FeedAngelsächsische Rasse
NaturlehreBrockhaus 1882

Angelsächsische Rasse. Zu den kelt. Ureinwohnern Englands, zu welchen sich verschiedene andere Elemente (Iberer, Phönizier, Römer u. s. w.) hinzugesellt hatten, kamen im 5. Jahrh. die von der untern Elbe und von Jütland aus eindringenden Angeln und Sachsen, welche England unter-Warfen und bald in Sitte und Sprache wie in physischem Gepräge die Oberhand gewannen. Eine weitere beträchtliche german. Einwanderung erfolgte mit und nach der angelsächs. Invasion von Skandinavien aus. Ein dritter, aber von franz. Elementen stark durchsetzter Zufluß german. Elemente kam infolge der Eroberung Englands dur Herzog Wilhelm von der Normandie. Die dur Neeun dieser Bestandteile gebildete angelsächsische Rasse weicht von der germanischen mehrfach ab. Es findet sich durchschnittlich häufiger blaue Iris und blondes Haar; der Schädel ist schmaler und mehr nach hinten verlängert, wie bereits innerhalb der deutschen Bevölkerung die plattdeutsch sprechenden Stämme durchschnittlich mehr dolichocephal sind als die oberdeutschen. Weniger gleichmäßi 2n. und weniger verschmolzen ist die anglo-amerik. Bevölkerung Nordamerikas, je nachdem dort bald mehr die englische, bald mehr die deutsche oder franz. Einwanderung vorherrscht und außerdem span., holländ., skandinav. u. s. w. Elemente beigemischt sind. Die angelsächs. Sprache ist ein Zweig des westgerman. Sprachstammes und zwar des niederdeutschen Stammes, der sich durch seine Überpflanzung nach Britannien in vieler Hinsicht ganz eigentümlich entwickelt sue Zunächst ist er dem Altsacht. Syr und Altfriesischen verwandt. Die angelsächs. Sprache zerfällt in den uns erhaltenen Denkmälern in drei Hauptdialekte: in einen nordöstlichen, den nordhumbrisch-anglischen und in einen südwestlichen, der speziell der angelsächsische oder auch der westfächsiche genannt wird; für sich steht der kentische Dialekt. Zuerst blühte Kultur und Litteratur im Nordosten von 0 0 dann trat aber, als Wesser im 8. und 9. Jahrh. das polit. Übergewicht erlangte, die westsächs. Litteratur und damit auch die westsächs. Mundart so sehr in den Vordergrund, daß uns jetzt vorzugsweise Handschriften in westsächs. Dialekte erhalten sind. Dieselben zeigen eine außerordentlich reiche Litteratur, und 14210 sind uns nicht nur zahlreiche poetische Werke überliefert, sondern es findet sich auch seit dem 9. Jahrh., vor allem durch die Bemühungen des Königs Alfred, die Prosa fleißig ausgebildet. Nach der Eroberung Englands durch die Normannen wurde das Angelsächsische durch das Nor-Dranat-doch wer ar vom Hofe und Gerichte verdrängt, doch der größere Teil des Volks bediente sich nach wie vor der alten Sprache, und so entstand dann durch Eindringen roman. Elemente in das Die Sei An elsachsiche allmählich das Englische. ie Zeit des Eenal. also etwa 1100 - 1250, bezeichnen manche engl. Gelehrte mit Semi-Saxon (Halbsächsisch), Deutsche als Neuangelsächsisch. W neuester Zeit hat man auch angefangen, diesen schnitt schon zum Altenglischen zu rechnen. Das Studium des Angelsächsischen wurde bereits im 17. Jahrh. aufgenommen, und zwar vor allen durch Franziskus Junius, welcher ein etymolog. Wörterbuch der engl. Sprache lieferte; das erste angelsächs. Wörterbuch lieferte Sommer (1659). An Junius schließen sich die Arbeiten von Thwaites, Hickes, Lye u. a. an, und seitdem hat das Angelsächsische fortwährend Pfleger gefunden. Im 19. Jahrh. sind es in England vor allem Thorpe, Kemble, Bosworth, Cockayne, Earle und neuerdings Skeat und Sweet, in Deutschland Grimm, Leo, Ettmüller und Grein. Auch Bouterwek hat viele Verdienste besonders um das Nordhumbrische. Im Norden Europas ist noch Rask und Bugge und in Nordamerika March zu nennen. Obgleich nicht nur durch die Verheerungen der Dänen und Normannen, sondern auch durch die Bürgerkriege, durch die gewaltsame ufhebung der Klöster unter Heinrich VIII. und 298 Rence rend der ersten engl. Revolution eine große Menge angelsächs. Handschriften zu Grunde gegangen sind, haben sich doch noch eine Anzahl von erken aus allen Gebieten der Litteratur erhalten. Die poetische Litteratur ist auch hier die ältere. Die Art der herdie Aln die gemein altdeutsche: der Stabreim oder die Allitteration. Aus vorchristl. Zeit stammen eine Anzahl Zaubersprüche, Bruchstücke von volkstümlichen Heldenliedern, wie Traveller's Song, Walther u. a., vor allem aber das Gedicht von Beowulf d.), wenn auch alle diese erst aus christl. Zeit über iefert sind. Von christl. Verfassern sind eine aenn Menge Bearbeitungen biblischer und legendenhafter Stoffe überliefert, insbesondere diejenigen, welche sich an den Namen Caedmon anschließen, und die, welche Cynewulf zugeschrieben werden. Sonst sind noch Üübersetzungen und Bearbeitungen der nabveime Hymnen u. dgl. zu nennen, ferner eine stabreimende Bearbeitung der Metra des Boethius u. a. Unter den Prosawerken sind die ältesten verschiedene Gesetzessammlungen, die bis an das Ende des 7. Jahrh. zurückreichen. Vgl. Schmid, Die Gesetze der Angelsachsen. In der Ursprache mit Übersetzung u. s. w.», Lpz. 1832, 2. Aufl. 1858.) Von Geschichtlichem sind zu erwähnen die freie lbersetzung des Orosius und der Kirchengeschichte Bedas durch Alfred und die Chronik der Angelsachsen, die von den ältesten Zeiten bis 1154 fortgesetzt und in vielen Handschriften überliefert ist. Der Theologie gehören an: Alfreds Übertragung der Cura pastoraliso Gregors, die übertragung der „Dialoger des Gregor durch Werferth, dinen eine reiche Sammlung von Homilien des in er zweiten Hälfte des 10. W und im 11. Jahrh. lebenden Alfric, Abt von Ensham; außerdem sind als in nodhunörisch; glisc s. Mundart sowohl als in nordhumbrisch-anglischer erhalten. Von den bei den Angelsachsen beliebten Spruch⸗ und Rätselsammlungen sind auch noch einige auf uns gekommen. Romanhafte Erzählungen sind vertreten in der Geschichte des Apollonius von Tyrus, im Briefe von Alexander an Aristoteles u. a. Au astron. Werke, wie das von Wright und von ockayne herausgegebene «Anglo-Saxon Manual of Astronomyv, und übersetzungen von lateinischen mediz. Schriften (eine Sammlung davon hat Cockayne in den Rerum Britannicarum Medii Aevi Scriptoresv herausgegeben) beweisen, daß diese Wissenschaften gleichfalls den Angelsachsen wohl bekannt waren. Auskunft über die Ausgaben der angelsächs. Werke gibt Thomas Wright: 4«Biographia Britannica Litteraria o (Bd. 1, Lond. 1842). Von Litteraturgeschichten ist hervorzuheben: ten Brink, „(Geschichte der engl. Litteraturo (Bd. 1, Berl. 1877. Den Deutschen wurde die angelsächf. 30W. Dliother de zugänglich gemacht durch Greins BBiliothek der angelsächs. Poesies (2 Bde., Gött. 1857 — 58), neubearbeitet von Wülcker ben 1, Kass. 18815, und durch die von ersterm herausgegebenen atue der Angelsachsen, stabreimend übersetzto (2 Bde., Gött. 1857.—59), n durch Hammerichs «Alteste christl. Epik der Angelsachsen u. s. w.y (deutsch von Michelsen, Gütersloh 1874); auch veröffentlichte Grein ein Wörterbuch der poetischen Sprache als: «Sprachschatz der angelsächs. Dichterd (2 Bde., Gött. 186164), so- wie die prosaischen Denkmäler als (Bibliothel der angelsächs. Prosas (Bd. 1, Kass. u. Gött. 1872). Aus der Übergangszeit, dem borbanden 1 das sind verschiedene Heiligenleben vorhanden, z. B. das Leben der Margarete, Juliane u. a., die Cockayne für die Early English Text Society herausgab, verschiedene Homilien und Predigten (von Morris und Cockayne für dieselbe Gesellschaft verö entlicht). Das wichtigste poetische Denkmal dieser Zeit ist die Übertragung des altfranz. Brut, or chronicle of Britaino durch den Priester Layamon um 1200 (herausg. von Madden, 3 Bde., Lond. 1847). Ferner sind eine Spruchsammlung, welche dem König Alfred zugeschrieben wird (am besten herausg. von Morris für die Early English Text Society published No. 49), und An old English poem of the owl and the nightingale (herausg. von Stratmann, Kref. 1868), ein Zeugnis, daß damals auch die Didaktik blühte. Das bedeutendste Prosadenkmal dieser Zeit ist HAncren Riwles (eine Regel für Nonnen, herausg. von Morton, Lond. 1852). Aus dem östl. England ist erhalten eine Paraphrase des Neuen Testaments, von Orm gedichtet, weshalb sie auch Ormulumv genannt wird. Dieselbe ist, obgleich der größte Teil verloren ging, immerhin eine noch s — umfangreiche Dichtung. Gerade dieses Werk Hißt ie vollen angelsächs. Formen schon sehr abgeschliffen und führt so zur nächsten Periode der Sprache, zum Altenglischen, über.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 643Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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