FeedAlembert ent le Rond d)
HeilkundeBrockhaus 1882

Alembert ent le Rond d), einer der hervorragendsten Mathematiker und Philosophen des 18. Jahrh., eins der Häupter der sog. Encyklopädisten, geb. zu Paris 16. Nov. 1717, war ein natürliches Kind der schönen und geistreichen Frau von Tencin und des Ingenieuroffiziers Destouches, des Bruders des bekannten Dichters. Das Kind, von den Eltern ausgesetzt, schien so schwach, daß es der Polizeikommissar, der es 1 der nicht in das Findelhaus schickte, sondern der Sorgfalt einer armen Glaserfrau übergab. Vier Jahre alt, kam A. in eine Erziehungsanstalt, in der er bis in sein zwölftes Jahr verblieb. Er zeigte viel Talent und erregte, in das Collége Mazarin athematirAuff besonders durch seine Anlagen zur Mathematik Aufsehen. Nachdem er die Rechtswissenschaft studiert, auch Advokat geworden, dann sich der Medizin gewidmet hatte, zog er durch zwei mathem.⸗physik. Arbeiten zuerst die Aufmerksamkeit auf sich. Die von ihm der Akademie der Wissenschaften 1739 und 1740 überreichten beiden Abhandlungen über die Bewegung fester Körper in einer Flüssigkeit und über die Integralrechnung erschienen derselben so bedeutend, daß sie 1741 A. zum Mitgliede erwählte. Hierauf schrieb er den (Traité de dynamique (Par. 1743; beste Ausg. Par. 1759) und den «Traité de I'équilibre et du mouvement des fluideso (Par. 1744). Durch seine „Réflexions sur la cause générale des ventso (Par. 1744 und 1747) gewann er den von der Akademie in Berlin ausgesetzten Preis und die Mitgliedschaft derselben. Unter den übrigen Denkschriften, welche er dieser Akademie übergab, zeichnen sich die beiden über die reine Analysis (1746 und 1749) und die über die Schwingungen der Saiten (1748) aus. A. nahm auch teil an den Untersuchungen, welche Newtons En'deckungen über die Bewegung der Himmelskörper vervollständigten. Bereits 1747 übergab er der Akademie der Wissenschaften eine Auflösung des Problems, welche Störungen die gegenseitigen Anziehungen der Planeten in ihrer elliptischen Bewegung um die Sonne verursachen, und wie diese Bewegung beschaffen sein würde, wenn sie nur ihrer Schwere gegen dieses Gestirn folgten; auch schrieb er viele andere Abhandlungen astron. und physik. ichen z. B. über das Vorrücken der Nachtgleichen (deutsch von Seuffert unter dem Titel: «Untersuchungen über die Präzession der Nachtgleiche und die Nutation der Erdachse nach Newtons System v, Nürnb. 1857), ferner über den Widerstand flüssiger Körper u. s. w., die sich in seinen KOpuscules mathématiquesp (8 Bde., Par. 1761—80) gesammelt finden. Schöpferkraft, umfaßte A. die Genne Wissenschaften. Mit Diderot und andern Geistesgenossen unternahm er die Herausgabe der Encyclopédies, welche sich die Aufgabe gestellt hatte, die ganze Summe der vorhandenen Kenntnisse zusammenzufassen und Baun n den verschiedenen Wissenschaften eine neue Bahn zu brechen. Er selbst verfaßte in diesem großen Werke den mathem. Teil und die Einleitung, welche eine auf der Erkenntnislehre Bacons und Lockes rn Systematik der Wisschaftli ist und welche stets ein Muster wissenchaftlicher Darstellung bleiben wird. A. ward durch die Beteiligung an der Encyklopädier, welche der Sammelplatz der gesamten freigeistigen Oppositionslitteratur wurde, in mannigfache Händel und Verfolgungen verwickelt, die ihn, der an Kampfesmut weit hinter Diderot zurückstand, mit den Jahren immer vorsichtiger, oft sogar doppelzüngig machten. Die Lebensbeschreibungen der verstorbenen Akademiker (Elogeso), von ihm als dem ständigen Sekretär der Akademie verfaßt, leiden sehr bedenklich unter solchen Zugeständnissen. Trotzdem folgte er weder den Einladungen Friedrichs II., sich in Berlin niederzulassen, noch den Anerbietungen der Kaiserin Katharina, die ihm die Tichensihres Sohnes antrug. A. war einer der liebenswürdigsten Menschen, edel, leidenschaftslos, dankbar, wohlthätig. Auch seine Liebe zu Mademoiselle l'Espinasse (s. d.) war in einer sittenlosen Zeit eine durchaus reine. Länger als 40 Jahre lebte er höchst einfach bei seiner Pflegemutter, und er verließ die Wohnung derselben nur, als seine Gesundheit ihn dazu nötigte. Er starb an einem Steinleiden, dessen Operation er sich nicht unterwerfen wollte, 29. Okt. 1783. Condorcet hat ihm in seinem Eloge de d'A.v (Par. 1784) ein schönes Denkmal gesetzt. Eine vollständige Sammlung seiner mathem. Werke ist nicht erschienen. Dagegen sind seine vermischten Schriften zusammengestellt in den «Oeuvres philosophiques, historiques et littéraireso, die Bastien (18 Bde., Par. 1805) herausgegeben. Vollständiger als diese ist die auch den Briefwechsel A.s mit Voltaire und Friedrich d. Gr. enthaltende Ausgabe von Didot (5 Bde., Par. 1821) sowie die von Condorcet (4A. Sa vie, ses œuvres, sa philosophiep, Par. 1852).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 370Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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