FeedA. 0. o.
ErdkundeBrockhaus 1882

A. 0. o., Abkürzung für Anno orbis conditi, d. i. im J. nach Erschaffung der Welt. AVoölier (grch. Alohete), ein griech. Volksstamm, welcher sich von Aölus, einem der Söhne des Hellen und Enkel des Deukalion, ableitete und seine ursprünglichen Wohnsitze in der hesal. 5 Aölis hatte, der südwestl. Hälfte der thessal. Ebene, die später die Tetrade Thessaliotis bildete. Hauptstadt der A. war hier Arne, das spätere Kierion. Von hier zog ein Teil des Stammes, infolge der Einwanderung der Thessaler, unter dem Namen der äol. Böoter nach der Landschaft Böotien und unterwarf 11 den größten Teil derselben; ein anderer Bruchteil ließ sich im südl. Atolien in der Gegend von Kalydon und Pleuron, welche danach auch Äolis genannt wurde, nieder. Am längsten erhielt sich der Name AÄ. als politisch-ethnogr. Bezeichnung für die griech.Ansiedler im Nordwesten Kleinasiens, welche in wiederholten Zügen seit dem Eindringen der Dorer im Peloponnes unter Führung der Pelopiden, der Nachkommen des Agamemnon (nach der gewöhnlichen Tradition unter Penthilos, dem Sohne des Orestes), sich nach den Inseln Lesbos und Tenedos sowie den Küsten von Troas, Mysien (Teuthranien) und Lydien gewandt und daselbst niedergelassen hatten. Den Hauptstock dieser Einwanderer bildeten Achäer aus dem Peloponnes, denen, wie es scheint, sich Scharen thessalischer A. bei esellt hatten. Die Niederlassungen der A., deren a etwa 30 betrug, zerfallen, abgesehen von den tädten auf der durch Macht und Reichtum blühenden und als Pflegstätte der Musik und Poesie hochberühmten Insel Lesbos, in zwei größere Gruppen. In der südlichern Gruppe, die 12 in der Nähe der Flüsse Kaikos und Hermos und des Claitischen Meerbusens gelegene Städte umfaßte, die zu einem Bunde, ähnlich dem der ion. Städte, vereinigt gewesen zu sein scheinen, waren Smyrna, das jedoch später an Jonien fiel, und Kyme die bedeutendsten Plate. Die nördl. Gruppe bildeten die am Fuße des Idagebirgs in Troas, vom Vorgebirge Lekton bis zum innersten Winkel des Adramyttischen Golfs gelegenen Städte, von denen Assos, Gargara und Antandros an der Küste lagen; zu ihr gehörte auch die Insel Tenedos (s. d.) sowie die dieser gegenüber auf der Küste des Festlandes von König Antigonos begründete, von Lysimachos erweiterte Stadt Alexandreia Troas. Diese sämtlichen äol. Städte, deren Bevölkerung zum großen Teile aus Resten der frühern Landeseinwohner, Pelasger, Leleger, Dardaner, Troer und Myser, bestand, wurden schon von Krösus zur Bezahlung von Tribut genötigt. Mit der Unterwerfung Lydiens durch Cyrus gerieten sie in ein ähnliches Abhängigkeitsverhältnis zum Persischen Reiche. Nach den Persertrie en traten sie zum größten Teile der athenischen Bundesgenossenschaft bei, deren Auflösung sie wieder in die Gewalt der pers. Satrapen brachte. Nach dem Untergange des Persischen Reichs und dem Tode Alexanders d. Gr. gehörten sie bald zum Pergamenischen, bald zum Syrischen Reiche, bis sie von den Römern zur Provinz Asia (propria) geschlagen wurden. Mit dem Namen des Äolischen Dialekts bezeichnet man nach dem Vorgange der Alten eine Gruppe von untereinander mannigfach abweichenden griech. Dialekten, welche im nördl. und mittlern Hellas (in Thessalien, Lokris, Böotien), im Peloponnes (Arkadien) und im nördl. Kleinasien gesprochen wurden und s besonders durch größere Altertümlichkeit in Hinsicht der Laute von dem dor., ion. und attischen Dialekte unterschieden; in der Poesie ist von jenen lokalen Dialekten besonders der der Insel Lesbos angewandt und durch Alcäus und Sappho künstlerisch ausgebildet worden. lolischer Dialekt, s. unter Aölier. „Volische Fuseln, s. unter AKölus und Liparische Inseln. Nolodikon (grch.), auch Aolikon, eine Art Windharmonilka, ist eine ältere — 70 des jetzt unter dem Namen der Physharmonika (s. d.) bekannten musikalischen Instruments. RBolopile oder Aolipile (arch., d. i. Dampfkugel, Windkugel), ein kleines metallisches Kesselchen, an welches ein mit enger Mündung endendes Ausflußrohr angesetzt ist. Ist das Kesselchen teilweise mit einer Flüssigkeit Rochen welche durch eine untergesetzte Flamme ins Kochen gebracht wird, so strömen die Dämpfe mit Gewalt aus jener engen Offnung hervor. Ein in den Weg des Dampfstrahls gestelltes Flügelrad wird von demselben umgetrieben, und wenn die A. um eine Achse leicht drehbar ist, so wird sie, wie bereits Hero von Alexandrien um 120 v. Chr. ermittelt hatte, durch die Reaktion des ausströmenden Dampfs in Rotation versetzt. Wird die Ä. mit Weingeist gefüllt, so läßt sich der ausströmende Dampfstrahl entzünden und zum Löten oder Glasblasen verwenden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 745Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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