FeedAlgarve oder Algarbien
ErdkundeBrockhaus 1882

Algarve oder Algarbien, die kleinste und südlichste Provinz Portugals, 4858 qkm mit (1878 205 901 E. umfassend, liegt zwischen Alemtejo und dem Atlantischen Meere und ist von Spanien durch den Guadiana getrennt. Die Provinz zerfällt in den flachen, meist sandigen Küstenstrich Beiramar, das Hügelland oder Barrocal und das eigentliche Gebirge, schlechthin Serra genannt. Das letztere, mit seinen Verzweigungen drei Viertel des Areals einnehmend, erhebt sich an dem Durchbruchsthal des Guadiana als westl. Fortsetzung der span. Sierra Morena in mehrern Ketten, den Cumeadas, welche etwa in der Mitte des ganzen Malz in dem 575 m hohen Knoten der Serra-do-Malhäo, sich vereinigen und terrassenförmig zur Südküste wie zum Guadiana abfallen. Im W. des Malhäo teilt sich der Hauptzug in zwei westlich streichende Parallelketten, welche allmählich auseinanderweichen und einen weiten Raum zwischen sich lassen, der durch die gewaltige Granitmasse der Serra-de-Monchique mit den Hauptgipfeln Foia (903 m) und Picota (755 m) ausgefüllt ist. Die nördl. Schieferkette reicht als Serra-da-Mezquita nach Alemtejo hinein. Die südl. Kette erstreckt sich, terrassenförmig abfallend, als Serra-do-Espinhaco-do-Cäo gegen SW. fast bis zum Kap Saint-Vincent, der südwestlichsten Spitze Europas. Die Serra ist meist mit Cistusheiden und Weideplätzen, nur die Serrade-Monchique an ihren Abhängen mit prächtigen Kastanienwäldern bedeckt. Nur in den Thälern findet Anbau statt, und das Ganze ist sehr spärlich bewohnt. Das vorliegende Hügelland reicht, ebenfalls terrassenförmig abfallend, bis nahe an die Küste und hat einen überaus fruchtbaren, von Bächen und Küstenflüßchen durchbrochenen Boden. Der flache, von steilen Felsen oder Strandsümpfen eingefaßte, fast durchweg angebaute Küstenstrich wird von einer arbeitsamen, aber rohen Bevölkerung bewohnt, die ihren arab. Ursprung nicht verleugnen kann. Die Provinz A. hat sehr warmes Klima, dessen afrik. Hitze durch frische Seewinde gemildert wird. Es gedeihen hier alle Früchte des Südens. Die Hauptprodukte sind Feigen, Mandeln, +9 und Johannisbrot, aber es wird auch viel Ol, Wein und Mais, dagegen sch N. unzureichend gebaut. Im ganzen a Die sich A. durch landschaftliche Schönheit aus. Die Viehzucht beschränkt sich auf Schweine; auch wird in der Serra Bienenzucht betrieben. Der Bergbau ist von keinem Belang, obwohl die Serra zahlreiche Erzgänge enthält. Hier und im Hügellande gibt es auch viele, meist kalte bleiht-Aur Cat deren Mehrzahl noch unbenutzt bleibt. Nur Caldas-de-Monchique mit seinen Schwefelthermen von 31 bis 34 C. ist ein besuchter Badeort. Salz wird viel an den Küsten gewonnen. Nächst dem Landbau bilden Fischerei und Schiffahrt, welche durch die Menge kleiner, aber sicherer Häfen begünstigt werden, den Hauptnahrungszweig der Bevölkerung. Die Industrie beschränkt sich auf Flechtwerk von Esparto, Pita und Zwergpalmenblättern, dagegen ist der Handel beträchtlich, namentlich der Erporthandel. Der Alarbier gilt in Portugal für den besten Seemann. ür die Kommunikation im Innern und mit Alemtejo ist schlecht gesorgt. Die Provinz A. bildet in administrativer Beziehung nur einen Distrikt, den von Faro; die Hauptstadt . Faro (s. d.). A. reichte im Mittelalter an den span. Küsten bis nach Almeria und griff auf Afrika über. Seinen Namen erhielt A. von den Arabern, in deren Sprache es ein gegen Abend belegenes Land bedeutet. Sancho J. eroberte 1189 in der damals maurischen Provinz A. die feste Stadt Silves und nahm darauf den Titel eines Königs von A. an. Alfons III. vereinigte 1251 das Land als ein besonderes Königreich mit der Krone Portugals. Vgl. Maltzan, (Zum Kap S.⸗Vincent. Reise durch das Königreich A.y (Frankf. a. M. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 398Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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