FeedAale
TierreichBrockhaus 1882

Aale nennt man unter den Fischen mit weichen Flossen eine Gruppe schlangenförmiger, langgestreckter Fische mit scheinbar nackter, schleimiger Haut, welchen die Brustflossen zuweilen, die Bauchflossen stets fehlen, während der gewöhnlich spitz zulaufende Körper meist von einer einzigen zusammenhängenden, senkrechten Flosse umgeben wird, die von dem Rücken zum After läuft. Die Haut, in deren Dicke kleine, mikroskopische Schü pchen stecken, umhüllt den kleinen Kiemendeckel nebst den Kiemenstrahlen so, daß ein weiter feiliche gebildet wird, zu welchem gewöhnlich zwei seitliche Löcher (manchmal auch nur ein einziges, unter der Kehle liegendes Loch) führen. Vermöge dieser Einrichtung sind die Fische befähigt, ihre Kiemen während langer Zeit feucht zu erhalten und auf dem Lande fortzuleben. Zu dieser Gruppe der eigentlichen A. mit zwei seitlichen Kiemenöffnungen gehört der gewöhnliche Flußaal (Anguilla fluviatilis), mit glattem Kopfe und walzigem Leibe, kleinen, weit nach hinten gestellten Brustflossen und darüber in der Nähe des Nackens Rachen un kleinen Kiemenöffnungen, dessen weiter Rachen mit starken Hakenzähnen bewaffnet ist. Er ist ein gefräßiger Raubfisch, der bis 2 m lang und 5 Kg schwer wird, vorzugsweise gern kleine Fische, Frösche, Aser, 1 904 ch und Gewürm frißt und sich besonders leicht bei Gewittern an den mit kleinen Weißfischen besetzten Grundangeln fängt; daß er bei Regenwetter und im Nachttau auf das Land krieche, um in Klee und Erbsen nach Regenwürmern und Schnecken auszugehen, Rai il eine Fabel zu sein. Zum Laichen geht der Aal in das Meer, und zwar finden die Wanderungen von Oktober bis Dezember in finstern Nächten statt; er wird erst im Meere geschlechtsreif; die weit kleinern Männchen verlassen nie das Meer, sodaß also alle in Süßwässern vorkommende A. Weibchen mit noch unreifen Eiern sind. Ob er lebendige Junge zur Welt bringt oder Cier legt, ist noch ni t sichergestellt, doch sprechen neueste Beobachtungen für letzteres. Vielleicht gehen die A. nach dem Absatze der Brut zu Grunde, wie die Lampreten. Die Jungen steigen im März und April in Schwärmen die Flüsse hinan. Der A. kommt in allen Gewässern, for vorzüglich aber in Brackwassern und Lagunen fort. Außer mit Angeln wird er auch mit Netzen und Reusen gefangen. Sein Fleisch ist fett und weiß, wird an manchen Orten kaum gegessen, an andern sehr geschätzt. An einigen Orten, wo sie in ungeheuerer Menge vorkommen, wie z. B. in Norddeutschland und in den Lagunen der Pomündung bei Comacchio, bilden die A. frisch, gesalzen, betrocknet oder geräuchert einen bedeutenden Ausfuhrartikel. Bei Comacchio existieren von alters her sehr sinnreiche Vorrichtungen, mittels deren die nach dem Meere wandernden ausgewachsenen A. . die Jungen (montata) durchgelassen werden. Nach der Abtrennung des 9 winden sich die Stücke noch lange Fnt, da die Reflerthätigkeit des Rückenmarks sehr lange anhält. Man vermeidet dies leicht, indem man mit einer Stricknadel das Rückenmark erstört. Zu den Meeraalen gehört der ganz schuppenlose gemeine graue Meeraal (Conger vulg.), der in der Nordsee und dem Ocean die Dicke eines Mannsschenkels erreicht; sein Fleisch wird, weil unschmackhaft, nur selten gegessen. Auch die Muräne (s. d.) ist ein Meeraal.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 5Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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