FeedAbsonderung
HeilkundeBrockhaus 1882

Absonderung (medizinisch) nennt man die im menschlichen oder tierischen Körper sehr vielfach vorkommende Ausscheidung flüssiger oder luftförmiger Stoffe aus dem Blute; daneben wird auch das Produkt dieser Ausscheidung, d. h. also das Gemisch der ausgeschiedenen Siahot als A. bezeichnet. Da das Blut in einem geschlossenen Röhrensystem den Körper durchkreist, so können Ausscheidungen aus dem Blute nur dadurch vor sich gehen, daß die Blutbestandteile durch unsichtbar feine Poren der Blutgefäßwände durchschwitzen. Die äußerst zarten Wandungen der sog. Hden klberd. h. jener kleinsten Aderchen, welche den Übergang von den Pulsadern zu den Blutadern bilden, sind jenem Durchtritt von Blutbestandteilen — ders günstig und daher im Leben der ausschließliche Sitz dieses Prozesses. Da man annehmen darf, daß die Wand der Haargefäße nicht in allen Organen gleich gebaut und vielleicht für verschiedene Stoffe verschieden leicht durchgängig ist, da ferner das Blut in verschiedenen Organen ein verschiedenes ist und unter verschiedenem Drucke steht, da endlich auch die chem. Zusammensetzung der einzelnen Organe verschieden ist und demnach auf die einzelnen Blutbestandteile eine verschiedene Anziehung ausüben r. so erklärt sich schon hieraus einigermaßen die große Verschiedenheit der zahlreichen A., welche im Körper stattfinden. Diejenige A., welche lediglich in dem Austritt von Blutbestandteilen aus den Haargefäßen besteht, pflegt man Transsudation, und das ausgetretene wasserhelle, alkalisch reagierende, mehr oder minder eiweißhaltige Stoffgemisch Transsudat zu nennen. Als solches ist der Saft u bezeichnen, welcher in alle Organe stetig aus dem Blute ausgeschieden wird, und aus welchem sich die Organe Zunand Ferner gehören hierher die im gesunden Zustande sehr spärlichen, in Krankheiten oft —5 reichlichen Flüssigkeiten, welche sich in den natürlichen Höhlen des Körpers vorfinden, z. B. in der Brusthöhle, der Bauchhöhle, dem Herzbeutel, den Gelenkhöhlen u. s. w. Die Transsudate ind im Grunde nichts weiter als ein verdünntes lut mit Abzug der Blutkörperchen, d. h. jener kleinen, 555n die Zellen, welche dem Blute seine Farbe geben. on diesen einfachsten A. oder Transsudaten, welche nur Bestandteile enthalten, die sich auch im Blute vorfinden, unterscheidet man diejenigen, welche eine anz besondere chem. Zusammensetzung, d. h. Beentl zeigen, die man im Blute nicht findet, ie also auch nicht bloß aus dem Blute ausgetreten sein können, sondern welche aus den ausgetretenen Blutbestandteilen erst durch chem. Umwandlungen erzeugt sein müssen. Diese A. werden sämtlich in besondern Absonderungsapparaten, den sog. Drüsen, zubereitet. Letztere bestehen im wesentlichen aus einfachen oder verästelten, plattwandigen oder blasig ausgebauchten Schläuchen, welche außen von einem dichten Haargefäßnetz umsponnen, innen aber von einer Schicht kleiner, dicht aneinanderliegender, wie Pflastersteine angeordneter, rundlicher Bläschen ausgekleidet sind. Diese Bläschen, Zellen genannt, sind der Ort, in welchem die aus dem Blute ausgetretenen und in die Schläuche hindurchgeschwitzten Blutbestandteile eigentümlich umgewandelt werden, um dann entweder durch Zerfall der Zellen (welche von neu Iachsuhmenden ersetzt werden) frei oder von der durchströmenden Flüssigkeit ausgewaschen zu werden und sich durch die Ausführungsgänge der Drüse an ihren Bestimmungsort zu ergießen. Obwohl die erwähnten Drüsenzellen in den verschiedenen Drüsen eine 1— verschiedene chem. Thätigkeit entfalten, so ähneln sie sich doch im wesentlichen berall so sehr, daß man bisjetzt nicht daran denken kann, aus ihrer geringen Verschiedenheit die Besonderheiten ihrer Wirkungen in den einzelnen Drusen zu erklären. Jedenfalls aber sind sie die Hauptfaktoren bei der Herstellung der Drüsenabsonderungen. Daneben ist, wie erwähnt, bei gewissen Drüsen die besondere Beschaffenheit des Bluts zu bedenken, wie denn z. B. die Leber ganz anderes Blut führt als die meisten übrigen Drüsen; ferner die Vers chiedenheit des Blutdrucks, welcher je nach der Länge und dem Baue des Blutgefäßsystems der Drüse sehr verschieden ist; endlich aber auch der Einfluß der Nerven, welche in der Drüse sich verzweigen. So ist bekannt, daß die Are merder Speicheldrüse sogleich beginnt, wenn ihre Nerven gereizt werden; so fängt die Thränendrüse gewaltig zu arbeiten an, wenn das Gehirn durch gewisse Stimmungen erregt und diese Erregung durch die Nerven zur Drüse fortgepflanzt wird. Man unterscheidet nun unter den Drüsenabsonderungen diejenigen, welche noch weiter im Organismus verwendet werden, als Sekrete (s. d.) von den Exkreten oder Exkrementen (s. d.), welche als Auswurfsstoffe den Körper verlassen. Eine strenge Trennung zwischen Exkreten und Sekreten läßt sich indes nicht machen, weil viele A. gewissermaßen zu beiden gehören, wie z. B. die Galle, andere zwar nicht weiter im Organismus verwendet werden, aber doch auch nicht bloße Auswurfsstoffe sind, sondern dem Organismus noch Dienste leisten, wie z. B. der Hauttalg, die Thränen. Die länger andauernde Unterdrückung mancher A. führt zu den erheblichsten Störungen des gesamten Stoffwechsels, ja vermag unter Umstanden das Leben zu bedrohen; so führt die Zurückhaltung der Kohlensäure und des Harnstoffs im Blute in kürzester Frist zum Tode. (S. Drüsen, Ernährung, Stoffwechsel.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 75Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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