FeedAnemöne
PflanzenreichBrockhaus 1882

Anemöne (Windblume, Windröschen) nannte Linneé eine artenreiche, nur aus perennierenden Kräutern bestehende Pflanzengattung aus der Familie der Ranunkulaceen. Der Name ist von dem riech. Worte &venos, Wind, abzuleiten, weil die erigonblätter bei vielen Arten sehr bald abfallen und vom Winde weggeführt werden. Die Blüten der A. bestehen aus mehrern, gewöhnlich sechs bis neun, Perigonblättern, zahlreichen Staubgefäßen und sehr vielen einsamigen Früchtchen. Man unterscheidet gewöhnlich drei Untergattungen: A. Tourn., Pulsatilla Tourn. und Hepatica Dill., die untereinander durch die Form der Früchtchen und die Ausbildung des Perigons verschieden sind. Sämtliche Arten haben einen einfachen Stengel, welcher in den meisten Fällen nur eine, seltener zwei oder mehrere Blüten trägt und unterhalb des oder der Blütenstiele mit einer aus drei Blättern bestehenden Hülle versehen ist. Die meisten Arten der A. finden sich in der nördl. gemäßigten Zone, nur wenige gehören der südamerik. und südafrik. Flora an. Iu Deutschland sind am häufigsten: A. nemorosa L. (deren Kraut früher offizinell war) und A. ranunculoides L., beide ehören zu den ersten 2. Dierlettess Gel die erstere hat weiße oder rötliche, die letztere gelbe Blüten. Schon seltener findet sich die A. nemorosa L., mit roßem gelblich-weißen Perigon, welche auch als ierpflanze kultiviert wird. Am meisten kultiviert man jedoch die Gartenanemone, A. coronaria, aus Südeuropa und dem Orient, eine sehr schöne, von den Arabern Anahameno genannte Pflanze mit großen, dunkelroten, blauen oder weißen Blumen, von welchen im Laufe der Zeit durch die Kunst der Gärtner so viele Spielarten entstanden sind, daß man besondere Werke über sie und ihre Kultur schreiben mußte. Diese Pflanze wird namentlich in Holland im großen gezogen und ist auch in Deutschland ein sehr beliebtes Ziergewächs, erfordert aber bei uns eine sorgfältige Behandlung. Sie gedeiht nur in leichtem Boden, und ihre Blumen vertragen weder Regen noch baiggn Wind. Der aus büs chelzelstock muß nach dem Verblühen herausgenommen werden. Die Vermehrung geschieht durch Wurzelzerteilung oder durch Samen. Auf letzterm Wege erhält man zwar neue Spielarten, allein erst im zweiten Daider blühende Exemplare. (Über die Arten der beiden andern Untergattungen s. Kepati ca und Pulsatilla.) Das frische Kraut der A. schmeckt brennend scharf und verflüchtigt beim Zerreiben einen sehr scharfen, stechenden Stoff, der die Augen zu Thränen reizt. Deshalb sind die A. schlechte .— und können sogar, wenn das Vieh sie in Menge frißt, Magen⸗ und Darmentzündung veranlassen und selbst den Tod herbeiführen. it dem brennend scharfen Safte von A. ranunculoides sollen die Kamtschadalen ihre Pfeile vergiften, mit denen sie die Robben töten. Aus dem wässerigen Destillat des hen art Krautes der A. setzen sich nach längerm Stehen Krystalle von Anemonin (s. d.) ab.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 635Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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