Amme ist die Bezeichnung für eine weibliche Person, welche ein fremdes Kind 5 (tillt). Es ist Pflicht jeder Mutter, ihr Kind selbst zu stillen, und nur wirkliche Krankheit oder absolutes Unvermögen der Mutter rechtfertigt das Annehmen einer A.; tritt aber einer dieser Fälle ein, so ist die Ernährung des Kindes durch eine A. der künstlichen Auffütterung bei weitem vorzuziehen. Die Wahl der A. erheischt die Rir⸗ Vorsicht, und die Annahme derselben soll stets von einer gründlichen ärztlichen Untersuchung abhängig sein, die sich auf den Gesundheitszustand im allgemeinen, auf die Entwickelung der Brustdrüse nebst Warze im besondern sowie auf Menge und Beschaffenheit der ilch zu erstrecken hat. Diese Maßregel ist deshalb dringend u empfehlen, weil die A. unter Umständen einen Inkundigen leicht über ihre Fä igkeiten täuschen, andererseits mit Krankheiten (Skrofulose, Tuberkulose, Syphilis) behaftet sein kann, die für das Kind in hohem Grade gefährlich sind und nur von einem Arzte erkanntwerden können. Zu dieser Untersuchung sollte die A., wenn irgend möglich, ihr eigenes Kind mitbringen, weil der Arzt aus dessen körperlicher Be Richen ta wichtige Schlüsse auf die Fähigkeit der A. ziehen kann. Man wählt gern eine A., deren Entbindungstag der Geburt des eigenen Kindes um einige Wochen vorangeht; doch da die Differenz nicht zu groß sein, da die Milch sich im Laufe der Stillungsperiode dem gesteigerten Nährbedürfnisse des Kindes entsprechend ändert und so ihrem Nährwerte Hah entweder nicht genügt oder zu gehaltreich und daher unverdaulich sein kann. ächst der Endere Ber verdient der Charakter der A. ganz besondere Berücksichti 4.2 Eine leichtsinnige, böswillige, ubdrdäntiche kann dem Säugling einerseits den größten materiellen Schaden bringen, andererseits aber auch, besonders in den spätern Monaten, seine innere Entwickelung schädigen. Je jünger ein Kind, um so empfänglicher ist auch seine Seele, und die Unarten, die dem Kinde in frühester Zeit angewöhnt oder wenigstens nicht abgewöhnt werden, sind für später oft sehr verhängnisvoll; denn je früher sie ihm eingepflanzt sind, desto fester wurzeln sie auch in ihm. Wenn viele meinen, der Säugling nehme mit der Milch zugleich den Charakter der A. in sich auf so hat dies freilich nur eine I au bildliche Wahrheit. Daß der Einfluß der A. auf das Kind durch die Milch und nicht ausschließlich durch den innigen Umgangzwischen A. und Säugling vermittelt werde, dafür gibt es bis jetzt nicht einmal einen schwachen Beweis. Da eine A., die schon geich einmal geboren hat, sich auf das Stillungsgeschäft und auf die Kindespflege besser versteht als eine solche, die zum erstenmal Mutter geworden, so wählt man lieber erstere als letztere. Eine A. unter 20 und eine solche über 35 Jahre sind nicht zu empfehlen, erstere wegen ihrer Unerfahrenheit, letztere wegen der meist mangelhaften Beschaffenheit der Milch. Im besondern ist noch zu bemerken, daß den A., vorzüglich den Landammen, welche man ihrer gewöhnlich kräftigern Tgat, L6ih wegen den Städterinnen mit Recht vorzieht, leicht eine schroffe Veränderung der Lebensweise schädlich werden kann. Nicht sowohl die Veränderung der Luft als vielmehr die zu üppigen und ungewohnten Speisen und die träge Lebensweise sind es, die den an derbe, ein-Eche Kost und ein thätiges Leben gewöhnten A. Schaden bringen können. Dazu kommt noch, besonders wenn sie nicht rücksichtsvoll behandelt werden, leicht eine Gemütsverstimmung infolge von Heimweh, Sorge um das eigene Kind u. dgl. Man gewöhne also die A. langsam an die veränderte Kost, wähle für sie .dekter aber kräftige und wohlschmeckende Speisen, letzteres darum, daß sie nicht Man von Dingen nasche, die ihr besser schmecken. an weise ihr hinreichende, aber nicht schwere Beschäftigung zu und lasse sie die frische Luft genießen, auch wenn nicht eben das beste Wetter ist. Man nehme ferner Anteil an ihren sonstigen Verhältnissen, erwecke ihr Vertrauen durch Teilnahme für ihr Kind, 2 ihre oft nur aus Unges 9 fließenden Verstöße nicht gleich für Böswilligkeit und behandle sie zwar streng, aber doch in milder Form und nie launisch. Auch unterstütze man sie in der Erziehung des Kindes und mache sie nicht für jedes Unbehagen desselben verantwortlich. (Weiteres s. unter Säugen.) lichen Vorgang in der Entwickelung der niedern Tiere genannt, der erst in der neuern Zeit, besonders durch die Untersuchungen Steenstrups, näher bekannt wurde. Gewisse Saugwürmer, die in andern Tieren schmarotzen, wie besonders die sog. Leberegel Distoma), legen eine Unzahl von Eiern, aus welchen Junge hervorkommen, die mit Flim-AIhiich sen bedeckt sind, einem Infusionstierchen ähnlich sehen und umherschwimmen. Diese Jungen werden aber nicht durch eine fortschreitende Metamorphose Leberegel, wie dies bei der gewöhnlichen Generationsfolge der Fall sein müßte, sondern sie entwickeln durch einen Generationswechsel in ihrem Innern einen wurm⸗ oder schlauchförmigen Körper, der einstweilen als Amme bezeichnet sein mag. Das wimpernde Junge (die Großamme) zerfällt nach einigem Umherschwimmen, oder nachdem es in ein anderes Tier eingedrungen ist; die nun frei hervortretende Amme, die meist in den Körper eines andern Tiers hinübergebracht worden ist, wird aber ebenfalls noch nicht zum Leberegel. Es ist bald nur ein einfacher Schlauch (Sporocyste), bald ein mit Mund und kurzem Darm versehener Wurm (Redia), der sich durch Zusammenziehung bewegt, also ein selbständiges belebtes Wesen. Im Innern der Amme nun bilden sich allmählich eine Menge von Keimen zu Würmern aus, die meist noch einen langen Ruderschwanz haben (Cercarien genannt), die aber in der That Larven sind, indem ein jeder dieser Würmer, nach Befreiung aus dem Ammenleibe (sei es durch eine eigene Gebäröffnung, sei es durch Platzen der Amme) und Einführung an den Ort seiner Bestimmung, durch eine Reihe von Metamorphosen, worunter besonders der Verlust des Schwanzes, zu einem wahren Leberegel wird. Aus dem Ei entsteht also nicht ein Leberegel, sondern ein Individuum, welches durch ungeschlechtige Zeugung, durch innere oder äußere Knospung Junge erzeugt, die endlich den Kreis des Generationswechsels schließen und zu dem ursprünglichen Typus zurückkehren. Diese ungeschlechtig durch innere Knospung oder äußere Sprossung zeugenden Individuen, die in die regelmäßige Generationsfolge gewissermaßen eingeschoben sind und die Zahl der entwickelungsfähigen Individuen vermehren, hat man Ammen genannt, und wenn, wie in obigem Falle, zwei solcher Individuen eingeschoben sind, hat man das eine als Großamme und deren Erzeugnis als Amme bezeichnet. „Man überzeugte sich bald, daß dieser Generationswechsel mit Ammenzeugung in der Natur sehr is vorkommt und bei vielen niedern Tieren is zu den Insekten hinauf eine regelmäßige Erscheinung ist. So werden die meiten Medusen oder Quallen aus Knospen erzeugt, deren Amme bald ein einfacher Polyp, bald ein Polypenstock ist; so erscheint bei den sog. Salpen oder Seescheiden eine Doppelform, von welcher die eine, in Ketten zusammengefügte, durch geschlechtliche Zeugung Eier hervorbringt, aus der sich Junge entwickeln, die einzeln Reimstocke und Ammen sind, indem sie an einem Keimstocke durch Knospung die Kettenindividuen erzeugen. So kann man auch die uneschlechtig Junge hervorbringenden Blattläuse als Ammen bezeichnen, die wieder lange Generationsfolgen von Ammen hervorbringen, bis endlich Männchen und Weibchen am Schlusse einer Sommerreihe von Generationen erzeugt werden, die sich begatten und Eier legen, aus denen wieder ammenwerdende Junge Heipiele vp Vielleicht aber thut man besser, die Beispiele von Insekten und Krustentieren, wo in wirklichen Eierstöcken wahre Eier erzeugt werden, die nur nicht befruchtet werden, als Jungfernzeugung (Parthenogenesis) aufzufassen und den Begriff der Ammen auf diejenigen Tiere zu beschränken, die innere oder äußere Knospen, aber keine Eier erzeugen. Die Ammen können, wie aus diesen verschiedenen Beispielen hervorgeht, sehr verschieden organisiert sein; bald sind sie nur einfache, kontraktile Keimschläuche, bald auch mit einem Darm und innerm Keimstock versehen, bald, wie bei den Salpen, durchaus ebenso hoch organisiert wie die Geschlechtstiere selbst, die den Typus der Art darstellen. 99 es können selbst bei den Ammen wieder verschiedene Generationsfolgen stattfinden, indem es Ammen Hür⸗ die sich durch Teilung oder Sprossung als solche vervielfältigen, wahrscheinlich dann unter äußern Bedingungen, welchen sich die Abeiraatt der neuen Keime anpaßt. Im ganzen betrachtet, sind die Ammen Individuen, welche auf unges chlechtlichem Wege Junge Iinmmert and⸗ und häufig mehr oder minder verümmert sind. Die Verkümmerung der übrigen Organe zu Gunsten der Fortpflanzung 5 meist Folge des Schmarotzertums. Um die Aufhellung dieser zum Teil noch dunkeln Vorgänge in der Entwickelungsgeschichte haben sich nach Steenstrup, der zuerst die einzelnen bekannten Thatsachen 10 einem Bilde vereinigte, besonders von Siebold, Gegenbaur, Leuckart, de Filippi, Moulinié, V. Carus, Vogt, Quatrefages u. a. in neuer Zeit Verdienste erworben, unter den ältern Forschern besonders Bojanus, von Baer und Nitzsch.