Amsterdam, Hauptstadt, aber nicht zugleich Residenzstadt des Königreichs der Niederlande liegt am Ausflusse der Amstel in das VZ. Durch die Amstel und deren Arme nebst mehrern dazwischen gezogenen Kanälen wird die Stadt in 100 durch etwa 300 Brücken verbundene Inseln geteilt. Die alte Stadt, ohne die neuen Vorstädte, ist in r Gestalt eines Halbmondes, dessen offene Seite dem r im NRd. zugewandt ist, auf eingerammten fählen erhaut. Vier dieser Kanäle und deren z Ufer Grachten), in konzentrischen Halbkreisen, ind altholländ, Weise mit Reihen stattlicher Bäume s besetzt, bilden die schönsten und eigentümlichsten n Stadtteile, namentlich das sog. Cingel, die reiche g Herren⸗ und Kaisersgracht und die Prinzengracht. Von der Hafenseite gewährt die Stadt einen schönen Anblick, ebenso von der hohen, 206 mlangen Amstelbrücke (Hoogesluis) mit 32 Bogen und von der östl. Einfahrt von Muiden aus. Von der Seite von Harlem deckt die Stadt die Schleuse von Halfwegen, und von der Ostseite die Schleuse zu Muiden und die Festung Naarden, sowie Muiden, Weesp, Nieuwersluis, der Spion u. s. w. Unter den öffentlichen Gebäuden ist das vormalige Stadthaus berühmt, 164855 unter Leitung des Baumeisters Jakob van Campen erbaut, das 1808 +10 Residenz des Königs Ludwig war. Das prächtige Gebäude steht auf 13659 eingerammten Wfählen, ist 85 mlang, 70 m breit und 36m hoch; 20 m über die letztere Höhe erhebt sich der runde Turm. Das Innere desselben wurde durch ausgezeichnete niederländ. Bildhauer und Maler des 17. Jahrh. geschmückt. Der Thronsaal war bereits als Bürgersaal der schönste Saal in Europa. Der König wohnt, wenn er sich in A. aufhält, in diesem Gebäude. Die Stadtbehörden halten ihre Sitzungen in dem frühern Prinzenhof. Die alte, 1608 — 13 gebaute Börse, unter der die Amstel in das Damrakgewässer floß, wurde 1837 abgebrochen und eine neue jenseit des Dam gebaut. Das Ostindische Haus, das Staatsschiffswerft und das Magazin auf der Kattenburg am P dienen jetzt dem Handel und der Seefahrt. Die Niederländische Bank hat seit 1872 ein ihrer würdiges Gebäude aufgeführt. Das „Trippenhaus » mit seinem Reichsmuseum, einer reichen Sammlung von Gemälden und Kupferstichen (Etsen), vorzüglich aus der Niederländischen Schule, die vom Handelsstande gestiftete Gesellschaft Felix meritis, die Gesellschaft Doctrina et amicitia, der Verein Tot nut van it algemeen, das treffliche Lesemuseum, verschiedene Musikvereine, sechs Theater, der zur Universität (vor 1876 Athenaeum illustre) gehörige Botanische Garten, ein Zoologischer Garten, der zu den besteingerichteten Europas gehört und mit reichen ö zoologischen, Conchyö ner für Künste, Wissenid amkeit. Ein neues Gemuseum ist im Bau begriffen und soll im J. 1883 vollendet werden. Den Wohlthätigkeitssinn und die Religiosität bezeugen das Hospital für alte Männer und Frauen, die Armen⸗, Zucht⸗ und Waisenhäuser, viele Gesellschaften für bestimmte „HDethan Zwecke, sovie die zahlreichen Kirchen, Bethäuser und Synazogen aller Religionsgemeinden. Die niederländ. Reformierten haben 10, die französischen 2, die englischen 2, die Lutheraner 4, die Katholiken 20 Kirchen. Die schönste Kirche ist die Nieuwe kerk (die Neue oder Katharinenkirche) auf dem Dam, mit den Grabmälern de Ruyters, van Galens und Vondels und einer schönen Kanzel. In der Oude kerk (der Alten oder Nikolaikirche) sind Denkmäler der Seehelden Heemskerk, van der Zaan, Sweers und van der Zan In der neuesten Zeit ist mit der Einwohnerzahl auch an allen Seiten der Stadt die Häuserzahl außerordentlich gestiegen, und ganz neue Stadtviertel sind emporgekommen, besonders in der Nähe des von Eisen und Glas erbauten (1864 vollendeten) schönen Palastes der Nationalindustrie (Paleis voor Volksylijt). In der Stadt sind Kanäle zugeschüttet und in breite Straßen umgewandelt worden. Auch ist ein beträchtliches Stück Grundes trocken 90405 und mit einem Centralbahnhof und andern Gebäuden besetzt. Das Museum van der Hoop, das Museum Fodor, die Standbilder des Malers Rembrandt, des Dichters Vondel und des Staatsmannes Thorbecke, die Ambachtschool und der mehrere Hektaren große Vondelspark sind Geschenke patriotischer Bürger unserer Zeit. Die Zahl der Einwohner betrug (Dez. 1879) 316 590, worunter sich außer den Reformierten etwa 60000 Katholiken, 34500 Lutheraner, 4500 Anabaptisten, 1000 Remonstranten, 27000 deutsche und 3200 portug. Juden befanden. Zu den wichtigsten Anstalten, die A.s Welthandel unterstützen, gehören insbesondere eine große Zahl Schiffswerften, Segel⸗, Tau⸗ und Tabaksfabriken, die sonst nirgends so großartig betriebenen Diamantschleifereien, Fabriken für Gold⸗ und Silberwaren, Farbewaren, Stearinkerzen und chem. Präparate, Zuckerraffinerien, Brauereien, Liqueurfabriken und die Ausfuhr von Getreide und Kolonialprodukten. Bedeutender als die Industrie ist der Handel A.s. Die großartigen Hafenanlagen und die neuen Landungsplätze im Osten und Westen der Stadt sind mit Docks und 18975 Hefen versehen und fassen über 1000 Schiffe; 1879 liefen 1493 Schiffe mit 692005 t ein und 1440 mit 667078 t aus. Der Noordhollandsche Kanal, der A. mit Nieuwe-Diep verbindet, hat seine Bedeutung für den Handel verloren, seit ein breiterer und tiefer Kanal durch die Landenge (Holland-op-zijn-smalst) auf kürzerm Wege das mit der Nordsee verbindet. Eisenbahnen führen von A. nach Utrecht, Rotterdam, Helder und Zutphen. Geschichtliches. Die Stadt entstand Anfang des 13. VI infolge des Baues einer Burg der Herren von Amstel, welche bis 1204 zu Ouderkerk, 7 km südlicher, residiert hatten. Nachdem A. 1296 wegen Teilnahme Gijsbrechts IV. von Amstel am Morde des Grafen Floris von Holland mit ganz Amstelland der Grafschaft Holland einverleibt worden, ward der Ort 1300 oder 1301 mit städtischen Rechten beschenkt. Der Übergang aus der gutsherrlichen Hörigkeit unter die gräfl. Landeshoheit bedingte zuerst ihren Aufschwung; nach der Befreiung von der Herrschaft Spaniens schwang sie sich zur ersten Handelsstadt der vereinigten Niederlande empor. Schon 1585, nachdem Antwerpen wieder spanisch geworden und darum seinen Welthandel an A. verloren, mußte die Stadt westlich bedeutend erweitert werden; 1622 zählte sie bereits 100000 E. Der Engländer Leicester suchte sich derselben 1587 durch Verrat, Prinz Wilhelm II. von Oranien 1650 durch Überrumpelung zu bemeistern, aber beide Versuche mißlangen. Infolge des Kriegs mit England im 17. Jahrh. sank der Handel Als so sehr, daß 1653 gegen 4000 Häuser in A. unbewohnt waren; allein bald hob sich der Verkehr wieder. In der Versammlung der Holländischen Staaten genossen die Bürgermeister der Stadt eines solchen Ansehens, daß sie sich fast das ganze 18. Jahrh. hindurch mit dem Erbstatthalter messen konnten. A. war die reichste Stadt Europas und der große Markt aller Produkte im Osten und Westen. Großen Nachteil brachten die Kriegsjahre mit England von 1781 und 1782, und mi em Einzug W grus 19. Jan. 1795 verfielen Handel und Wohlstand immer mehr. Am nachteiligsten wirkte die gezwungene Verbindung Hollands eih1910tt. Die Vereinigung Hollands mit Frankreich 1810 vernichtete vollends den auswärtigen Handel A.s, der 17 erst seit 1813 wieder zu großer Bedeutung erhob. gl. Wagenaar, «A. in zijne geschiedenissenv (22 Bde., Amsterd. 1761 - 94); van der Vijver, (Beschrijving van A. v (4 Bde., Amsterd. 1844); Witkamp, «A. in schetseno (2 Bde., Amsterd. 1859—63); Kalff, «A. in Praatjes en Plaatjeso (Amsterd. 1875); Ter Gouw, 4Geschiedenis van