch Lübeck und Lüneburg fielen; bei Segeberg aber erlitt H. eine Niederlage. König Heinrich VI. gebot H. Einhalt, und derselbe mußte sich 1190 zu einem unbefriedigenden Vergleich bequemen. Auch die Hoffnung, mit Hilfe der großen Fürstenverschwörung, die sich 1192 gegen Heinrich VI. unter Anlehnung an Richard J. von England bildete, seine völlige Herstellung zu erzwingen, sah H. scheitern. Erst als H.s ältester Sohn, Heinrich, sich mit Agnes, der Erbtochter des Pfalzgrafen Konrad am Rhein, einer Nichte Kaiser Friedrichs, vermählte, machte H. mit den Staufen Frieden und lebte nun ttill zu Braunschweig, wo er 6. Aug. 1195 starb, im Dom begraben wurde und sein Denkmal noch vorhanden ist. über sein Zeitalter ragt er besonders dadurch hervor, daß er Handel, Gewerbfleiß, Bürgerglück und Wohlhabenheit in seinen Ländern zu verbreiten, die Künste emporzubringen und Gelehrsamkeit zu fördern bemüht war. Seine Kolossalstatue auf dem Hagenmarktsbrunnen zu Braunschweig wurde 4. Juli 1874 enthüllt. Vgl. Hans Prutz, H. der Löwe » (Lpz. 1865); Weiland, „Das sächs. Herzogtum unter Lothar und H. dem Löwenv (Greifsw. 1866); Philippson, Geschichte H.s des Löwen» (2 Bde., Lpz. 1867 68).