Ancillon (Friedr., oder 4 Pierre Fréderic), preuß. Staatsminister, Urenkel des vorigen, wurde 30. April 1767 zu Berlin eboren, studierte in Genf Theologie, wurde 1790 Prediger bei der franz. Kirche zu Berlin und 1792 zugleich Professor der Geschichte an der Militärakademie zu Berlin, dann Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Dnnren Historiograph. Die letztere Ernennung verdankte er seinem Tableau des révolutions du système politique de I'Europe depuis le 15° siècles (4 Bde., Berl. 1803—5, neue Aufl. 1824, deutsch von Fr. Mann, 3 Tle., Berl. 1804 —5). Im Aug. 1810 verließ er die Kanzel und den Lehrstuhl, um die Erziehung des Kronprinzen zu übernehmen, und trat 1814 als Wirklicher Geh. Legationsrat ins Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. Im Mai 1831 zum Wirklichen Geh. Rat und zum selbständigen 1 des Departements für das Fürstentum Neuchatel und Valengin, bald darauf zum Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten ernannt, erhielt er 1832 als Staatsminister die definitive Verwaltung dieses Ministeriums. Die Wirksamkeit A.s in dieser hohen Stellung sheß sich im allgemeinen der Richtung an, welche die deutschen Kabinette unter Metternichs Vortritt insgesamt verfolgten. A. starb kinderlos 19. April 1837. Von seinen Schriften sind noch hervorzuheben: «Mélanges de littérature et de philosophien (3. Aufl., 4 Bde., Par. 1823), «ber Souveränetät und Staatsverfassungo (Berl. 1816), „Essais philosophiques, ou nouveaux mélanges de littérature et de philosophies 1 Bde., Genf u. Par. 1817), «über die Staatswissenschafto (Berl. 1818), Küber Glauben und Wissen in der Philosophie (Berl. 1824), Küber den Geist der Staatsverfassungen und dessen Einfluß auf die Gesetzgebungo (Berl. 1825), 4Zur Vermittelung der Extreme in den Meinungen» (2 Bde., 2. Aufl., 1838), Pensées sur l'hommes (Berl. 1829).