Affinierung oder Affination, von frz. affiner, d. h. feinmachen, nennt man gewisse metallur-Bicoe Arbeiten, durch welche Metalle von fremden eimischungen befreit (fein gemacht) und in einem mehr oder weniger reinen Zustande dargestellt werden. Im allgemeinen ist dafür der Ausdruck Raffinieren üblicher. Durchweg heißt aber Affinieren loder auch Gold⸗ und Silb Hhte. G018 die Abscheidung der beiden edeln Metalle, Gold und Silber, aus ihren Legierungen. Der Sprachgebrauch wendet aber den Namen A. Laur hein nicht sowohl auf alle die Methoden an, die zur Reindarstellung (Feinmachen) von Gold und Silber dienen, sondern vorzugsweise auf eine besondere Art der Gold⸗ und Silberscheidung, die von Schraubert in Moskau vorgeschlagen und 1802 von d'Arcet ausgeführt wurde und auf der Oxydierbarkeit und Löslichkeit des Silbers in koncentrierter Schwefelsäure und der Unveränderlichkeit des Goldes in dieser Säure beruht. Zur Auflösung der Legierung dienten früher Platingefäße, jetzt wendet man allgemein gußeiserne Kessel oder Porzellangefäße an. Man übergießt darin die durch Granulieren zerkleinerte Legierung mit Schwefelsäure und erhitzt dieselbe, bis die Lösung des Silbers und des vorhandenen Kupfers vor sich gegangen ist. Das ungelöst zurückbleibende Gold wird nach dem Trocknen mit etwas Salpeter umgeschmolzen. Das Ausfällen des Silbers aus der Lösung geschieht durch metallisches Kupfer. Die zurückbleibende Kupferlösung wird durch Abdampfen und Krystallisierenlassen auf Kupfervitriol verarbeitet. Wahlverwandtschaft, nennt man in der Chemie die Fähigkeit zweier verschiedenartiger Stoffe, bei inniger gegenseitiger Durchdringung einen neuen Stoff zu bilden, der in seinen Eigenschaften von den beiden Stoffen, aus denen er zusammengesetzt ist, 8010. oder weniger abweicht. Wenn man z. B. uecksilber und Schwefel in geeigneten Verhältnissen zusammenschmilzt, so erhält man nicht etwa ein bloßes Gemisch, sondern eine chem. Verbindung von beiden, einen erdigen Stoff von roter Farbe, wie er auch in der Natur als Zinnober vorkommt. Aus einer solchen chem. Verbindung kann man die verschiedenen Bestandteile wieder trennen, dadurch, daß man einen dritten Stoff hinzubringt, der zu einem von den beiden verbundenen Stoffen eine größere chem. Verwandtschaft hat als die beiden unter sich. Wenn man z. B. die ein weißes Pulver bildende Verbindung von Chlor und Blei, das Chlorblei, mit Wasser anrührt und mit Zinkblech usammenbringt, so scheidet sich das Blei aus, und afür bildet si —— welches in der Flüssigkeit aufgelöst bleibt. Man sagt dann, daß das Zink eine größere Verwandtschaft zum Chlor habe als das Mei. Wo sich solche Unterschiede in 1 Verwandtschaftskraft zeigen, wo gewissermaßen ein Stoff sich aus mehrern gegebenen einen auswählt, mit dem er 500 verbindet, indem er die Verwandtschaftskräfte der übrigen zu diesem überbietet, spricht man besonders von chemischer Wahlverwandtchaft, und zwar in diesem Falle von einfacher. auschen sich in zwei Verbindungen die Stoffe gegenseitig aus, 0 heißt diese Art der A. doppelte Wahlverwandtschaft, Wechselzersetzung oder Tauschzersetzung. Wenn sich uden ein Stoff mit einem andern nur dann verbinden kann, wenn ihn ein dritter in seinem Bestreben unterstützt, so Mit de man von prädisponierender Verwandtschaft. Mit dem Namen der reciproken Verwandtschaft hat man alle jene Fälle der Verwandtschaftsäußerung bezeichnet, bei welchen je nach den Umständen die Resultate der Zersetzungen der 3 . Jot Substanzen wechselnd sind. Bringt man z. B. Jod, schweflige Säure und Wasser zusammen, so bildet sich (bei großer Verdünnung) Schwefelsäure und Jodwasserstofffäurez aus letztern beiden Körpern können sich aber auch (bei nicht genügender Verdünnung) schweflige Säure und Jod regenerieren. Die Außerung der chem. Verwandtschaft erfolgt durch Ausgleichung der Anziehungskräfte der Atome verschiedenartiger Moleküle. ochwefel und Quecksilber verbinden sich beim Erhitzen, weil die Schwefelatome und die Quecksilberatome der Schwefel⸗ und Quecksilbermoleküle sich euinan mit einer größern Kraft anziehen, größere „zueinander haben als die Kraft, durch welche die Atome im Molekül zusammengehalten werden. Das Blei wird durch Zink aus dem Chlorblei aus-Auzehung weil die Zinkatome zum Chlor größere nziehungskraft haben als die Bleiatome. Aus essigsauren Salzen wird durch Whmrselsamreg die Essigsäure freigemacht, weil die Schwefelsäure gegen die Basis der essigsauren Salze größere Anziehungskräfte ausübt als jene Säure. Die Verschiedenheit der Größe der Anziehungskräfte folgert man hier auf empirischem Wege durch das Zustandekommen einer Reihe von Erscheinunen, ohne daß es bisjetzt gelungen wäre, ein Maß für dieselbe, durch welche für die Größe der Anziehungskräfte ein rationeller Ausdruck ge eben werden könnte, zu finden. Man steht in der Chemie in dieser Beziehung heute auf demselben Boden, auf welchem man sich in der Wärmemeßkunst befinden würde, wenn es kein Thermometer gäbe. Es wird die Bestimmung dieser Kraftgröße um so mehr erschwert, als ihre Außerung sehr Den A von weitern Umständen bedingt ist. So besitzen Biesenben und —9 die größten A. zueinander, dieselben können sich aber untereinander nur bei sehr hoher Temperatur verbinden, bei gewöhnlicher Temperatur sind ihre Anziehungskräfte gleich Null. Ahnlich verhält sich Sauerstoff und Quecksilber, bei gewöhnlicher Temperatur sind beide ohne Wirkung aufeinander, bei 300 wird der Sauerstoff vom Quecksilber Molekülen von Quecksilberoxyd gebunden, aber ieses zerfällt bei einer Temperatur von 400, wieder in seine Bestandteile; Kr bei gewöhnlicher Temperatur ist die Anziehungskraft der Quechjilberatome zu den Quecksilberatomen der Moleküle und die der Sauerstoffatome zu den Sauerstoffatomen der Moleküle so groß, daß die ursprünglichen Moleküle erhalten bleiben; bei 300 uberwiegt die Anziehungskraft der Quecksilberatome zu den Sauerstoffatomen, die ursprünglichen Moleküle werden zerrissen, die Sauerstoffatome verbinden 10 mit den Quecksilberatomen zu neuen Molekülen von Quecksilberoryd; bei 400 steigert sich wieder die Anziehungskraft der gleichnamigen Atome in diesem Falle 0 weit, daß die Quecksilberoxydmoleküle zertrümmert werden und Sauerstoffatome sich mit Sauerstoffatomen zu Sauerstoffmolekülen und Quecksilberatome sich mit Quecksilberatomen wieder zu Quecksilbermolekülen verbinden. Ahnlich wie hier die Wärme, so wirkt unter andern Umständen das Licht. Chlormoleküle und Wasserstoffmoleküle zeigen bei Ausschluß des Lichts gar keine Anziehungskraft; ein Gemisch der beiden Gase kann im Dunkeln lange Zeit ohne jede Veränderung aufbewahrt werden; sobald es aber von einem Licht910 W der Sonne getroffen wird, äußert sich sofort die Mächtigkeit der Anziehungskraft, indem, unter gewaltsamer Explosion, die Atome des Chlors sich mit den Atomen des Wasserstoffs zu Molekülen von Chlorwasserstoff verbinden. Wird hier die gegenseitige A. der Elemente durch die Einwirkung des Lichts hervorgerufen, so kann sie unter andern Umständen wieder aufgehoben werden. Chlor und Silber bilden eine im Dunkeln vollständig unveränderliche Ter: iobald das Chlorsilber, einen schneeweißen Körper; sobald auf diesen Licht wirkt, wird er s onh durch Ausscheidung von Silber. Ferner kommen bei den Affinitätsäußerungen sog. Massenwirkungen in Betracht; hierher gehört das oben Bringt man 1 Molekül Schwefelsäure mit 2 Molekülen Jodwasserstoffsäure bei Gegenwart von wenig Wasser zusammen, so werden die Anziehungskräfte, welche die Jodatome mit den Wasserstoffatomen in den beiden Molekülen der Jodwasserstoffsäure verbanden, aufgehoben; es wird ein Jodmolekül ausgeschieden; andererseits bringen die beiden Wasserstoffatome eine vollständige Zertrümmerung des Schwefelsäuremoleküls hervor, dasselbe zerfällt dabei in 2 Wassermoleküle und 1 Molekül Schwefligsäureanhydrid. Läßt man aber andererseits die hier aus der Zersetzung der Schwefelsäure und der Jodwasserstoffsäure hervorgegangenen Moleküle bei Gegenwart von viel Wasser aufeinander reagieren, so wird Khüdet Schwefelsäure und Jodwasserstoffsäure gebildet. Endlich ist die Affinitätsäußerung bedingt durch den Aggregatzustand der Moleküle. Mischt man die Lösung eines Baryumsalzes mit Natronhydrat, so wird Baryumhydrat abgeschieden, das Natronhydrat ist daher eine stärkere Basis als das Baryumhydrat; re, 0 man ein essigsaures Salz mit Schwefelsäure, so wird Essigsäure freigemacht, die Schwefelsäure ist daher eine stärkere Säure als die Essigsäure. Bringt man in derselben Flüssigkeit Baryumhydrat und Natriumhydrat, Schwefelsäure und Essigsäure zusammen 0 x ollte man demnach annehmen, daß die stärkste Basis sich mit der stärksten Säure, die schwächere Basis sich mit der dag) dl Säure vereinen würde; es verbindet sich jedoch die Schwefelsäure mit dem Baryumhydrat zu schwefelsaurem Baryum, die Aadeium. mit dem lfamnen Murnn zu essigsaurem Natrium, im schwefelsauren Baryum gehen die vorher im flüssigen Zustand vorhandenen Moleküle in den festen Zustand eines unlöslichen Salzes über und die Möglichkeit der Veränderung des Aggregatzustandes ist 0 das Bestimmende für die Überwindung der sonst herrschenden Anziehungskräfte.