Ahnlichkeit ist im allgemeinen zwischen mehrern Dingen vorhanden, wenn deren Merkmale zum überwiegenden Teil einander Wich sind. 5 der Mathematik bedeutet A., z. B. gewisser Figuren, die Gleichheit der Verhältnisse, während die Größen selbst, die in diesen Verhältnissen stehen, verschieden sind. Dreiecke z. B. sind ähnlich, wenn die Lage der drei die Fläche des Dreiecks umschließenden Linien, folglich auch die Winkel, die sie bien gleich ist. Sind auch die Linien gleich groß, so heißen die Dreiecke gleich und ähnlich oder kongruent; das Zeichen dafür ist . „In Bezug auf organische Wesen beruht die A. auf einer Ubereinstimmung in Form, Bau und Funktion einzelner Teile oder der Wesen im Ganzen. Es muß hier indessen streng zwischen einzelnen Graden der A. unterschieden werden, welche zugleich eine besondere Bedeutung haben und des-Auß auch von sehr verschiedenem Werte für die uffassung der Verhältnisse der einzelnen Organismen zueinander sind. Außere A. in Form, Gestalt, Farbe, ja selbst nur im Gesamthabitus, kann z. B. durch Anpassung an besondere Lebensbedingungen so gesteigert werden, daß sonst im innern Baue sowie in der Entwickelung sehr verschiedene Organismen einander bis zum Verwechseln Uuters werden und erst genauere Untersuchung die Unterschiede erkennen läßt. So ähneln gewisse Stabschrecken (Phasma) abgebrochenen Zweigen oder dürren Blättern. In neuern Zeiten ist man besonders durch Bates und Wallace auf die Erwerbung solcher Ahnlichkeiten aufmerksam geworden, die man mit dem Namen Vermummung (Mimicry) bezeichnet hat, infolge deren z. B. Schmetterlinge einer von Feinden verfolgten Familie Farben und Flügelform einer andern Familie annahmen, die durch besondere Eigenschaften geschützt sind und nun sich unter die Schwärme der unverfolgten mischen. In ähnlicher Weise werden durch besondere Lebensverhältnisse (Festsitzen, Schmarotzertum u. s. w.) A. erworben, welche die ursprünglichen Verschiedenheiten verwischen, sodaß z. B. schmarotzende Krebstiere oder Schnecken den Iler eworden ähnlich werden. Das Studium solcher erworbenen A. wirft bedeutendes Licht auf die allmähliche Anpassung der Organismen an bestimmte Lebensbedingungen. Hinsichtlich der A. einzelner Organe und Organgruppen muß streng zwischen Analogie und Homologie unterschieden werden. Die Analogie beruht auf der A. Hechhen der⸗ die Homologie auf der Ä. oder Gleichheit der Entstehung. Beide können zusammenfallen, aber auch sehr voneinander abweichen. So sind z. B. die Flügel der Insekten, der Vögel und der Fledermäuse einander analog, da sie dieselbe Funktion und deshalb auch gemeinsame Formen haben, aber durch ihre Entstehung durchaus voneinander ebenso verschieden als die Kiemen der Würmer und diejenigen der Fische, die ähnliche Funktion haben, also analog sind. So sind dagegen die Schwimmblase der Fische und die Lungen der Säugetiere einander ähnlich durch Entstehung, also homolog, während sie durchaus verschiedene Rlüten der besitzen. Staubfäden und Griffel der Blüten der Gewächse sind nur umgewandelte Blätter, also diesen homolog, obgleich sie ihnen weder in Form noch Funktion iew sind. Die Homologie der einzelnen Organe, die von der größten Wichtigkeit für die morpholog. Betrachtung der vergleichenden Anatomie und Entwickelungsgeschichte ist, führt somit auf die A. des Körpers in seiner Gesamtheit, welche durch Fortpflanzung, Abstammung und Vererbung entstanden ist. Die Erforschung dieser Stammesähnlichkeit ist die wesentlichste Aufgabe der heutigen organischen Naturwissenschaften. Die A. im ganzen wie im einzelnen ist um so größer, in je näherm Grade der Verwandtschaft die Wesen zueinander stehen. Auf die96 Vererbung der A. auf die Nachkommen beruht ie ganze Deszendenzlehre mit ihren Folgerungen der die Klassifikation und das natürliche System er Organismen, für die Zucht der Haustiere und Nutzpflanzen, die Veredlung der Rassen und die natuürliche Zuchtwahl. Zur Erforschung dieser A. dient die Paläontologie oder Versteinerungskunde hinsichtlich der ausgestorbenen Voreltern und die vergleichende Entwickelungsgeschichte ¶EEmbryologie) hinsichtlich der Entstehung der jetzt lebenden Organismen. Die durch die Vererbung sich fortpflanzende A. beruht offenbar auf der Mitteilung einer hin sich ten Richtung im Zeugungsakte, nach welcher hin sich der Keim bei seiner spätern Ausbildung entwickelt.