Aberdeen (spr. Abberdihn), eine mit dem Kap Kinnaird in die Nordsee vorspringende Grafschaft des nördl. Schottland, zwischen Banff und Inverneß im NW. und Perth, Angus (Forfar) und Kincardine im S./ umfaßt 5101 qkm mit (1871) 244 603 E. Der südwestl. Teil, der Distrikt von Mar, wird vom Grampiangebirge und seinen nordöstl. Verzweigungen zu einem rauhen, in Hochmooren, dichten Waldungen und wilden Felspartien wechselnden Berglande gemacht, in welchem der Ben-Muich-Dhui (Maedui) in der Cairngormgruppe 1311 m hoch und nächst dem Ben-Nevis der be Berg Schottlands ist. Nordöstlich findet der übergang zu einem wellenförmigen, größtenteils ebenen Hügellande statt. Zwei Drittel sind Gebirge, Hügel, Moore und Einöden. Doch sind die Küsten felsig, von Riffen umgeben und zum Teil ausgehöhlt, wie z. B. die Bullers von Buchan einen vom Meere durchbrochenen Felsbogen von 15 m Weite zeigen. Zu den Hauptflüssen gehören der Grenzfluß Doveran, der Ugie, der Ythan, in welchem Perlenfischerei betrieben wird, der Don mit dem Urie und der Dee. Das Klima ist trotz der durch herrschende Winde erzeugten Veränderlichkeit bei der offenen Lage am Meere ein mildes. Die Bewohner treiben Bergbau (vorzüglichen Schiefer, Mühlsteine, Granit zum Straßenpflaster für London), Viehzucht, Fischerei und beträchtlichen Handel, auch Ackerbau und Industrie auf Baumwoll⸗ und Leinenzeuge, Seidenwaren und Strumpfstrickerei. Die Berge von Braemar enthalten — Krystalle, sog. Cairngorms, auch Topase. — A., die Hauptstadt der Grafschaft, liegt zwischen den Mündungen des Dee und des Don und teilt sich in Alt-A. (Aberdon), die kleinere, aber weitläufig gebaute und sich bis zum Don erstreckende nördl. Stadthälfte, und Neu-A., die moderne, sich am gewundenen linken Ufer des Dee ausbreitende südl. Hälfte. über den Dee führen drei Brücken, und zwar eine alte, 1520 erbaute, von sieben Bogen, eine 1830 erbaute Hängebrücke und eine 1850 erbaute Eisenbahnbrücke. A. ist die bedeutendste Stadt Nordostschottlands hat eine schöne got. Kathedrale und zählt (1881 105818 E. Die beiden Kollegien, Kings⸗ und Marishal-College, gegründet 1494 und 1593, wurden 1860 zu einer Universität mit reichen Hilfsmitteln vereinigt. Ansehnliche Spinnereien und bedeutende Fabriken in Woll⸗, Baumwoll- und Leinenwaren, in Papier, Seife, Lichten, ferner Gerbereien und Seilereien, Eisengießereien, Schiffbau, Ausfuhr von Lachsen, Eiern, Butter, Schweinefleisch, Getreide, sowie Grönlandsfischerei und Lachsfang im Don und Dee sind Haupthebel eines bedeutenden Handels. Regelmäßige Dampfschiffahrt findet statt nach London, Leith (Edinburgh), Peterhead, Inverneß und den Orkneys. Der früher gefährliche, jetzt verbesserte Hafen wird durch einen 630 m langen Granitmolo und dure zwei Batterien verteidigt. Ba Zeit der Ebbe ist jedoch das Wasser über der Barre des Hafens nur 3,5 m tief. Ein 30 Em langer Kanal führt nach Inverury; durch die Caledoniabahn ist A. südwestlich mit Perth u. s. w., durch die Nordbahn nordwestlich mit Inverneß u. s. w., durch mehrere Zweigbahnen mit den andern größern Orten des nördl. Schottland verbunden. Alt-A. ward in der Mitte des 12. Jahrh. Sitz des aus Mortlach in Banff hierher verlegten Bistums und hat eine Kathedrale des heil. Macarius aus dem 14. Jahrh. Neu-A. besaß ehemals ein festes Schloß und hat in den schott. Kriegen große Drangsale erduldet. Es wurde 1153 von dem norweg. König Eystein geplündert, 1336 von der engl. Flotte Eduards III. verbrannt, 1644 von den Royalisten unter Montrose erobert und durch Mord lud gänzlich entvölkert, 1647 durch die Pest heimgesucht. ö