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GeschichteBrockhaus 1882

Ad ooulos, vor Augen; a. o. demonstrieren, etwas so deutlich erklären, daß man es gleichsam mit den Augen sehen kann. Adolf von Nassau, deutscher König von 1292 —98, geb. zwischen 1250 und 1255, war der Sohn des Grafen Walram II. von Nassau. Ohne eigene Macht, wenn auch aus einer erlauchten Familie und von erprobter Tapferkeit, hatte er kein anderes Erbteil als sein Schwert. A. verdankte seine Wahl teils dem anmaßenden Betragen Albrechts von Ssterreich, teils den eigennützigen Absichten der Kurfürsten, welche das Haus Habsburg nicht zu mächtig werden, überhaupt gar kein starkes Königtum aufkommen lassen wollten. Der Erzbischof von Mainz hatte A.s Wahl von Anfang an befördert; dem von Köln gelang es dann auch, die übrigen Kurfürsten für ihn zu gewinnen, nachdem A. sich ihm durch unerfüllbare und unwürdige Zusagen verpflichtet hatte. So wurde A. 5. Mai 1292 einstimmig gewählt. Da aber A. als König nicht erfüllen wollte und konnte, was er als Graf versprochen, 100 er sich bald von seinen Freunden verlassen und gehaßt, während er umgekehrt nach Mitteln suchte, um aus der Abhängigkeit von ihnen loszukommen. Aus Geldmangel nahm er von Eduard J. von England 100000 Pfd. St. an und versprach dafür, diesem gegen Philipp den Schönen beizuen, sah es aber nicht ungern, als ihm der Papst die Teilnahme an dem Kriege untersagte. Setzte er sich dadurch in den Augen der deutschen Fürsten herab, so erregte er sie noch mehr, als er Meißen und Osterland wie eröffnete Lehen einziehen wollte, und als er, um sich eine eigene Hausmacht zu gründen, wie das den Habsburgern gelungen war, 1293, des Landgrafen Albrecht des Unartigen Haß gegen dessen Söhne benutzend, von diesem Thüringen kaufte und mit bewaffneter Hand sich in den Besitz dieses Landes zu setzen versuchte, was ihm jedoch nie ganz gelang. Wegen dieses Kaufs zum Nachteil rechter Erben, sowie auf Betrieb Albrechts von Osterreich und des dem Könige feindlich gewordenen Oovishefz Gerhard von Mainz wurde A. endlich vor das Kurfürstenkollegium geladen. Da er aber nicht erschien, ward am 23. Juni 1298 seine Absetzung ausgesprochen und am selbigen Tage in Albrecht Lam Weise Albrecht von Esterreich (s. Albrecht J.) zum König proklamiert. Bereits war es zwischen A. und Albrecht zum Kriege gekommen. A. schien durch den Anhang der Städte das Übergewicht zu gewinnen; nach längerm nutzlosen Umherziehen stellte er sich zwischen Göllheim und Rosenthal, westl. von Worms, dem überlegenen Gegner und fiel nach heldenmütiger Gegenwehr 2. Juli 1298; daß Albrecht selbst ihn erlegt habe, scheint nicht begründet zu sein. Seine Leiche ward später von Kaiser Heinrich VII. in der kaiserl. Gruft zu Speier, zugleich mit Albrechts Leichnam, beigesetzt. Vgl. L. Schmid, «Der Kampf um das Reich zwischen dem röm. König A. von Nassau und Herzog Albrecht von Österreich (Tüb. 1858); Kopp, «König A. und seine Zeite (Berl. 1862, 1. Abteil. des 3. Bandes von dessen Werk Geschichte der eidgenössischen Bünder); Lorenz, «Deutsche Geschichte im 13. und 14. Jahrh.v (2. Bd., 2. Abteil., Wien 1867); Preger, Albrecht von Gsterreich und A. von Nassaup (2. Aufl., Lpz. 1869); L. Schmid, „Die Wahl des Grafen A. von Nassau zum röm. Königo (Wiesb. 1871); Roth, (Geschichte des röm. Königs A. von Nassauv (Wiesb. 1879). „Adolf I., Erzbischof von Köln 1194—1205, ein Graf von Altena, aus dem Hause der Grafen von Berg, welche während des 12. Jahrh. Köln fünf Erzbischöfe gaben, war vielfach an der unheilvollen Wendung beteiligt, welche damals die innern Verhältnisse Deutschlands nahmen, nfolne iun dadurch, daß die regelmäßige Thronfolge im staufischen Hause unterbrochen wurde. A. half die von Heinrich VI. geplante Erblichkeit der Krone verhindern; er war nach dem Tode dieses Kaisers die Fredrich 1 e, daß die Nachfolge seines Sohnes riedrich II. auf Widerstand stieß und daß gegen dessen Oheim Philipp von Schwaben, auf welchen sich die staufische Partei vereinigt hatte, 9. Juni 1198 zu Köln Otto IV. von Braunschweig zum Gegenkönig aufgestellt wurde; A. hat endlich dem Papste Innocenz III. die Anerkennung Ottos empfohlen und so wenigstens mittelbar den päpstlichen Einfluß auf die deutschen Königswahlen begründet, sodaß fortan der Gewählte genötigt war, seine Anerkennung seitens der Kirche durch allerlei Zugeständnisse und Preisgabe wichtiger Hoheitsrechte zu erkaufen. Englisches Geld und die Handelsbeaben übrigens A.s Verhalten wesentlich bestimmt. da aber Otto IV. seine Anhänger nicht gegen Philipp zu schützen vermochte, ließ A. 1204 den von ihm gewählten und gekrönten König wieder im Stich, trat zu Philipp über und krönte nun auch diesen zu Aachen 6. Jan. 1205. Deshalb ließ mit Pönn ihn absetzen und, obwohl auch er zuletzt mit Philipp Frieden machen mußte, verzieh er A.s Abfall doch nicht. Mit Philipps Ermordung und der allgemeinen Unterwerfung unter Otto IV. 1208 war A.s Sache vollends verloren. Wohl wurde er später, als auch Otto mit dem Papste zerfiel, von dem damaligen Legaten in Deutschland, dem Erzbis 1 Sigfried von Mainz, 1211 wieder als Erzbischof von Köln anerkannt, aber Innocenz hob diese Verfügung auf. A. starb 15. April 1220; seine Stelle war wenigstens einem Neffen, dem roßen Engelbert (s. d.), zuteil geworden, der Mühe atte, die durch A.s Fehden mit den Gegenbischöfen dem kölnischen Er bistume erwachsenen Schulden zu tilgen und die Unterthanen wieder an Ordnung zu gewöhnen. Vgl. Winkelmann, 4Philipp von Schwaben und Otto IV.» (2 Bde., Lpz. 1873—78).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 156Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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