Adam de la Hale, genannt le bossu d'Arras, altfranz. Dichter und Komponist, geb. um 1240 zu Arras, erhielt in der Abtei Vauxelles bei Cambrai eine wissenschaftliche Erziehung, trat sodann in den geistlichen Stand, verließ aber denselben wieder und vermählte sich. Von seiner Frau getrennt, wandte er sich nach Paris und schloß sich an Robert II. Grafen von Artois, mit welchem er sich 1282 nach Neapel begab, wo er um 1287 starb. Von ihm sind handschriftlich 33 Chansons, 16 Rondeaux, 5 Motets, 18 jeux partis, 1 Abschied (Longé) und 1 Klager (Fragment), sowie 3 Liederspiele erhalten. Far ie Geschichte der Musik ist A. dadurch von Interesse, daß von ihm bekannt ist, daß er auf freiere Weise mehrstimmig zu komponieren versuchte. Nach der Harmonielehre jener Zeit wagte man in mehrstimmigen Sätzen keine andern he von dn anzuwenden als ununterbrochene Reihen von Quinten, Quarten und Oktaven, wie es Guido von Arezzo und dessen H1 vorgeschrieben hatten. ält zwar im allgemeinen auch noch an diese egeln, aber er untermischt sie mit Gegenbewegun-Hei und andern harmonischen Kombinationen. Als esondere Merkwürdigkeit seiner Motetten — auch gelten, daß er in die Baßstimme den Cantus firmus mit lat. Worten setzt, und darüber eine oder zwei andere Stimmen im verzierten 3n Robir welche anz. Worte +. ein Jeu de Robin et de arion kann als die älteste komische Oper betrachtet werden. Proben von A.s Setzart finden sich in Kiesewetters „Geschichte der neuern Musikv (2. Aufl., Lpz. 1846). In neuester Zeit hat Kapellmeister Tappert in Berlin mehrere dieser Chansons und Liederspiele zur Aufführung gebracht. Coussemaker gab die (Oeuvres complétes du trouvère A. de la Halen (Par. 1872) heraus, versehen mit den überlieferten Melodien.