FeedAnnweiler oder Anweiler
ErdkundeBrockhaus 1882

Annweiler oder Anweiler, gewerbthätige Stadt im Bezirk Bergzabern der bayr. Rheinpfalz, an der Eisenbahn Landau-Zweibrücken, im Thale der Queich gelegen, ist Sitz eines Amtsgerichts, hat eine Lateinische Schule, ein schönes, 1844 aus rotem Sandstein erbautes Rathaus, zählt (1880) 2979 C. und betreibt Gerberei, Tuchweberei, Färberei und Papierfabrikation sowie Wein⸗ und Kastanienbau. A. wurde 1219 von Kaiser Friedrich II. zur Reichsstadt (Annewiler) erhoben, aber 1330 von Kaiser Ludwig IV. an den Pfa Waber verpfändet und nicht wieder eingelöst. Das Annweiler Thal, genannt die Pfälzer Schweiz, eins der schönsten in dem Hardtgebirge, ist ein enges, von der Queich durchflossenes Wiesenthal, zu beiden Seiten von belaubten Bergabhängen eingeschlossen, aus welchen der nackte bunte Sandstein in den seltsamsten Felsbildungen höchst malerisch zu Tage tritt. Der schönste Teil desselben dehnt sich 9 Km westwärts bis Wilgartswiesen. Etwa 5 km im Südosten von A. liegen auf dem Sonnenberge (457 müber dem Meere), die Ruinen des Trifels, eines großartigen Kaiserschlosses, das Reichsgut war und öfter als Residenz der Kaiser, mehrfach auch als Schatzkammer und Aufbewahrungsort der deutschen Reichskleinodien diente. Hier war es, wo der gebannte Heinrich IV. 1076 Schutz fand, wo Heinrich V. den mainzer Erzbischof Adalbert in harter Gefangenschaft hielt, wo unter Heinrich M. König Richard Löwenherz 1193—94 gesangen saß und wo Heinrich VI. seine ital. Schätze barg. Nach dem Dreißigjährigen Kriege geriet die Burg immer mehr in Verfall, sodaß jetzt, außer dem 25 m hohen, viereckigen Quadersteinturme, nur noch einzelne Mauern vorhanden sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 687Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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