FeedAristippos
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Aristippos, griech. Philosoph, geb. um 430 v. Chr. . —1 in Afrika, ging, angezogen von dem Ruf es Sokrates nach Athen und wurde 2 Schüler. Die spekulative Philosophie und die Mathematik achtete er oes M richtete vielmehr nur auf die Bestimmung des Menschen und die Erreichung des höchsten Guts die Thätigkeit seines Forschens; in der Moral aber machte er einen durch Bildung veredelten Genuß zum Gegenstande des Strebens und faßte dabei des Sokrates Lehre einseitig, ja unrichtig auf, sodaß er mit diesem selbst häuftg darüber in Streit kam. Seine Hauptsätze waren: alle Empfindungen des Menschen lassen sich auf Vergnügen und Schmerz zurückführen; sie sind die einzigen Kriterien des Wahren und Falschen, des Guten und Bösen. Das Vergnügen ist eine sanfte, der Schmerz eine heftige Bewegung; alle lebendigen Wesen suchen das erstere und vermeiden das letztere. Die Glückseligkeit ist nichts anderes als ein fortdauerndes, aus einzelnen momentanen ene winie zusammengesetztes, dabei aber weder eine rüstige Thätigkeit noch ein besonnenes Maß ausschließendes Vergnügen, und da es das Ziel aller Art des Pe⸗ Bestrebungen ist, so soll man sich keiner Art des Vergnügens entziehen. Die Aufgabe des Weisen aber suchte er darin, durch seine Einsicht und geistige Bildung den Genuß so zu beherrschen, daß er nur als sanste Bewegung der Freude die Seele erfüllt und sie vor heftigen Gemütsbewegungen bewahrt. Der Sokratische Begriff des höchsten Guts, der Tugend und Glückseligkeit verbinden wollte, fiel bei den nächsten Schulen so auseinander, daß die einen, die Cyniker, die Tugend als höchsten Genuß betrachteten, die andern, die Cyrenaiker (nach dem Geburtsort des A. genannt), den weisen Genuß als die die ih ansahen, beiden aber gemeinsam war die Beziehung der philos. Betrachtung auf das Niedernane Wohl des einzelnen und damit eine den iedergang der griech. Kultur charakterisierende Gleichgültigkeit gegen das Staatsleben. A. machte mehrere Reisen nach Sicilien und fand dort bei Dionys die wohlwollendste Aufnahme. Es ist nicht mahshenh daß A., wie Diogenes Laertius erzählt, nach seiner Rückkehr zu Athen eine Schule eröffnet habe. Seine Lehre ward bloß von seiner Tochter Arete und von seinem Enkel A. dem Jüngern (Metrodidaktos) fortgepflanzt. Letzterer soll insbeondere das Vergnügen in der Sinnenanregung für as Errene Gut erklärt haben. Er und die folgenden Cyrenaiker bildeten diese Genußlehre aus und wurden daher auch Hedoniker genannt. A.s Schriften sind verloren gegangen. ieland hat A. zum Haupthelden seines histor.p ilos. Romans: «A. und einige seiner Zeitgenosseno gemacht. Vgl. Wendt, De philosophia cyrenaicas (Gött. 1842).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 892Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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