FeedAgathologie (grch.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Agathologie (grch.), wörtlich: die Lehre vom Guten, ist in der praktischen Philosophie oder Ethik der Teil, welcher vom «höchsten Gute handelt. Seitdem Sokrates diesen Begriff dahin bestimmt hatte, daß in demselben Tugend und Glückseligkeit zusammenfallen, und daß das höchste sittlich Gute auch zugleich das höchst Moment sei, wurde das Verhältnis dieser beiden Momente des Begriffs Gegenstand lebhafter Streitigkeiten unter den verschiedenen Schulen der griech. Philosophie, denen es in der nacharistotelischen Zeit mehr um die Lebensweisheit als um die Weltweisheit zu thun war. Jene sokratische Identität von Tugend und Glück wurde von den Epikuräern dahin gedeutet daß Tugend nur ein wohlberechnetes Streben nach Glück sei, während andererseits die Stoiker die Glückseligkeit 3. Diezer 6 in der Ausübung der Tugend suchten. Dieser Gegensatz zieht sich durch die gesamte A. auch der mittelalterlichen und der modernen Philosophie, so jedoch, daß die im Begriffe des höchsten Guts geforderte Verschmelzung des Guten und des Beglückenden auch in die mehr auf der stoischen Seite stehenden Ansichten den Eudämonismus (s. d.) einführt. Denn jener Be-Rl des höchsten Guts ist nichts als der logische lusdruck der psychol. Thatsache, daß wir alle von der Voraussetzung ausgehen, die Welt müsse so eingerichtet sein, daß, wer recht thut, schließlich doch irgendwie glücklich werde. Der Begriff des höchsten Guts ist die schärfste Konsequenz dessen, was man die Idee der sittlichen Weltordnung nennt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 208Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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