FeedAgathökles
GeschichteBrockhaus 1882

Agathökles, einer der merkwürdigsten Abenteurer des Altertums, geb. 361 v. Chr., war der Sohn des Karkinos, der, aus Rhegium vertrieben, sich zu Thermä in Sicilien aufhielt. Dort erlernte A. das Töpferhandwerk. m J. 343 v. Chr. wandte sich Karkinos nach Syrakus, wo damals viele Tausende durch Timoleon angesiedelt wurden. Durch einen vornehmen und reichen Syrakusaner, Damas, aus der Dunkelheit hervorgezogen, zeichnete A., der eine große militärische Be-Lneten energischen Charakter, unbeugsame Wilenskraft und uuit aus Kühnheit besaß, sich im Heere der Republik aus und gewann eine bedeutende militärische Leie er d. 20 dem Tode des Damas (333) heiratete er dessen Witwe und wurde dadurch einer der reichsten Männer in Syrakus. Seit 320 aber, wo er mit den Führern der Aristokratie zerfallen war, wurde er wiederholt aus Syrakus vertrieben. Als er dann aber 317 doch die Strategie erlangt hatte, zog er die demokratische Partei an chuf sich aus Söldnern und Proletariern ein ihm völlig ergebenes Heer und richtete nun ein furchtbares Blutbad an, bei welchem, um vorgeblich die Stadt von ihren Bedrückern zu reinigen, über 4000 der angesehensten und begütertden Bürger gemordet und über 6000 verjagt wuren. Hierauf von einer Volksversammlung zum unbeschränkten Strategen ernannt, gelangte er in den Besitz der Tyrannis und eroberte nun den größten Teil Siciliens, geriet aber darüber (312) in Krieg mit den Karthagern. Als A. im Verlaufe desselben 311 bei Gela geschlagen und dann in Syrakus belagert wurde, 0 er den kühnen Entschluß, mit einem Teile des Heeres nach Afrika überzugehen. Nachdem ihm der Durchbruch der bludlich g. Flotte und die Landung in Afrika 310 glücklich gelungen, führte er hier vier 0, da hindurch, bis 307, den Krieg so erfolgreich, daß sich die Karthager zuletzt fast nur auf ihre Stadt beschränkt sahen. Eine feindliche Unternehmung der Agrigentiner gegen Syrakus veranlaßte A., nach Sicilien hinüberzufahren. Dort fand er zwar diese schon besiegt; aber ein alter Gegner, der aus Syrakus verbannte Deinokrates, trat ihm mit einer großen Himme Bot gegenüber, und nun kam auch noch schlimme Botschaft aus Afrika. Dasen zurückgekehrt, konnte auch er (306) den Rest eines Heeres nicht aus seiner verzweifelten Lage retten. In Sicilien dagegen, wo jetzt teils Agrigent, teils Deinokrates seine Macht erschüttert hatten, wußte er durch List und Grausamkeit die Herrschaft wieder vollständig 35 begründen, während er 305 unter erträglichen Bedingungen mit den Karthagern Frieden schloß. Schon 306 hatte er, nach dem Vorgange der Diadochen (s. d.), den Königstitel angenommen. Jetzt, wo er übrigens im sichern Besitze der Herrschaft sich entschieden milder zeigte, verwandte er seine Kräfte noch mehrfach zu Unternehmungen außerhalb Siciliens, zog einigemal gegen die Bruttier, nahm, in dritter Ehe mit Theodoxena, einer Stieftochter Ptolemäos' I. von Agypten, nit diesem vielleicht im geheimen Einverständnis mit diesem, 298 Kerkyra in Besitz, überfiel 295 Kroton und rüstete sich noch einmal gegen Kar10953 als er auf Anstiften seines Enkels Archagathos 289 vergiftet ward. A. hatte die Absicht, den Thron 0 einen letzten Sohn Agathokles zu vererben. Allein der genannte Archagathos empörte sich, tötete den Erben und vermochte den Mänon, einen Liebling des greisen Tyrannen, diesem einen vergifteten Zahnstocher zu n leh⸗ Von Schmerzen gepeinigt, ließ sich A. noch lebend auf den Scheiterhaufen bringen und verbrennen. Der Erbe seines Einflusses auf die Angelegenheiten Siciliens und Unteritaliens war sein Eidam Pyrrhus, König von Epirus. A. besaß alle Eigenaber en eines großen Feldherrn und Staatsmanns, aber entstellt durch eine vor nichts zurückschreckende Selbstsucht und furchtbare, gewissenlose Gewaltsamkeit; dabei leutselig und volkstümlich, übertraf er an persönlichem Mut und durchschlagender Kraft den ältern Dionysios sehr bedeutend. Seine Geschichte Jetgenaff außer seinem Bruder Antander, die Zeitgenossen Timäos und Kallias, der letztere schmeichlerisch, der erstere aber, schon nach dem Urteile des Polybius, mit entstellendem Haß. Vgl. Holm, «Geschichte Siciliens im Altertum v (Bd. 2, Lpz. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 207Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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