FeedAnstrich
NaturlehreBrockhaus 1882

Anstrich auf Holz⸗ und Mauerwerk u. s. w. so- wie auf Metallgegenständen hat entweder die Verschönerung der Oberfläche oder den Schutz gegen hanpt, mih und Einwirkung der wohl (ow überaupt, in besondern Fällen auch wohl (soweit es sich um Holz oder Leinwand handelt) gegen Entzündung, zum Zwecke. Die zu A. dienenden Substanzen sind Flüssigkeiten, oftmals mit feinpulverigen, festen Stoffen innig vermengt, und werden gewöhnlich mittels Borstenpinsel in einfacher Lage oder in mehrern Lagen übereinander aufgestrichen. Im letztern Falle pflegt die erste Lage, der sog. Grund, aus einer minder wertvollen Substanz zu bestehen, welche aber besonders geeignet ist, die natürlichen Rauheiten der Körperoberfläche zu verdecken und die feste Verbindung dieser Oberfläche mit dem später folgenden A. zu vermitteln. Wenn eine Verschönerung oder Verzierung der Gegenstände allein oder hauptsächlich als Zweck vorliegt, so bestehen die A. in Farben verschiedener Art. So die Kalkfarben (aus zu dünnem Brei gelöschtem Kalk mit oder ohne Zusatz von Frankfurter Schwarz, Ocher, Umbra, Englischrot u. s. w.) auf verputztem Mauerwerk; die Leimfarben (Erd⸗ und Lackfarben, mit Leimwasser angemacht) auf Wänden im nnern, Leinwand und geringerm Holzwerk; die lfarben (meist mineralische Farbstoffe, mit Leinölfirnis angerieben) in solchen Fällen, wo der A. gegen die Nässe haltbar sein muß, sowohl auf Mauern als auf Holz und Metall, namentlich Eisen, welches dadurch zugleich den nötigen Schutz gegen Verrosten erlangt; die Milchfarben (aus abgerahmter Milch, Leinölfirnis und Terpentinöl mit gemahlener Kreide und gelegentlichen Beimischungen von Indigo, Englischrot, Ocher, grüner Erde) und die Käsefarben (frischer Käse mit zerfallenem Kalk und den obengenannten Farbstoffen, verdünnt durch Milch) auf Wänden und Holzwerk. Einen sür haltbaren und verhältnismäßig billigen A. ür Häuserfacaden erzielt man mit Zinkoxyd, welches mittels dunnen Leimwassers aufgetragen wird; nachdem dieser erste A. getrocknet ist, läßt man einen zweiten mit einer Auflösung von Chlorzink in dünnem Leimwasser folgen. Dieser A. trocknet sehr schnell und kann durch Zusatz von Farben verschiedene Nuancen erhalten. — Als wasserabhaltenden A. auf gröberes, im Freien stehendes Holzwerk gebraucht man hauptsächlich den Teer (owohl Holz⸗ als Steinkohlenteer), öfters mit Kalk, Ziegelmehl, Pech vermischt. Feuerfeste A. für Holz und Leinwand können niemals diese Stoffe gegen die Zerstörung durch Feuer schützen, also im eigentlichen Sinne unverbrennlich machen, sondern nur das Verbrennen verzögern und das Ausbrechen in eine starke Flamme, dadurch aber die rasche Verbreitung eines Feuers hindern. Diesen Erfolg gewährt zum Teil schon ein A. von Kalkmilch oder von Sodaauflösung mit eingerührtem Lehm. In jeder Hinsicht vorzuziehen ist ein mehrmaliges Bestreichen mit einer Auflösung von Wasserglas (I. d.), mmtt Wafsereindringt, bis zuletzt auch die Oberfläche mit Wasserglas bedeckt bleibt. Rostabhaltende A. auf Eisenwerk geben Teer mit eingemischtem Graphit, Asphalt und Harz in Terpentinöl oder Benzin aufgelöst, Guttapercha nebst Kolophonium und Schellack, aufgelöst in Steinkohlenteeröl, Leinölfirnis mit Ziegelmehl und Bleiglätte u. dgl. m. Im weitern Sinne des Wortes würden zu den A. auch die Firnisüberzüge, die Lackierungen und gewisse Arten der Bronzierung und Brünierung zu rechnen sein; doch ist der Sprachgebrauch gegen diese Vereinigung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 699Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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