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GeschichteBrockhaus 1882

Alba (Ferd. Alvarez von Toledo, Herzog von)/ span. Staatsmann und General, geb. 1508, aus einem der vornehmsten Holeher Castiliens. Nachdem sein Vater gegen die Mauren gefallen war, wurde er von seinem Großvater, Friedrich von Toledo, erzogen. Sein Charakter, die Verbindung eiserner Strenge mit der glühenden Leidie duth des für die Monarchie seines Königs und die kath. Religion eifernden Castilianers, machte ihn bald zum 3Schon im und berühmtesten General Europas. Schon im 16. Jahre kämpfte er gegen die Franzosen und dann auf allen Kampffeldern Kaiser Karls V., in Frankreich, Italien, scen Ungarn und Deutschland. In der deutschen Geschichte ist sein Name am festesten mit dem Schlachttage von Mühlberg (1547) verknüpft. Der entschlossene Angriff, den er mit der Reiterei auf die fliehenden Sachsen machte, entschied den Sieg. Unglücklicher war er im Kriege um Metz 1552, mit Erfolg aber kommandierte er wieder 1557 gegen die Truppen Papst Pauls IV., den sein Sieg in den Abruzzen zum ateniin der franz. Freundschaft und zum Wiedereinlenken in die span. Politik zwang. Eine unauslöschliche und die blutigste Erinnerung schuf sich A. durch seine Statthalterschaft in den Niederlanden (1567— 73). Als er mit einem kleinen, doch auserlesenen Heere aus Spanien in das Land kam, um die kath. Religion und die Monarchie König Philipps II. dauernd zu sichern, war die Revolution, die mit dem Kompromiß von Breda 1566 begonnen hatte und in dem Bildersturm 1567 zügellos geworden war, schon wieder im entschiedenen Erlöschen. A.s Tyrannei erst hat sie wieder angefacht, sie hat Spanien Ströme Goldes und Blutes und dennoch den Verlust seiner reichsten Provinzen gekostet. A. kam mit der Instruktion Philipps, 19 der angesehensten Männer zu versichern, sie am Leben zu strafen, ihre Güter zum Besten der Staatskasse zu konfiszieren, die kath. Religion in Strenge zu erhalten. Der Tod Oraniens, Egmonds, Hoorns u. a. war beschlossene Sache. Doch gelang es A., von den drei Häuptern nur Egmond und Hoorn in die Falle zu locken und 9. Sept. 1567 verhaften zu lassen. Der „(Rat der Unruhen v, vom Volke «Blutrato genannt, war der Gerichtshof, der über die Erhaltung der span. Staatsform wachen sollte; und unter dem Präsidium des cynisch-rohen Vargas rechtfertigte derselbe jenen Beinamen in furchtbarer Weise. An 1800 Menschen sind von ihm in drei Monaten auf das Schafott geliefert; wer zum Verhör gezogen wurde, war auch schon gerichtet; der geringste Verdacht, wohl schon die Verleumdung eines Feindes reichte dazu hin; und ein milderes Urteil als Tod und Konfiskation der Güter gab es nicht. Auch die Oranier, Wilhelm und Ludwig, die dleic anfangs ins Ausland geflüchtet, waren vorgeladen, aber nicht erschienen. Vielmehr begannen sie im Frühjahre 1568 von Deutschland aus den Krieg. Zunächst freilich verschlimmerten sie nur den schrecklichen Zustand ihres Landes. Der Erfolg Ludwigs bei Heiligen-Lee (April 1568) bewog A. zur Hinrichtung Egmonds, Hoorns und anderer Großen (im Juni) und ward von ihm wieder aufgewogen durch zwei Siege über Ludwig und die sehr geschickten Operationen gegen Wilhelm, den er mit geringen eigenen Verlusten völlig zum Lande hinausmanövrierte (Okt. 1568). Darauf begann die Blutarbeit im Lande von neuem; die Hinrichtungen stiegen allmählich in die Tausende, die Konfiskationen bis auf 30 Mill. Thlr., Handel und Verkehr stockten, Hunderttausende zogen in die Fremde. Dazu dann die Steuerschrauben A.s: im 22 5 1569 mußten die Stände zu Brüssel drei Dekrete bewilligen, wonach 1 Proz. von allem beweglichen und unbeweglichen Vermögen, 5 Proz. bei jedem Verkauf von Grundeigentum, 10 Proz. von jeder verkauften Ware zu entrichten waren (der sog. 100., 20. und 10. Pfennig), Gesetze, welche allen Verkehr vernichten mußten. Die Katastrophe konnte nicht ausbleiben. Es war vergeblich, daß 4. Juli 1570 eine Art Generalpardon verkündigt wurde, bei dem doch alle Edikte aufrecht blieben: als 31. Juli 1571 die Erhebung des 20. und 10. Pfennigs wirklich versucht wurde, schlossen sich alle Läden; kein Kauf und Verkauf mehr, alle Arbeit und Verkehr standen still. Und in diese Gewitterschwüle, die über dem unglücklichen Lande sich lagerte, fuhr nun wie ein Blitz lötzlich die Nachricht hinein, daß Briel von den assergeusen genommen sei (1. April 1572). Das war der Beginn der Katastrophe. Seeland und Holland fielen ab, Ludwig und Wilhelm erschienen im Lande. Im Felde blieb A. freilich auch jetzt noch Meister, aber nach einem Jahre neuer Blutarbeit und fruchtloser Siege schwand ihm selbst die Hoffnung, zum Ziele zu kommen; er nahm seinen Abschied (18. Dez. 1573) und kehrte nach Spanien zurück. Hier leistete er seinem König noch einen großen Dienst durch die Eroberung Portugals (1580). Sonst aber hat er in diesen letzten Hasen das Vertrauen seines Herrn nicht mehr besessen. Denn er war keineswegs der willenlose Sklave eines despotischen Herrn; vielmehr auch einem Ausehen gegenüber der Aristokrat, der Macht und nsehen für sich in Anspruch nahm. Als man früher einmal vor dem König über die Möglichkeit, Portugal zu erobern, gesprochen, hatte er das Wort gewagt: «Wohin sollen dann unsere Kinder vor einem Könige flüchten?» Er hatte aber, sagt Ranke, den aristokratischen Hang, den Despotismus ausüben zu helfen, nur daß er ihn nicht selber erführe. Seinen letzten Triumph hat er nicht mehr lange überlebt: schon 12. Jan. 1582 starb er zu Thomar. Vgl. Ranke, „Die Osmanen und die span. Monarchie im 16. und 17. Jahrh.» (Gesammelte Werkey, Bd. 35 u. 36, Lpz. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 325Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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