FeedAggregat (lat.)
NaturlehreBrockhaus 1882

Aggregat (lat.), d. i. An erst bezeichnet in der Mineralogie eine Masse, welche durch Verwachsung einer großen Anzahl mehr oder weniger ausgebildeter Krystalle zu einem zusammenhängenden Ganzen entstanden ist. — In der Physik bezeichnet Aggregationsform oder Aggregationszustand den durch die verschiedene Art des Zusammenhangs der kleinsten Teilchen (Moleküle oder Atome) bedingten Zustand der Körper. Man unterscheidet drei Hauptaggregationszustände, den festen, In Reren flüssigen und ausdehnsam flüssigen Aggregationszustand. Im festen Agregationszustande besitzen die Körper eine selbständi e Gestalt und ein selbständiges Volumen und ihre Teilchen haben eine starke Kohäsion (s. d.) Rrafte veuchr d. h. sie lassen sich nur durch größere räfte verschieben oder trennen; hierher gehören z. B. die Metalle, die Steine, die Hölzer, das Eis u. s. w. Im tropfbar flüssigen Aggregationszustande besitzen die Körper nur in kleinen Mengen die ch haben f Tropfengestalt, in größern Mengen jedoch haben sie keine selbständige Gestalt, bmucssie nehmen dann die Gestalt ihrer Aufbewahrungsgefäße an, wobei sie ihr selbständiges Volumen bewahren; ihre Teilchen sind sehr leicht verschiebbar, jedoch höchst schwierig einander zu nähern, weshalb man die tropfbaren Flüssigkeiten für theoretische Betrachtungen als unzusammendrückbar 9. ten lassen darf. Der Zusammenhang oder die Ko-Luen ürz d.) der Teilchen der tropfbaren Flüssigeiten ist nur sehr gering. Als Beispiele seien hier angeführt: Wasser, Weingeist Quecksilber, die verschiedenen Ole u. s. w. Im ausdehnsam flüssigen oder gasförmigen Aggregationszustande haben die Körper weder eine selbständige Gestalt, noch ein selbständiges Volumen, indem die Gase jeden ihnen gebotenen Raum ausfüllen. Die kleinsten Teilchen der Gase besitzen keine Kohäsionskräfte gegeneinander, sie stieben mit fortschreitender Bewegung von⸗ und auseinander, sodaß sie deshalb als ausdehnsam flüssi erscheinen und nur in geschlossenen Gefäßen si aufbewahren lassen. Als Beispiele der gasförmigen Körper seien hier angeführt: Atmosphärische Luft, Kohlensäure, Leuchtgas, die Dämpfe der verschiedenen Flüssigkeiten u. a. m. Viele Körper können, je nach Umständen, bald in dem einen, bald im andern Aggregationszustande auftreten. Ein Beispiel hierfür l das Wasser, welches fest als Eis, flüssig als Wasser und gasförmig als Wasserdampf erscheint. Schon aus diesem Beispiele ist ersichtlich, daß man einen Körper durch Temperaturveränderung aus einem Aggregationszustande in den andern überführen kann, und zwar durch Temperaturerhöhung aus dem festen in den flüssigen und aus diesem in den gasförmigen; dagegen umgekehrt durch Temperaturerniedrigung aus dem gasförmien in den flüssigen und aus diesem in den festen. m erstern Falle, beim Schmelzen und Verdampfen, verbrauchen die Körper viel Wärme, die sog. latente Wärme (s. d.). Im entgegengesetzten Falle, beim Tropfbarwerden und Erstarren, wird ebenso viel Wärme wieder erzeugt, als beim Schmelzen und Verdampfen verbraucht worden ist. Außer durc Temperaturveränderung kann man auch oft durch Veränderung des äußern mechan. Drucks eine Veränderung des Aggregationszustandes bewirken. So verwandeln sich (nach den neuesten Versuchen) alle Gase durch genügend starken Druck und sehr tiefe Erkaltung in tropfbare Flüssigkeiten. (S. Gefrieren, Schmelzen, Verdunstung, Siedepunkt.) Boutigny hat (1842) einen vierten Aggregationszustand, nämlich den sphäroidalen, angenommen; er begreift darunter alle Erscheinungen, in welchen die Flüssigkeiten eine sphäroidale Gestalt gewinnen, z. B. wenn sie in mäßiger 36.2 auf stark erhitzte Unterlagen gebracht werden (s. eidenfrostscher Versuch). Vgl. Boutigny, „Studien über die Körper im sphäroidalen Zustander, übersetzt von Arendt (Opz. 1858). In neuester Zeit hat Crookes eine Hypothese über einen vierten Aggregationszustand der Materie aufgestellt (vgl. Crookes, «Strahlende Materie oder der vierte Aggregatzustand », deutsch von Gretschel, Lpz. 1879; Gintl, «Studien über Crookes strahlende Materie und die mechan. Theorie der Elektrizität v, Prag 1880). Nach dieser Hypothese soll sich in den höchst verdünnten Räumen der Geißlerschen Röhren am negativen Pole (Kathode) ein Ultragaszustand bilden, in welchem die Moleküle sehr große Strecken geradlinig (strahlend) mit großer Geschwindigkeit beschreiben. Die Stöße, welche die Molekülstrahlen dem Glase versetzen, sollen dasselbe direkt oder indirekt zum erregen. Bisher ist die Annahme eines vierten Aggregationszustandes wegen der unzureichenden Gründe nicht durchgedrungen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 214Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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