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HeilkundeBrockhaus 1882

Alkohols eine chronische Entzündung dieses Organs aus mit nachfolgender Schrumpfung, Gelbsucht, Bauchwassersucht und Erschöpfung (sog. Lebercirrhose, granulierte Leber oder Säufer eber). Fast konstant findet sich bei Trinkern eine Vergrößerung (Hypertrophie) des Herzens, zu der sich späterhin fettige Entartung des Herzmuskels und der größern Gefäße gesellt. Von seiten der Atmungsorgane stellen sich schon bald chronische Kehlkopf⸗ und Lungenkatarrhe ein und bedingen die bläulich-rote Gesichtsfarbe, die anhaltende Heiserkeit und Kurzatmigkeit der Gewohnheitstrinker. Die Nieren erkranken nicht selten infolge ihrer gesteigerten Thätigkeit unter der Form der Brightschen Krankheit (s. d.). Sehr zahlreich und bedeutungsvoll endlich sind bei Trunksüchtigen die Erkrankungen des Nervensystems. Blutüberfüllung des Ge⸗ —¹ und seiner Häute, Verdickungen der Hirnäute, Blutergüsse in das Gehirn (Schlagflüsse), Entzündungen der Hirnsubstanz mit nachfolgender Atrophie derselben (Hirnschwund) sowie analoge Erkrankungen des Rückenmarks und der Sinnesorgane sind bei Trinkern häufige Vorkommnisse und werden die Ursache mannigfacher psychischer Störungen (Hallucinationen, Delirien, Blödsinn, allgemeine Paralyse u. g.). Selbst geringfügige Erkrankungen, operative Eingriffe und Verletzungen sind bei Gewohnheitstrinkern häufig von schweren Hirnsymptomen, dem sog. Säuferwahnsinn oder Delirium (s. d.), begleitet. Eine natürliche Folge dieser Umstände ist es, daß die Sterblichkeitsziffer der Trunksüchtigen eine ganz abnorme Höhe erreicht. Nicht nur, daß eine große Anzahl von Trinkern während oder unmittelbar nach einem Alkoholexzeß plötzlich stirbt, eine noch weit größere erliegt den mittelbaren Folgezuständen des A., namentlich dem Delirium tremens. Nach amtlichen Erhebungen gingen in England in den J. 1847— 74: 22 723 Personen an den unmittelbaren Folgen der Trunksucht zu Grunde; in Neuyork ist ein Drittel aller Todesfälle direkt oder indirekt durch den A. bedingt, und in den 38 Jahren 1840—78 sind 190000 Menschen daselbst durch den un Pan des Alkohols gestorben, sodaß sich William Parker zu dem Ausspruch berechtigt glaubt, daß das Gelbe Fieber gegenüber der Trunksucht ein sehr mildes Leiden für die Menschheit sei. Hierzu kommt, daß unter den tödlichen Verunglückungen ein nicht unerheblicher Teil lediglich durch den A. veranlaßt und herbeigeführt wird; in Frankreich beispielsweise verunglückten im Rausche in der neuesten Zeit durchschnittlich jährlich 404 unter 17939 tödlichen Verletzungen 1111 oder 6,2 Proz., im Königreich Preußen 1869 — 73 unter 33371 tödlichen Verletzungen 1554 oder 4,8 Proz. notorisch durch Trunkenheit und Trunksucht verursacht. Einen ebenso wichtigen Anteil nimmt der A. am Selbstmord. So ließen sich 1875 in Frankreich 17 Proz. in Dänemark 17,5 Proz., in Preußen 8 Proz., in Sachsen 10,3 brod in Rußland sogar 38 Proz. aller Selbstentleibungen auf übermäßigen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 428Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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