FeedAnquetil (Louis Pierre)
ReligionBrockhaus 1882

Anquetil (Louis Pierre), franz. Historiker, geb. zu Paris 21. Jan. 1723, erhielt seine wissenschaftliche Bildung auf dem Collége Mazarin und trat 17 J. alt in die Kongregation von Ste.⸗Genevisve. — Reims, wo er die Stelle eines Direktors des eminars bekleidete, begann er die Geschichte dieser Stadt zu schreiben; s ein sorgfältig gearbeitetes Werk (3 Bde., 1756—57) reicht indes nur bis 1657. Im J. 1757 wurde A. zum Prior an der Abtei Ros in Anjou ernannt und in der Folge Direktor des College von Senlis; hier verfaßte er das Werk Esprit de la Liguer (3 Bde., Par. 1767; zuletzt 4 Bde., Par. 1823). Während der Schreckenszeit der Revolution in St.⸗Lazare eingeschlossen, schrieb er einen Précis de Phistoire universelle „ (9 Bde., Par. 1797; 12 Bde., 1834). Bei Gründung des Instituts ward A. zum Mitgliede der zweiten Klasse ernannt und bald darauf im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten angestellt. In dieser Stellung veraßte er Motifs des guerres et des traités de paix de la Frances (Par. 1797). Sein Werk (Louis XIV, sa cour et le régente (4 Bde., Par. 1789; 2. Aufl., 2 Bde., 1819) ist eine weitschweifige, zum Teil interessante Anekdotenlese. Von allen seinen Schriften hat die Histoire de Francen (14 Bde., Par. 1805, zuletzt bis 1862 von Bouillet fortgesetzt, 6 Bde., Par. 1862) die meiste Verbreitung gefunden. Doch erhebt er sich in diesem wie in fast allen seinen Werken wenig über eine chronikartige Erzählung der Vorgänge. A. starb 6. Sept. 1806 zu Paris.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 690Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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