FeedAlbrecht I.
GeschichteBrockhaus 1882

Albrecht I., Herzog von Ssterreich, deutscher König 1298—1308, geb. um 1250, war der älteste Sohn König Rudolfs I. von Habsburg, der ihn und seine Erben 1282 mit Ssterreich und Steiermark belehnte und kurz vor seinem Tode den Versuch machte, ihm auch die deutsche Krone zuzuwenden. Allein die Kurfürsten verweigerten ihre Zustimmung. Nach dem Tode des Vaters wurde durch einen Angriff des Königs von Ungarn, dann dur einen Aufstand des Adels der Steiermark in Anspruch genommen. Seine Entzweiung mit dem Könige von Böhmen, vorzüglich aber Eigennutz und die Besorgnis vor einem wirklich starken Königtum, bewogen die Kurfürsten, trotz früherer Zusagen, anstatt seiner Adolf von Nassau (s. d.) zu erwählen. Unruhen, die gegen ihn in der Schweiz ausgebrochen waren, und die noch hn zur Rachg Kämpfe in Steiermark bestimmten ihn zur Nachgiebigkeit; er lieferte die Reichsinsignien aus und leistete dem neuen Könige den Lehnseid. Eine schwere Erkrankung 1295, die ihm ein Auge kostete, bewog den Erzbischof von Salzburg, auf die falsche Nachricht von seinem Tode in sein Land einzufallen, forderte auch der Adel in Österreich größere Rechte forderte. Doch gelang es A., sich zu behaupten und eine so ansehnliche Machtstellung zu gewinnen, daß die Fürsten, als es sich ihnen 1298 um die Absetzung Adolfs und die Aufstellung eines andern Königs handelte, nur ihn wählen konnten. Im Gefechte bei Göllheim, westlich von Worms, derlor Adolf gegen ihn Sieg und Leben (2. Juni 1298). A. unterwarf sich jetzt einer Neuwahl, deren Erfolg nicht an Nach aft sein konnte, und wurde im Aug. 1298 bsicht hervor, diej Krone vom Belieben der wählenden Ben w unabhängig zu machen. Er nahm in Meißen und Thüringen die Ansprüche seines Vorgängers auf und bemühte sich, die Nachfolge im Reiche einem Sohne zu sichern, während er zugleich die Ausführung der den Kurfürsten früher gemachten außt dent Kun umging. Diese wendeten sich, da A. mit dem König Philipp dem Schönen von Frankreich verbündet und verschwägert war, an dessen Feind, den Papst Bonifacius VIII., und dieser lud, weil die Kurfürsten nicht das Recht der Wahl gehabt hätten, 1301 A. vor sich, um Vergebung zu erbitten und die Buße zu thun, die er ihm auferlegen würde; den dendichen Fürsten aber verbot er, A. als König anzuerkennen und entband sie ihres Eides. Indessen A. blieb Sieger; die rhein. Kurfürsten wurden mit Hilfe der Reichsstädte zur Unterwerfung gezwungen, während der Papst gegen die von A. angebotene Verzichtleistung auf kaiserl. Rechte in Italien sich zur Anerkennung A.s bequemte. Und nun gelang es A. auch in Böhmen, als dort mit Wenzel III. die Przemysliden ausstarben, seinen Sohn Rudolf zum König wählen zu lassen (1306). Da aber verließ ihn das Glück. Dieser Sohn starb 1307, in Böhmen erhielt eine Gegenpartei die Oberhand, in Thüringen erlitt sein Heer durch den Markgrafen Friedrich 1307 eine große Niederlage bei Lucka unweit Altenburg, und als A. nun in den schwäb. Hausbesitzungen große Rüstungen machte, ereilte ihn der Tod. Bei ihm war sein Bruders uhr Johann, der in dem Anspruche auf das ihm gebührende Erbe von A. benachteiligt zu sein behauptete und die Auslieferung desselben vergeblich forderte. Da verschwor sich Johann mit Walter von Eschenbach, Rudolf von der Wart, Rudolf von der Balm und Konrad von Tegernfeld gegen A.s Leben. Als A. 1. Mai 1308 auf einem Ritt nach Rheinfelden durch die Reuß von 111. übrigen Gefolge getrennt war, benutzten die erschworenen den Augenblick, und Johann selbst führte den ersten Hieb. (S. Johannes Parricida.) Seine Leiche wurde zunächst im Kloster Rosenthal, dann aber nebst der Adolfs von Nassau durch Heinrich VII. in der Kaisergruft zu Speier heigesetzt. Daß seine Tochter Agnes (s. d.) die Anstifterin der an den Mördern und deren Angehörigen geübten Blutrache gewesen sein soll, ist unbe-Heich zn Vgl. L. Schmid, Der Kampf um das Reich zwischen Adolf von Nassau und A. von Osterreich (Tüb. 1858); Kopp, König A. und seine Zeito in 4Geschichte der eidgenössischen Bünde » (3. Bd., Abteil. 2, Berl. 1862); Mücke, «A. I., Herzog von ö osterreich⸗ (Gotha 1866); Preger, «A. von Osterreich und Adolf von Nassaup (2. Aufl., Lpz. 1869). Albrecht II., deutscher König, als Herzog von Osterreich (seit w1404) A. V., Sohn Albrechts IV., geb. 10. Aug. 1397. Er war egeh katholisch und ein grausamer Verfolger der Ketzer und Juden. Von Jugend an stand er in engster Verbindung mit Kaiser Sigismund, der ihn schon 1411 mit seiner Tochter Elisabeth verlobte (1422 vermählt), dem er wiederholt gegen die Hussiten half und 1437 in Böhmen, 1438 in Ungarn 18. M Wahl nachfolgte. In Frankfurt wurde er 18. März 1438 zum röm. König erwählt. Zur Krönung ist er jedoch nicht gelangt und auch an den Reichstagen von 1438 und 1439, auf welchen sein Kanzler Kaspar Schlick Entwürfe für Landfrieden u. s. w. vorlegte und sich mit den Kurfürsten über das Verhalten zum Baseler Konzil und zum Schisma verständigte, hat A, wegen der Wirren in Ungarn und Böhmen nicht teilnehmen können. Im letztern Lande stellte man den 13jährigen Kasimir, Bruder des Königs Wladislaw von Polen als Gegenkönig auf, und A. kam darüber in einen Krieg mit Polen, der noch nicht beendigt, sondern nur durch einen Stillstand unterbrochen war, als A. nach Ungarn egen die Türken ziehen mußte. Aber eine Seuche öste sein Heer auf; er selbst erkrankte und starb auf der Rückreise 27. Okt. 1439 zu Langendorf zwischen Gran und Wien. In Deutschland, wo mit ihm die nur einmal unterbrochene Reihenfolge der habsburg. Kaiser bis 1806 beginnt, hatte man viel von seiner persönlichen Tüchtigkeit erwartet. Erst nach seinem Tode gebar seine Gemahlin den Sohn Ladislaus (Posthumus), den spätern König von Ungarn und Böhmen. Vgl. Kurz, „Osterreich unter König A. II. v (2 Tle., Wien 1835).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 343Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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