FeedArnd oder Arndt (Joh.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Arnd oder Arndt (Joh.), bekannter theol. Schriftsteller, geb. 27. Dez. 1555 zu Ballenstedt in Anhalt, studierte seit 1576 zu Helmstedt, Wittenberg, Straßburg und Basel, ward 1583 Pfarrer zu Badeborn in Anhalt, aber 1590 seines Amtes entsetzt, weil er sich der vom calvinistischen Fürsten Joh. Georg befohlenen Abschaffung des Exorzismus und der Bilder widersetzte. In Quedlinburg fand A. Anstellung, aber wenig Beifall, ward 1599 Prediger an der Martinskirche zu Braunschweig, wirkte hier mit großem Erfolge, bis 1605 die Herausgabe des ersten Buchs „Vom wahren Christentum» ihn in den Verdacht der Ketzerei brachte. Er folgte 1608 einem Rufe nach Eisleben und siedelte 1611 als Hofprediger und Generalsuperintendent nach Celle über, wo er 11. Mai 1621 starb. A.s Ruf gründet sich auf seine «„Bücher vom wahren Christentum v (das erste erschien 1605, die erste Gesamtausgabe 1609), ein Erbauungsbuch, das in immer neuen Auflagen uund pon h von Krummacher, 9. Aufl., Lpz. 1872, und von Meyer, 5. Aufl., Frankf. 187½, in fast alle europ. Sprachen übersetzt, eine Verbreitung gefunden hat, wie seit Thomas a Kempis' „Nachfolge Christiv kein anderes. Dogmatisch vertritt A. die strengste luth. Orthodoxie, aber er will nicht ein Christentum der dogmatischen Formel, sondern des Herzens. Dennoch beschuldigten die Streittheologen jener Zeit A. der ärgsten Ketzereien. Unter seinen übrigen Schriften sind noch hervorzuheben das Paradiesgärtleino (Lpz. 1612 u. öfter), das eine Anzahl trefflicher Gebete enthält, und mehrere Predigtsammlungen, wie Postiller (1615), „Auslegung des Katechismus Lutheri» (1616), „Auslegung des ganzen Psaltersp (1617), die auch in seinen «Sämtlichen geistreichen Schriften v (3 Bde., Görlitz 1734—36) enthalten sind. Seine Predigten erheben sich nicht nur in Betreff ihres herzgewinnenden Inhalts, sondern auch durch ihre ansprechende Form über die bombastischen Kanzelreden jener Zeit. A. hat Arnold und Spener trefflich vorgearbeitet und großen Anteil an der Wiedergeburt der evang. Kirche. Vgl. Arndt, «Joh. A., ein biographischer Versuche (Berl. 1838), und Pertz, De Johanne Arndtiod (Hannov. 1852).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 935Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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