FeedAbschäumen
TechnikBrockhaus 1882

Abschäumen nennt man in der chem. Technik und in der Kochkunst eine Operation, durch welche die Entfernung von an der Oberfläche siedender Flüssigkeiten sich bildenden Schaummassen bezweckt wird. Die Schaummassen entstehen vornehmlich dadurch, daß an kleinen, in der Flüssigkeit suspendierten festen Körpern sich Dampfbläschen bilden und durch Adhäsionskraft von jenen festgehalten werden. Der Austrieb drängt die Dampfbläschen an die Oberfläche, und somit werden die festen Körper ebenfalls der Oberfläche zugeführt. Mit der durch Schaumlöffel zu bewirkenden Entfernung des Schaums ist daher zugleich eine Klärung der Flüssigkeit zu bewirken. In kochender Fleischbrühe, in kochenden Pflanzenextrakten wird das in der Hitze gerinnende Eweiß als Schaum entfernt und damit die Klärung herbeigeführt. In manchen schwer zu klärenden lüssigkeiten ruft man absichtlich Schaumbildung ervor, um damit eine Klärung zu erreichen; man fügt denselben Blut oder sonstige Eiweiß enthaltende Substanzen zu, läßt aufwallen und kann dann meist das Trübe samt dem geronnenen Eiweiß im Schaum entfernen. Mit der Beseitigung des Schaums ist immer ein nicht unerheblicher Verlust der abzuschäumenden Flüssigkeit verbunden; aus diesem Grunde beschränkt man die Anwendung dieser Operation in der Technik jetzt mehr und mehr; so ist sie beim Raffinieren des Zuckers, wo sie früher allgemein angewandt wurde, jetzt fast ganz aufgegeben, da man in einer sorgfältig ausgeführten Filtration ein Mittel hat, durch welches die erforderliche Klarheit der Säfte auch ohne das A. erreicht werden kann. Schaumbildung tritt in sehr reichlichem Maße in mehr oder weniger dicklichen, klebrigen Flüssigkeiten beim Kochen ein, indem die die Dampfbläschen umhüllenden flüssigen Membranen durch ihre zähe Beschaffenheit cte Zeit gebrauchen, ehe sie zerplatzen; das die Flüssigkeit enthaltende Gefäß ist dann fassen nicht groß genug, um die Schaummassen zu fassen, wodurch überkochen, dem durch A. nicht vorgebeugt werden kann, eintritt. Der übermäßigen Schaumbildung läßt sich dann durch schwächeres Erhitzen vorbeugen, mitunter auch durch Zugabe minimaler Mengen von Fett. Im Großbetriebe zerstört man solche Schaummassen, indem man dicht über dem Spiegel der kochenden Flüssigkeit ein Dampfrohr anordnet, aus welchem aus zahlreichen feinen Offnungen Strahlen von stark gespanntem Dampf in Haenes Richtung über die Flüssigkeit hinweglasen. Solche Schaumschläge sind namentlich mit günstigstem Erfolge in den Saturationsapparaten der Zuckerfabriken verwendet. — In der Glasindustrie bezeichnet man als A. die Entfernung von unschmelzbaren fremden Körpern, welche sich auf der schmelzenden Glasmasse abscheiden, da sie durch ihr geringeres spezifisches Gewicht an die Oberfläche getrieben werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 69Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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