Absceß (Eiterbeule, Eitergeschwulst, Eiterhöhle, apostéma) nennt man eine Ansammlung von Eiter (. d.) in einem widernatürlich entstandenen höhlenartigen Raume innerhalb eines Gewebes oder Or-Sie des menschlichen oder tierischen Körpers. ie Bildung des A. kommt so zustande: die 7⁷ sten Blutgefäßchen (Haargefäße) überfüllen sich infolge eines Entzündungsreizes mit Blut, d. h. die Stelle, an welcher später der A. auftritt, entzündet sich, und zwar heftiger (heißer A.) oder in geringem, kaum merklichem Grade (kalter A.). Aus diesem sehr langsam fließenden oder ganz stockenden Blute treten nun durch die Gefäßwande hindurch in das Gewebe des Organs massenhafte weiße Blutkörperchen, die sich sofort in Eiterkörperchen umwandeln. Ein kleinerer Teil der Eiterkörperchen entsteht an Ort und Stelle selbst, indem sich die vorhandenen Gewebszellen ihrerseits teilen und in Eiterkörperchen umwandeln. Die Flüssigkeit, in welcher diese Eiterzellen suspendiert sind (Eiterserum), ist ausgeschwitzte Blutflüssigkeit. Der so ebildete Eiter, welcher anfangs noch zwischen den leinsten Partikelchen des Gewebes verteilt liegt, löst diese allmählich auf und fließt endlich in einen Raum zusammen. Sehr oft bahnt sich der Eiter infolge seiner die Gewebe leicht auflösenden Flüssigkeit einen Weg aus dem A. nach der Oberfläche oder nach einer Höhle des Körpers hin, worauf sich dann die Absceßhöhle schließt. Nicht selten tritt so der Eiter an einer andern Stelle des Körpers (sog. Kongestions⸗ oder Senkungsabsceß) zu Tage, als wo er gebildet wurde. Auch kommt es vor, daß, wenn sich der A. nicht von selbst oder durch künstliche erens, Alem Hilfe des Messers, Haarseils, Glüheisens, tzmittels) entleert, der eiterige Inhalt desselben allmählich eindickt und vertrocknet (verkreidet). Die Kennzeichen eines A. bestehen in Geschwulstbildung, Rötung und Hitzegefühl der überliegenden Weichteile, heftigen klopfenden oder stechenden Schmerzen und der Wahrnehmung des sog. Schwappungs⸗ oder Fluktuationsgefühls vermittelst der aufgelegten Finger: häufig kommen hierzu noch gewisse Funktionsstörungen des betroffenen Organs und e oder minder heftiges Fieber. Bei oberflächlich liegenden A. u oder dicht unter der Haut) besteht die Behandung zu Anfang, wo wegen der Blutfülle in den Gefäßen und wegen der Festigkeit des geronnenen, aus dem Blute Ausgeschwitzten noch eine harte, bisweilen gerötete Geschwulst vorhanden ist, in Anwendung von feuchter Wärme (besonders von warmen Breiumschlägen und erweichenden Pflastern), später aber, wenn sich der Eiter gehörig gebildet hat, in Entfernung desselben. Wird die Entfernung des Eiters zu lange verzögert, so kann derselbe nicht nur zu großen Zerstörungen des Organs, sondern auch zur eranla gefährlichen Eitervergiftung des Blutes Veranlassung geben. (S. Pyämie.) Die Absceßbildung wird von der Natur gewöhnlich auch dann eingeleitet, wenn sie fremde, in den Körper eingedrungene Stoffe wieder aus demselben entfernen will. über die sog. embolischen oder metastatischen Abscesse Emboli e. Dem A. ähnlich sind der Karbunkel (s.d.) und der Furunkel (s. d.).