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ErdkundeBrockhaus 1882

Aix (spr. Ahks) oder Aix-en-Provence, alte, berühmte Stadt in Frankreich, Hauptstadt der ehemaligen Provence, jetzt des gleichnamigen Arrondissements im Depart. Rhönemündungen, in Don und n Ebene, an einem Seitenarme des Veron und an der franz. Mittelmeerbahn mit (1876) 23407 (Gemeinde 28 693) E., ward 123 v. Chr. durch den röm. Prokonsul Cajus Sextius Calvinus angelegt und wegen der dortigen Mineralquelle Aquae Sextiae, später Colonia Julia Aquensis Augusta genannt. Die Stadt ist Sitz des Erzbischofs von Arles und Embrun, eines Gewerpe. eines Civil- und Handelstribunals, einer Gewerbekammer und hat eine theol., eine jurist. und eine philos. Fakultät, eine Akademie der Wissenschaften Han 1100), ein Lyceum, eine Bibliothek (100000 ände und 1100 Handschriften), eine Schule für Künste und Gewerbe u. s. w. Das Altertumsmuseum enthält die zu Entremont aufgefundenen ältesten gall. Basreliefs; das Museum von Bourguignon de Fabregoules umfaßt 1000 Nummern; ein naturwissens 2%% Museum befindet sich im Hötel-de-Ville. Das Musée Granet, 8. Dez. 1861 eröffnet, enthält nur Gemälde dieses hier geborenen Malers. Die vorzüglichsten Bauwerke der Stadt sind: die alte Kathedrale; die got. St. Johanniskirche von 1231 mit den 1828 wiederhergestellten Gräbern der alast, von Provence; der 1831 vollendete Vitifpaleh., das Stadthaus, der Uhrturm bei den Quellen des Marktes, mit einer merkwürdigen Mechanik. Die Stadt hat mehrere sehr große und schöne Plätze, Wteeaenn. Promenade (Cours Sextius, früher Orbitelle genannt) mit der Marmorstatue des Königs René und vier (warme) Fontänen. In A. soll nach der Legende die heil. Maria Magdalena ihre spätern Tage verlebt haben. Bedeutung erlangte die Stadt im Mittelalter als Hoflager der Grafen von Provence. Hier herrschte feine Geistesbildung; hier war der Sammelplatz der Troubadours. König Ludwig XII. errichtete 1501 in A. ein Parlament, das bis zur Revolution bestand. Die Stadt ist Geburtsort der Botaniker Tournefort und Adanson, des Historikers Mignet, des Seefahrers d'Entrecasteaux u. s. w. In Bezug auf Industrie ist A. der Mittelpunkt für die Bereitung des Provenceröls. Außerdem bestehen Kattundruckereien, Olpressen, Hutfabriken (2000 Arbeiter), Fabrikation von Mehlwaren, Handel mit Ol, Wein, Getreide, Mehl, Vieh, Salz, Wolle, Mandeln, Konfitüren u. s. w. Die Thermalquellen von A., mit einer Temperatur von 35² C., sind klar und durchsichtig wie das reinste Quellwasser, fast geruchlos, jedoch mit einem etwas bitterlichen Geschmack. Sie haben den Ruf, die Schönheit der Haut zu erhalten und werden deshalb besonders von Frauen besucht. Auf der Ebene zwischen A. und Arles breitet sich das Schlachtfeld aus, wo Marius 102 v. Chr. die Teutonen und Ambronen besiegte. Die Umgebungen bieten mannigfaltiges Interesse: im N. liegt der Hügel von Entremont und das zerstörte Shene (SCs im W. die letzten druidischen Eichen des Lucus Nigrinus, im S. die Bastide des Königs Rene; namentlich lohnend ist der Besuch des 13 kmeentfernten Schlosses Vauvenargues und des Bergs St.⸗Victoire.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 282Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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