Amyraldus (Moyse Amyraut), reform. Pfarrer und Professor der Theologie zu Saumur, geb. im Sept. 1596 zu Bourgueil in der Touraine, studierte zuerst in Poitiers die Rechte und später, durch Calvins «Institutios angeregt, in Saumur Theologie. Nach 1½jähriger Wirksamkeit zu St.⸗ Aignan 1626 als Pfarrer nach Saumur berufen, wurde er, nachdem er im Auftrage der Generalsynode von Charenton Ludwig XIII. eine Beschwerdeschrift überreicht, 1633 zum Professor in Saumur ernannt, in welcher Stellung er 4. Jan. 1664 starb. Unter ihm gelangte die Akademie zu Saumur zu großer Blüte, jedoch gleichzeitig in den Geruch der Ketzerei, während zu Sedan die streng orthodoxe Lehre vertreten wurde. A. ward beschuldigt, den zu Dortrecht verdammten Arminianismus (s. d.) zu erneuern. Zuerst in dem Traité de la prédestinationo (1634), dann in einer Reihe von Streitschriften vertrat nämlich A. den sog. Universalismus hypotheticus v, wonach Gott will, daß alle Menschen selig werden, wenn sie 6 Da A. jedoch selbst betont, dieser Wille sei nur die an alle Menschen ergehende Aufforderung: 4Glaubet alle, so werdet ihr alle seligo, nicht aber der wirksame Wille Gottes, welcher im Menschen die Bekehrung wirkt, denn dieser werde nur den Erwählten zuteil, so sprachen die franz. Theologen ihn auf mehrern Synoden von dem Vorwurf der Ketzerei frei, die Holländer und Schweizer dagegen führten ihre Anklagen fort und richteten gegen ihn die Formula consensus v (1675). Von A.' Werken ist noch zu nennen: La morale chrétienne (6 Bde., Saumur 1652—60).