Alfons X., genannt der Astronom, der Philosoph oder der Weise (el Sabio), König von Leon und Castilien, geb. 1221, folgte seinem Vater Ferdinand III. 1252 auf dem Throne. Schon früh hatte er, namentlich bei der Eroberung von Sevilla 1248, Beweise seines Mutes gegeben. Um sich 1257 von ital. Städten und einigen deutschen Fürsten zum deutschen Kaiser erwählen zu lassen, verschwendete er die Mittel seines Landes. Allein seine Bemühungen waren vergeblich, auch Papst Gregor X. weigerte sich ebenso sehr, ihm die Kaiserkrone als das Herzogtum Schwaben zuzuerkennen, auf das er durch seine Mutter Beatrix, eine Tochter Philipps von Schwaben, Ansprüche hatte. Bald nachher sah er sich gleichzeitig von den heimlichen Anschlägen der Großen und den Waffen der Mauren bedroht. Letztere schlug er 1263, entriß ihnen Xeres, Medina-Sidonia, San-Lucar und einen Teil Algarbiens und vereinigte Murcia mit Castilien. Dem Aufstande im Innern seines Reichs, an dessen Spitze 1271 sein eigener Sohn Sancho sich stellte, vermochte er erst nach mehrjährigem Bürgerkriege ein Ende zu machen. Später empörte sich Sancho aufs neue und raubte ihm 1282 die Krone. Hilfe bei den Mauren suchend, starb er, nach vergeblichen Anstrengungen zur Wiedererlangung des Throns, zu Sevilla 4. April 1284. A. war der unterrichtetste Fürst seines Jahrhunderts. Bleibenden Ruhm erwarb er sich durch Vollendung der von Ferdinand III. begonnenen Gesetzsammlung Leyes de las partidaso, welche 1501 als allgemeines Landrecht bestätigt ward. Er verordnete auch, daß bei allen öffentlichen Angelegenheiten des Landes Berater zugezogen werden sollten. Von ihm sind noch mehrere größere Gedichte, ein chem. und ein philos. Werk vorhanden, auch legt man ihm eine Kirchengeschichte und eine Geschichte der Kreuzzüge bei. Er ließ die erste allgemeine Geschichte Spaniens abfassen und von jüd. Gelehrten die Bibel ins Spanische übersetzen. Viel trug er zur Wiederbelebung der Wissenschaften bei und vermehrte zu dem Zwecke auch die Gerechtsame und Lehrstellen der Universität zu Salamanca. Die Ptolemäischen Planetentafeln, deren Abweichung von den Beobachtungen man schon seit längerer Zeit erkannte, suchte er zu verbessern, für welchen Zweck er 1248 über 50 der berühmtesten Astronomen seiner Zeit nach Toledo berief. Diese Tafeln, noch jetzt als Alfonsinische Tafeln bekannt, wurden 1252 vollendet und kosteten die für jene Zeit unerhörte Summe von 40 000 Dukaten. Die „Opusculos legaleso A.' wurden von der königl. Akademie (Madr. 1836) herausgegeben. Vgl. Busson, „Die Doppelwahl des Jahres 1257 und das röm. Königthum A.' X. von Castilieno (Münst. 1866).