FeedAdhäsion
NaturlehreBrockhaus 1882

Adhäsion (lat.) heißt in der Physik die Kraft, mittels welcher die Oberflächen zweier verschiedener dendn aneinander anhaften, sobald sie in hinreichend vielen Punkten miteinander in Berührung gebracht werden. Man kann die Bethätigung dieser Kraft sowohl bei Berührung fester Körper untereinander als auch bei der von festen mit flüssigen Körpern nachweisen. Auch die Absorption (s. d.) läßt sich als eine bis in das Innere dringende A. auffassen. Die Wirkungen der A. treten uns Überall entgegen. So beruht auf ihr alles Kitten, Leimen und Löten. Die Kreideteilchen adhärieren an der Tafel und die Bleistiftteilchen auf dem Paier oder anderm Schreib⸗ oder Zeichenmaterial. en eschliffene Spiegelplatten haften, wenn man e aufeinander legt, ot so fest aneinander, daß sie, ohne zu zerbrechen, nicht wieder getrennt werden können. Auch das Plattieren (s. d.) ist nur durch A. möglich. Dadurch, daß man Kupfer oder Neulber zugleich mit Gold oder Silber rotglůhend ie 0 ein starkes Walzwerk gehen läßt, erhält man die silber⸗ oder goldplattierten u, 36 aus denen allerhand Geräte gefertigt werden. Ferner bewirkt die A. das Anhaften der Spiegelfolie auf der Rückseite der Spiegel, das Anhaften der Farbe und Schwärze an den Formen, Walzen, Holz⸗, Kupfer⸗, Stahl⸗ und Steinplatten beim Drucken, das Festhalten des Anwurfs an Mauern, das Benetztwerden der in Wasser getauchten Hand. Interessant ist die Benutzung der A. bei Veras Wasserhebungsmaschine (1780). Ein breiter, mit beiden Enden zusammengenähter Gurt oder Strick wird so über zwei Rollen gespannt, daß die eine Rolle sich in einem Gefäße mit Wasser befindet. Versetzt man die Rollen in schnelle Drehung, so wird die an der rauhen Hlliche V des Gurtes adhärierende, nicht unbeträchtliche Wassermasse durch den Gurt mit bis zur andern Rolle in die Höhe gerissen, wo sie sich dann in eine Rinne ergießt. Ein fester Körper wird von einer Flüssigkeit benetzt, wenn die A., mit welcher die Flüssigkeit an dem festen Körper hängt, größer ist als die Kohäsion der Flüssigkeitsteilchen; ist jedoch die Kohäsion größer als die A., so findet keine Benetzung statt, wie dies z. B. der Fall zwischen Quecksilber und Glas, Wasser und Fett u. s. w. ist. Die A. wirkt, wie alle Molekularkräfte, nur auf äußerst kleine Entfernungen. Hohe Politur der aufeinanderliegenden Flächen, ein größerer Druck auf dieselben, ferner eine längere Berührungsdauer erhöhen die A.; dagegen wird die A. durch hohe Temperaturen meist geschwächt, außer wenn durch die Erhitzung eine Erweichung oder Schmelzung der beteiligten Körper eintritt. über die Kapillarphänomene, die sich auch aus der A. erklären, s. Kapillarität. — In der Pathologie bezeichnet man mit A. die mehr oder weniger feste Vereinigung verschiedener, im normalen Zustande nicht miteinander verbundener Körperteile, namentlich der Eingeweide untereinander und mit der Wand der Körperteile, in welcher sie eingeschlossen sind. Gog. Bildung geht in der Regel eine 14. pei wela (sog. adhäsive Entzündung) voraus, bei welcher es zur Entwickelung von neuem Gewebe mit reichlichen Blut⸗ und Lymphgefäßen kommt. Das neugebildete, anfangs sehr weiche und lockere Gewebe wird erst im weitern Verlaufe allmählich fester ‚Narbengewebe).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 145Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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