FeedJuragewässerkorrektion
ErdkundeBrockhaus 1882

Juragewässerkorrektion heißt die von der schweiz. 4. Salnin chaft und den Kantonen Bern, Freiburg, Solothurn, Waadt und Neuenburg gemeinsam unternommene Entsumpfung des westschweiz. Seelandes durch Tieferlegung der großen Seen am Rande des Jura und Korrektion ihrer Abflüsse. Das Bedürfnis nach einer solchen Korrektion machte sich schon früh, namentlich aber seit dem Ende des 16. Jahrh. geltend, wo die Geschiebeablagerungen der Großen Emme an ihrer Mündung dei Attisholz, unterhalb Solothurn, störend auf den Ablauf der Aare einzuwirken begannen. Die Aare wurde dadurch zurückgestaut und staute wieder die Zihl auf, welche der Aare die Wasser des Neuenburger⸗, des Murten⸗ und des Bielersees zuführte. Durch diese Stauungen wurde das Nibeau der drei Seespiegel gehoben, die Einmündung ihrer Zuflüsse, der Orbe (Thiele), der Broye u. s. w. erschwert und bei Hochwasser in den fünf beteiligten Kantonen ein Gebiet von circa 240 akmuüberschwemmt und versumpft. Obwohl seit dem Ansang des 18. Jahrh. mehrere Pläne zur Hebung dieser Übelstände gemacht wurden, gelangte doch, da ein Zusammenwirken der beteiligten Kantone nicht zu erzielen war, keiner derselben zur Ausführung, bis endlich die Bundesbehörden sich der Angelegenheit annahmen und die Bundesversammlung am 5. Juli 1867 beschloß, es sei den beteiligten Kantonen zum Zweck der J. nach dem Plane der Ingenieure Lanicca und Bridel eine Bundessubvention von 5 Mill. Frs. zu bewilligen. Nach diesem Plane begreift die Korrektion folgende Hauptarbeiten in sich: Ablenkung der Aare von Aarberg in den Bielersee durch den Hagneckkanal, Ablenkung der vereinigten Aare und Zihl durch den Nydau-Bürenkanal nach Büren, Korrektion der obern Zihl (Thiele) zwischen dem Neuenburger- und dem Bielersee und Korrektion der untern Broye zwischen dem Murten⸗ und dem Neuenburgersee. An diese großen Korrektionen, die auf 14 Mill. Frs. veranschlagt wurden und 1877 beendigt sein sollten, schließt sich als notwendige Ergänzung die Binnenkorrektion, d. h. die Trockenlegung der großen Sümpfe des Seelandes an. Auf Grund dieses Programms wurden 1868 die Arbeiten begonnen; es zeigte sich aber bald, daß sowohl die Kosten wie der Zeitaufwand bei weitem zu niedrig angeschlagen waren. Die Bundessubvention wurde deshalb 1883 auf 5 450000 Frs. erhöht. Ende 1883 war der Stand des Unternehmens der folgende: der Hagneckkanal, 8600 m lang, ist seit 1879 offen, aber noch nicht genügend erweitert und vertieft, um die ganze Aare aufnehmen zu können. Vom Nydau-Bürenkanal ist das obere Stück, Nydau-Meyenried, 9000 m lang, bis an die Anlage eines Schleusenwerks beim Ausfluß des Bielersees im wesentlichen beendigt, das untere Stück dagegen, von Meyenried bis Büren, 2600 m lang, wurde erst 1882 angefangen. Die Korrektionen der Zihl und der Broye sowie die Dus Wert rektion sind im Gange und 1887 soll Werk vollendet sein. Obwohl demnach die Arbeiten noch lange nicht zu Ende geführt sind und der volle Erfolg namentlich in Bezug auf das zu gewinnende Kulturland noch zu gewärtigen steht, so hat doch die J. schon jetzt günstige Ergebnisse aufzuweisen. Durch den Nydau-Bürenkanal und die bisherigen Korrektionsarbeiten an der Zihl und Broye wurden die Spiegel der Juraseen tiefer gelegt, der Bielersee um 2, m, der Neuenburgersee um 2 m, der Murtensee um 1,s m, das Gefälle und die Stoßkraft der vereinigten Aare und Zihl vermehrt und damit die Gefahr der Stauung der Aare durch die Geschiebe der Emme verringert. Durch die Ableitung der Aare in den Bielersee wurde den Geschiebemassen derselben ein weites und tiefes Ablagerungsbecken geboten und dadurch die Verkiesung des Ablaufs und die Aufstauung der Seen, sowie die Versumpfung der obern Gegenden verhütet, die Röglichkeit einer erfolgreichen Binnenkorrektion geseben und zugleich infolge der Retentionskraft des musgedehnten Seebeckens die üÜberschwemmungszjefahr für die untern Aargegenden wesentlich vernindert. Die Hauptförderer der Unternehmung, velche der berühmten Linthkorrektion Hans Konrad Sschers (s. d.) würdig zur Seite gestellt werden darf, waren der Arzt Dr. Joh. Rud. Schneider 1804—1880) und der Ingenieur Richard Lanicca 1794 —1883). Vgl. Dr. J. R. Schneider, Das Seeland der Westschweiz und die Korrektionen seiner Gewässero (Bern 1881) und «Die Jahres⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 934Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6