Andree (Karl Theod.), namhafter Geograph und Publizist, geb. 20. Okt. 1808 zu Braunschweig, bezog 1826 die Universität Jena, die er später mit Berlin und Göttingen vertauschte, und wandte sich, nachdem er 1830 in Jena promoviert, nach seiner Vaterstadt, um sich für die Habilitation vorzubereiten. Als eifriger Burschenschafter in die große Demagogenuntersuchung verwickelt, wurde er 1838 zwar völlig freigesprochen, doch war seine beabsichtigte Laufbahn gestört. A. wandte sich jetzt ganz der schriftstellerischen Thätigkeit zu und bekämpfte zunächst seit 1838 als Redacteur der Mainzer Zeitungo die damals noch am Rhein herrschende Hinneigung zu den Franzosen. Später stand er mit Giehne an der Spitze der «Oberdeutschen Zeitungo zu Karlsruhe, ging 1843 als erster Redacteur der Kölnischen Zeitungo nach Köln, übernahm 1846 die Leitung der Bremer Zeitungo und kehrte 1848 nach seiner Vaterstadt zurück, wo er die „Deutsche Reichszeitunge redigierte. Nachdem er hierauf 1851—53 als Leiter des durch ihn gegründeten „Bremer Handelsblatto für eine allgemeine Zolleinigung Deutschlands gewirkt, nahm er seinen Aufenthaltsort von 1855 an in Dresden; 1858 wurde er zum Konsul der Republik Chile für das Königreich Sachsen ernannt und war als solcher vorübergehend in Leipzig thätig. Er starb 10. Aug. 1875 in Wildungen. Von Ars litterarischen Arbeiten sind die Geogr. Wanderungeno (2 Bde, Dresd. 1859), die sich durch geschmackvolle Darstellung auszeichnen, sowie die Geographie des Welthandelso (2 Bde., Stuttg. 1867 — 72; 2. Aufl., ergänzt von seinem 126 Richard, 3 Bde., 187⁴4—77) errrdeber 2 etzterm auf gründlichem Quellenstudium beruhenden Werke, wie es ähnlich kein anderes Land besitzt, hat A. die Geographie des Welthandels gleichsam physiologisch dargestellt, und in der Art und Weise, wie er dieselbe behandelt, erscheint sie als ein Zweig der Kulturwissenschaft, indem sie in engen Zusammenhang auch mit der Völkerkunde gebracht worden ist und vorzugsweise das innere Leben und das Getriebe des Handelsverkehrs schildert. Für die Kunde amerik. Zustände und Verhältnisse wirkte er durch die Werke: Rordamerika in geogr. und geschichtlichen Umrisseno (Braunschw. 1850 — 51; 2. Aufl. 1854) und Buenos-Ayres und die Argentinische Republiko 5 1856) und in der Zeits chrift „Das Westlando (3 Bde., Bremen 1851—53). In der Zeitschrift Globuso (Hildburgh. 1861 fg., seit 1867 in Braunschweig) schuf A. ein sehr weit verbreitetes Organ für Länder⸗ und Völkerkunde, das seit 1876 von Richard Kiepert redigiert wird. — Sein Sohn Kudi⸗ A., geb. 26. Febr. 1835 zu Braunschweig, studierte zu Leipzig Naturwissenschaft und ging 1859 nach Böhmen, wo er in einer rein czech. Gegend als Hüttenmann thätig war und sich an den damals gerade beginnenden nationalen Kämpfen zwischen Deutschen und Czechen rege beteiligte. Aus jener Periode datieren seine Studien der deutsch-slaw. Beziehungen, die derlegte: Czechische Gänger (Bielef. u. Lpz.1872), Mationalitätsverhältnisse und Sprachgrenze in Böhmenpv (2. Aufl., Lpz. 1871), Das Sprachgebiet der Lausitzer Wendenp mit ethnogr. Karte (Prag 1873) und Wendische Wanderstudien. Zur Kunde der Lausitz und der Sorbenwendeno (Stuttg. 1873). Rachdem A. seine Stellung in Böhmen verlassen An bereiste er 1864 Schottland mit besonderer ücksicht dieler kelt. Element der Bevölkerung; als Frucht dieser Reise erschien Vom Tweed zur Pentlandföhrder (Jena 1866). Er hat sich seitdem ganz der Geographie und Ethnographie gewidmet und schrieb außer mehrern populären Werken (unter andern «Abessinienv, Lpz. 1869) und zahlreichen Aufsätzen für mihne geogr. und ethnogr. Zeitschriften: Ethnogr. Parallelen und Vergleiches (Stuttg. 1878) und „Zur Volkskunde der Judeno (Opz. 1881). Im J. 1873 ward A. Mitbegründer und Direktor der geogr. Anstalt von Velhagen u. Klasing in Leipzig. derselben gab er, gemeinschaftlich mit O. Pes chel, einen Physik.⸗ statist. Atlas des Deutschen Reichsv (Lpz. 1877), einen „Volksschulatlaso (Bielef. 1876) und einen Allgemeinen Handatlaso (Bielef. u. Lpz. 1881) heraus.