FeedAbbinden
HeilkundeBrockhaus 1882

Abbinden wird die chirurgische Operation genannt, durch welche krankhafte Neubildungen oder auch erkrankte Körperteile ohne Blutung mit Hilfe eines fest umgelegten Fadens oder Drahtes entfernt werden. Dem gesunden Teil so nahe als möglich wird mit der Hand, oder an schwer I lichen Stellen mittels eines besondern sog. Schlingenvöllig durchschnitten, mithin das Gebi de abgelöst ist; oder die Schlinge wird ein für allemal nur so fest angelegt, daß die Blutgefäße zusammengepreßt werden und eine völlige Stockung der Ernährungssäfte und brandiges Absterben eintritt; oder endl die Schlinge wird in Pausen von einem oder zwei Tagen fester und fester angezogen, wodur zuerst eine Säftestockung, weiterhin aber eine allmähliche Durchschnürung des Gebildes erreicht wird. Die Id ethode ist im allgemeinen die zweckmäßigste und gefahrloseste. Sie erfordert, wenn es sich nicht um sehr kleine und sehr weiche Gebilde handelt, ein besonderes Instrument, welches ein gewaltsames Anziehen der aus Draht oder aus einer stählernen Kette bestehenden Schlinge möglich macht. (S. Ecraseur.) Eine ähnlich wirkende, elegantere, aber auch kostspieligere Methode stellt das Abtragen mittels der von Middeldorpf angegebenen Methode der galvanokaustischen Schneideschlinge dar. Man bringt eine Schlinge von Platindraht dadurch zum Glühen, daß man ihre Enden zwischen die Pole einer kräftigen galvanischen Batterie einschaltet, und brennt damit die Geschwulst an ihrer Basis durch. Der glühende Platindraht steht dem Ccraseur in der Sicherheit der Blutstillung durchaus nicht nach, übertrifft ihn aber noch in Bezug auf die Schnelligkeit der Ausführung der Operation. (S. Galv anokaustik.) Die beiden andern Methoden sind lästiger, weil bei ihnen die Operation länger dauert, der Druck der Schlinge (Ligatur) oder die eintretende Entzündung oft sehr schmer unn ist, auch jedes erneuerte Aniehen der Schl lußerdem sind sie auch unter gewissen Umständen gefährlicher, weil die etwaige Quetschung eines terven zu schlimmen Nervenzufällen führen kann, bisweilen heftige Entzündung eintritt und brandiges Absterben des Gebildes eine starke Blutung oder gar eine Vergiftung des Blutes mit Brandjauche zu veranlassen vermag. Man wendet das A. Wataeren an, wo der Reichtum des Gebildes an Blutgefäßen bei der Operation mit Messer oder Schere eine starke und schwer zu stillende Blutung Stelben des würde (an After, Zunge), ferner an Stellen des Körpers, welche für schneidende Instrumente schwer zugänglich (Rachenhöhle, Gebärmutter u. s. w.) sind, dann bei blutarmen Personen, welchen schon eine geringe Blutung schädlich sein könnte, endlich bei solchen, die eine große Scheu vor dem Messer, d. h. vor jeder blutigen Operation haben. Besonders geeignet für das A. sind solche Gebilde, deren Basis kleiner als ihr übriger Umfang, also stielförmig ist, wie besonders viele Polypen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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