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HeilkundeBrockhaus 1882

Anotto, s. Orlean. Aupassung (Adaptation) wird im allgemeinen die Gesamtheit der Vorgänge genannt, wodurch der Organismus whirrrrdat veränderter Wechselbeziehungen zur Außenwelt erhält. Jeder Organismus steht einerseits unter der Einwirkung aller nur möglichen Einflüsse der Außenwelt, Thätig er andererseits gegen dieselben durch seine Thätigkeit reagiert; er ist, abgesehen von seiner 42 Kiaenfoiets Zusammensetzung, die Resultante dieses egenspiels von Ursachen und Wirkungen und demnach auch auf eine gewisse Summe von solchen Einflüssen eingerichtet. Andern sich diese Einflüsse in irgendeiner Weise oder nach bestimmten Richtungen hin, so muß sich auch die Gegenwirkung von seiten des Organismus ändern; er muß sich diesen Veränderungen anpassen, will er nicht zu Grunde gehen. Es ist klar, daß diese A., wenn sie innerhalb gewisser Grenzen der Einflüsse und der Zeit sich hält, rein funktionell bleiben kann; daß aber, da die Ausübung der Funktionen auf die Organe selbst eine Rückwirkung äußert, diese selbst schließlich verändert werden und durch diese Veränderung auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen. So steht die A. in nächster Beziehung zu der Veränderlichkeit der Organismen und wird großenteils zur bedingenden Ursache derselben. Sobald aber durch eine solche A. eine Veränderung erzeugt ist, so kann dieselbe auch auf die Nachkommen durch Vererbung übertragen werden, und sobald dieselben Einflüsse auf die Nachkommen fortwirken, werden auch die entsprechenden A. stets umfangreichere Veränderungen nach sich ziehen. So bildet denn die A. einerseits den direkten Gegensatz gegen die Vererbung, welche die Nachkommen den Eltern ähnlich erhält, andererseits aber auch den Grund der stufenweisen Umwandlungen, die durch die Vererbung eine dauernde Abänderung der Charaktere herstellt. Bei den durch geschlechtliche Zeugung fortgepflanzten Organismen, wo die Grundlage des Sprößlings aus dem materiellen Zusammenwirken zweier, einander zwar ähnlichen, aber niemals gleichen Individuen hergesielt wird, muß auch die Einwirkung der Außenwelt in ihrem Resultate eine verschiedene sein, um so verschiedener, je größer die ursprüngliche Verschiedenheit der Sprößlinge ist. Semper (Die natürlichen Existenzbedingungen der Tierer, Lpz. 1880) hat die Wissenschaft, welche sich mit der A. überhaupt, also mit der Untersuchung der Lebensbeziehungen verschiedener Tierarten zueinander und zu ihren, sie als Art zerstörenden oder umformenden Lebensbedingungen beschäftigt, als Physiologie der Organismen bezeichnet, im Gegensatze zu der Physiologie der Organe, welche die einzelnen Funktionen studiert. Wie bemerkt, kann die A. anfangs rein funktionell sein. Ein sehendes Tier, das für einige Stunden oder Tage im Dunkeln verharrt, wird durch Erweiterung seiner Pupillen zu sehen versuchen, ohne daß die Struktur des Auges dadurch im mindesten beeinträchtigt würde und zugleich durch Tasten sich zu orientieren suchen; dauert aber der Aufenthalt im Dunkeln durch das ganze Leben und die nachfolgenden Generationen an, so wird nach und nach, wie bei dem Proteus der Höhlen von Krain, das Tier sich dadurch anpassen, daß seine unbrauchbaren Augen verkümmern, der Tastsinn dagegen höher entwickelt wird. Jedes Organ und ganze Organgruppen, ja endlich der Gesamtorganismus wird auf diese Weise durch A. verändert, und da die vorteilhaften Anderungen vererbt werden, so wird es schließlich unmöglich, von vornherein die ursprünglichen und die durch Vererbung festgestellten, aber anfänglich durch A. erworbenen Eigenschaften zu scheiden. Bei genauerer Untersuchung wird man dann, wie K. Semper richtig sagt, zu der Erkenntnis kommen, daß die meisten und vielleicht alle jetzt in hohem Maße erblichen Eigenschaften durch Modifikation derjenigen Organe entstanden sind, welche ursprünglich die Elemente zu lange andauernder und weitgehender allmählicher Umwandlung in sich trugen. In welcher Weise die innern, zur A. führenden Vorgänge sich abspielen, — noch meistens unerforscht. Jedenfalls spielt dabei der Funktionswechsel (s. d.) eine große Rolle, durch welchen an die Stelle der Habenfunktton Hauptfunktion eines Organs eine Nebenfunktion sich ausbildet und zuletzt Hauptfunktion wird, ein Fuß z. B. Freßorgan oder Respirationsorgan u. s. wG. Daß die A. nach verschiedenen Richtungen hin thätig sein kann, ergibt 100 von selbst, sie kann ebenso zu harmonischer Ausbildung und Vervollkommnung des Organismus führen wie zu einseitiger Entwickelung und zur Verkümmerung und Rückbildung. Letzteres läßt sich namentlich bei festsitzenden und schmarotzenden Tieren beobachten; die A. an die sitzende Lebensart führt zu einseitiger Rückbildung der Bewegungsorgane und Ausbildung von Schutzorganen, der Parasitismus schließlich zur Rückbildung fast aller Organe mit Ausnahme der Fortpflanzungsorgane, welche fast einzig übrig bleiben. (S. Parasitismus.) Die Grenzen, bis zu welchen einesteils die fortschreitende Entwickelung durch A., andererseits die Rückbildung sich ausdehnen können, sind noch nicht festgestellt; ebensowenig sind die Beziehungen der einzelnen Organe zueinander erforscht, infolge deren gewisse Organe sich nicht ändern können, Aur daß andere in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf der A. und der durch Vererbung erfolgenden Fixierung der erworbenen Charaktere beruhen einerseits die Akklimatisation (s. d.), andererseits die natürliche und künstliche Züchtung (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 689Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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