Anis, Pimpinella Anisum L., eine einjährige, zur Familie der Umbelliferen gehörende Pflanze, die im Juli blüht und ihre Früchte gegen Ende August reift. Diese in Griechenland, Agypten und im Orient heimische Pflanze hat herzförmig-rundliche Grundblätter, doppelt-dreizählige Stengelblätter, hüllenlose Dolden, kleine, weiße Blüten und breit-eiförmige, von der Seite ein wenig zusammengedrückte, etwa 2 mm lange, graugrüne, kurz grauhaarige, feingerippte Früchtchen von eigentümlich aromatisch-süßem Geschmacke und starkem gewürzhaften Geruch. Sie sind unter dem Namen Fructus oder Semina Anisi vulgaris oder Aniskörner als magenreizendes, blähungtreibendes und auswurfbeförderndes Mittel offizinell und enthalten fettes und ätherisches Ol, Schleimzucker, Gummi und eine eigentümliche Säure, Anissäure (s. d.). Aus ihnen bereitet man durch Destillation das Anisöl (s. d.), desgleichen die Anisessenz, ein wohlriechendes Wasser. Auch werden die Anissamen als Gewürz bei Speisen, bei der Liqueurfabrikation und in der Seidenfärberei gebraucht. Deshalb baut man die Anispflanze an. Sie verlangt zum Gedeihen ein warmes, trockenes Klima sowie lockern, kraftreichen Boden. Ausgebreitet ist der Anisbau in Thüringen, namentlich in der Umgegend von Erfurt. Dort wird auch viel Anisöl fabriziert. Auch die span. Anissamen werden geschätzt; die russischen sind weniger 9 Von ähnlichem Geschmacke wie der gemeine „ist der Sternanis (s. d.). Auisöl, ein ätherisches Ol, welches durch Dampfdestillation der zerquetschten Aniskörner, den Früchten von Pimpinella Anisum (s. Anis), oder des Krautes der getrockneten Pflanze gewonnen wird. Es ist farblos oder schwach gelblich gefärbt, von spezifischem Geruche und besteht zum überwiegend größten Teile, bis zu 90 Proz., aus Anethol (s. d.) und erstarrt infolge dessen bei niedern Temperaturen zu einer krystallinischen Masse, welche bei etwa 18 C. schmilzt. Der beim Krystallisieren des Anethol flüssig bleibende Teil soll dieselbe Zusammensetzung wie das Anethol haben; derselbe ist jedoch wenig untersucht. In mangelhaft verschlossenen, höherer Wärme ausgesetzten Gefäßen aufbewahrtes A. erleidet eine Veränderung und scheidet dann in der Kälte kein Anethol mehr aus. Die Fabrikation des A. findet in einigen thüring. Städten, im größten Maßstabe aber in Leipzig siatt; im Handel wird außer diesem das aus dem südl. Rußland (Sarepta) kommende Ol besonders geschätzt. Das A. wirkt sehr energisch auf tierische Parasiten und wird z. B. gegen Kopfläuse und Krätze angewandt. benzoefäure C H. OCH, COOH entsteht durch Oxrydation des Anethols (s.d.), indem an die Stelle der Atomgruppe CeH; die Atomgruppe C00H tritt, während gleichzeitig Oxalsäure und Wasser gebildet werden, nach folgender Gleichung: Zur Darstellung der A. gießt man 1 Teil Anisöl (besser noch das vom flüssigen Anteile durch Abpressen befreite Anethol) in eine etwa 50“ C.warme Lösung von 5 Teilen rotem chromsaurem Kali in 20 Teilen Wasser, welche mit 10 Teilen Schwefelsäure vermischt ist. Es tritt sofort eine nur wenige Minuten dauernde Reaktion ein. Nach dem Erkalten trennt man die ausgeschiedene A. durch Filtration von der Flüssigkeit, wäscht, löst die Säure in Ammoniak und scheidet sie aus der Lösung durch Salzsäure wieder ab. In kaltem Wasser ist A. fast unlöslich, sogar schwer löslich in siedendem; aus der siedend gesättigten Lösung scheidet sich die Säure beim Erkalten in langen farblosen Nadeln ab. In Alkohol ist sie löslicher, sie schmilzt bei 175², ohne zersetzt zu werden, und siedet bei 275. Von der A. leiten sich zahlreiche substituierte Verbindungen ab, in denen je 1 Atom Wasserstoff durch Chlor, Brom, Jod oder die Atomgruppen NHz und NO, vertreten ist. Sie ist eine einbasische Säure, ihre Salze sind meist löslich und gut krystallisierbar, die Salze der schweren Metalle sind schwer löslich oder unlöslich. Hält man bei der a Berhält des Anisöles nicht die oben angegebenen Verhältnisse ein, sondern verwendet man einen Üüberschuß von Anisöl, so verläuft der Prozeß nicht bis zur Bildung der A., sondern es entsteht Anisaldehyd, Anisylwasserstoff oder anisylige Säure CeHs O oder Ce H. OCHg COH. Dieser bildet sich in reichlichster Menge, indem man in einem geräumigen Kolben 2 Teile rotes chromsaures Kali mit 8,5 Teilen Wasser übergießt, 3 Teile Schwefelsäure zufügt, dieses Gemisch erkalten läßt und 1 Teil Anethol zusetzt, wobei die Mischung, welche gut umzuschütteln ist, sich auf etwa 80 erwärmt. Nach Beendigung der Reaktion verdünnt man mit reichlichen Mengen von Wasser und destilliert im eingeleiteten Dampfstrome, wobei der Aldehyd mit den Wasserdämpfen als in Wasser unlösliches Ol übergeht. Das Ol wird abgeschieden, mit konzentrierter Lösung von saurem schwefligsaurem Natron geschüttelt, womit es, wie alle Aldehyde, eine krystallinische Verbindung eingeht, die durch Abpressen von Fremdem getrennt und unter Zusatz von kohlensaurem Natron zersetzt wird, wobei der Aldehyd als Ol sich abscheidet. Der Anisaldehyd ist eine hellgelbe, bei 247“ siedende Flüssigkeit von aromatischem Geruch und brennendem Geschmacke, von 1,2228 spezifischem Gewichte; er wird durch Oxydationsmittel in A. verwandelt; der ältere Name anisylige Säurer ist nicht berechtigt, da der Anisaldehyd keine Salze bildet. Der Anisaldehyd steht zur A. genau in derselben Beziehung, wie der gewöhnliche Aldehyd (s. d.) zur Essigsäure, und ebenso wie diese sich zum gewöhnlichen Alkohol verhält, so verhält sich der Anisaldehyd zum Anis-Darstellung des letztern löst man Anisaldehyd in seinem en Bol Volum Alkohol, vermischt mit dem dreifachen Volum alkoholischer Kalilösung, wobei die ganze Masse nach einiger Zeit zum Brei erstarrt. Von diesem läßt man den Alkohol im Wasserbade abdunsten, nimmt in Wasser auf und schüttelt mit Ather, wobei der Anisalkohol vom Ather aufgenommen wird und nach dem Verdunsten des Lösungsmittels als krystallinische Masse verbleibt die bei 25 schmilzt, bei 258,8 siedet und leicht dur Oxydation in den Aldehyd zurückverwandelt wird.