FeedAnemologie (grch.)
TechnikBrockhaus 1882

Anemologie (grch.), die Lehre von der Entstehung, Richtung, Stärke und Geschwindigkeit der Winde (s. d.). Zur Beobachtung der Winde dient das Anemoskop, ein Instrument, das sehr verschieden, bald einfacher, bald vollkommener und zusammengesetzter eingerichtet sein kann. Jede Wetterfahne ist eigentlich ein Anemoskop. an nennt das Instrument Anemograph, wenn es entweder die Anderungen der Windrichtung oder der Windstärke oder beider registriert. Die Einrichtun der Anemographen ist sehr verschieden. Bezügli der Windrichtung wird die detart mitSchreibiiiten nach einer Schraubenlinie derart mit Schreibstiften versehen, daß, je nach den verschiedenen Richtungen des Windes, je einer der Stifte auf einem von einem Uhrwerk langsam in wagerechter Richtung vorbeigezogenen, in lotrechter Ebene liegenden Papierstreifen den jeweiligen Stand der Windfahne markiert. Hierbei 1e Nichtun die Höhenlage des erhaltenen Strichs die Richtung und die Strichlänge die Dauer dieser Richtung. Instrumente, welche die Stärke, d. i. die Geschwindigkeit des Windes angeben, heißen Anemometer; auch diese lassen sich, wie bereits erwähnt, als Anemographen einrichten. Das jetzt gebräuchlichste Anemometer ist das von Robinson; es besteht aus vier blechernen, hohlen Halbkugeln, welche an einem rechtwinkeligen, wagerechten, um lotrechter Achse sehr leicht drehbaren Kreuze so befestigt sind, daß sie lotrecht stehen und je eine der andern die Hohlseite zukehren. Ein solches Kugelschalensystem wird vom Winde stets mit der konvexen Seite voraus um-Die l0t indem der Wind an der Hohlseite drückt. ie lotrechte Drehachse dieser und anderer Anemometer wird unten mit einer Schraube ohne Ende versehen, welche ein Zählwerk in Bewegung setzt und dadurch die Windgeschwindigkeit zu messen gestattet. Derartige Anemometer, zart ausgeführt, dienen auch zur Messung des Zuges in den Essen. Um die Windgeschwindigkeitsmesser in Anemographen umzuwandeln, wird durch mechanische Transformation die rotierende Bewegung des Schalenkreuzes in eine fortschreitende Bewegung eines Schreibslache umgewandelt, welcher auf einer Schreibfläche vorwärts geht; aus der in gemessener Zeit sich ergebenden Länge des Strichs wird die Windgeschwindigkeit berechnet. Nach einer Stunde führt ein Mechanismus den Schreibstift wieder derart zurück, daß er jetzt unter⸗ oder oberhalb jenes Strichs wieder neue Striche markiert. Auch elektromagnetisch arbeitende Anemographen wurden konstruiert. Vgl. Piskos Weltausstellungsberichte für London 1862 und für Paris 1867. (Wien.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 635Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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