Abu-Simbel heißt ein Fels am westl. Nilufer, zwischen dem ersten und zweiten Nilkatarakte, in welchem zwei berühmte altägypt. Tempel ausgehauen sind. Beide wurden, wie auch drei andere große Felsentempel desselben Landstrichs, von Ramses II. (1388 — 22 v. Chr.) gegründet. Während aber die drei andern Felsentempel den drei größten Göttern seiner Zeit, Ra, Phtah, Ammon, geweiht waren, war der größere der beiden Tempel von A. dem König Ramses In und der kleinere daneben seiner ersten Gemahlin Nofretari gewidmet. Im erstern, der sich durch seine wohlerhaltenen, auch historisch bedeutenden Darstellungen und Inschriften auszeichnet, erscheint der König öfters sich selbst, d. h. seine göttliche, von der irdischen n des aufgefaßte Person anbetend. In der Cella des Tempels ist der König, von Ra, Ptah und Ammon, enen mitthronenden Göttern, umfaßt, in kolossaler, freigearbeiteter, nur mit dem Rücken noch am Fels haftender Figur dargestellt. Zur Seite des Eingangs des großen Tempels sind vier mächtige sitzende Kolosse des Königs von ungefähr 20 m Höhe, mit einer Schulterbreite von 7,5 m, gleichfalls aus dem Felsen gehauen. An der Vorderseite des kleinen Tempels sind sechs stehende Statuen in Hautrelief kolossal ausgehauen, nämlich auf jeder Seite des Eingangs je zwei Bilder des Königs und ein Bild der Königin. An dem zweiten Kolosse von Süden vor dem Königstempel ist die merkwürdige griech. Inschrift eingegraben (die älteste unter den bekannten größern), welche von den ion. Söldnern hier zurückgelassen wurde, die unter Köni Pfammetich I. (664 — 610 v. Chr.) bei der Verfolgung der von Clephantine nach Athiopien entweichenden Krieger hierher kamen. Der fast unmittelbar an den Fluß vorspringende, zwischen beiden Tempeln gespaltene Fels von gegen 100 m Höhe, aus einem festen, feinkörnigen Sandstein bestehend wird in den hieroglyphischen Inschriften (wie au der am Südende von Dongola gelegene aut Barkal) der aheilige Berg v genannt und scheint bei der Anlage der Tempel zugleich in daher de von Ramses befestigt worden zu sein, daher der Ort wir er heutige Name A. ist von einem Felsen hergenommen, welcher bei der von Norden darauf den Steue Flußbiegung an einer ins Auge fallenen Stelle einen ägypt. Mann im Basrelief abgebildet trägt, dessen spi emmahe 6 Schurz den arab. Schiffern einem Kornmaße 199 zu sein schien. Daher nannten sie dieses Bild Abu-Simbelz, Kornvater, von sinbel, die Kornähre, und bezeichneten dann die ganze Felsenpartie mit den Tempeln danach. Die frühere Bezeichnung Ibsamboul beruht auf einer unrichtigen franz. Auffassung des Namens. Vgl. Dümichen, Der ägypt. Felsentempel von A. » (Berl. 1869). Die Darstellungen und Inschriften sind publiziert in Champollion, «Monuments de Il'Egypten (4 Bde., Par. 1835—45), und e. „Denkmäler aus Agypten und Athiopieno (9 Bde., Berl. 1849—59).